PDF

Nr. 2.4.1.09

Jacob Jebsen, Teilhaber der Firma Jebsen & Co., Hongkong, aus Apenrade, an Julius Riecken, Leiter der Firma Jebsen & Co., Hongkong, betr. den Vertrieb von Indigo der Badischen Anilin- und Soda-Fabrik sowie die allgemeine Geschäftslage in China, 30. September 1911

Geschäftsbrief

Regest:

Jacob Jebsen, Teilhaber der Firma Jebsen & Co. in Hongkong, der sich inzwischen in Apenrade niedergelassen hat, schreibt an Julius Riecken, der zum 1. März 1910 die Leitung der Firma Jebsen & Co. in Hongkong übernomnmen hat, um ihm eine Rückmeldung auf verschiedene übermittelte Briefe zu geben. Er hebt die wirtschaftliche Bedeutung der Vertretung der BASF für die Firma Jebsen & Co. hervor und lobt in diesem Zusammenhang Rieckens intensive persönliche Reisetätigkeit in der Provinz Fujian. An der Berichterstattung Rieckens darüber, die auch der BASF zur Kenntnis gelangt, hat er jedoch einiges zu bemängeln. Die allgemeine Geschäftslage kommentiert Jacob Jebsen vor dem Hintergrund der revolutionären Ereignisse in China mehrfach als nicht sehr erfreulich, auch über die künftige Zusammenarbeit mit den Firmen Lauts & Haesloop sowie Diederichsen & Co. besteht noch keine Klarheit. Jebsen ist sich aber bewusst, mit der Vertretung der BASF besser dazustehen als viele andere Handelshäuser.

30. Sept. 1911.


Lieber Herr Riecken,

Ich habe recht verschiedene Briefe von Ihnen zu beantworten, soweit dies nicht bereits durch Herrn Jessen geschehen ist. Ein Aufstellung ueber die Zinsverrechnung wollte er Ihnen von Hamburg schicken, was inzwischen geschehen sein wird. Leider wird unser Geld keineswegs billiger werden, sondern das Gegenteil, aber unsere Konkurrenz kann unter keinen Umstaenden darin besser gestellt sein.

Bei der schlechten Geschaeftslage ist es erfreulich, dass wir uns in der BASF Abteilung verhaeltnismaessig sehr gut gehalten haben. Sehr interessiert haben sich Ihre Mitteilungen ueber die Fukien Reise, die sicher dringend noetig war, es war aber m. E. nicht politisch klug von Ihnen, bei jedem besuchten Platz extra zu erwaehnen, dass man dort nie von unserm Indigo gehoert hatte. Da duerfte die Badische eigentlich mit Recht die Frage stellen, warum wir oder Wangkee dort noch nichts gethan haben. Ausserdem habe ich muendlich und auch in Briefen von draussen behauptet, dass z. B. Hinghwa, wo der Missionar die Vertretung der BASF haben wollte, bereits von Wangkee bereist wuerde. Ich habe immer den Eindruck gehabt, dass wir in Fukien sehr Geschaeft machen koennten und habe dies auch Yueting des Oefteren gesagt, es ist sehr erfreulich dass durch Ihre Reise darin nun eine Aenderung eintreten duerfte. Dass Pekwan allein als Reisender nicht mehr genuegt ist mir schon lange klar und wenn wir einen zweiten Mann engagieren koennen, so wird dies sicher von Nutzen sein, vorausgesetzt dass wir einen brauchbaren Mann finden, der nicht wie ein frueherer einfach in Canton bleibt und Bogusberichte schreibt oder nur fuer seine eigene Tasche arbeitet. Es wird dann empfehlenswert sein jedem der beiden Leute einen bestimmten Rayon zur Bearbeitung zu geben.

Ueber das allgemeine Geschäft ist ja leider nicht viel Erfreuliches zu sagen und es liegt auf der Hand dass die Furcht vor weiteren Unruhen einen sehr Einfluss auf den Handel ausuebt. Wir werden uns wohl auf einen recht unguenstiges Jahr gefasst machen müssen. Wegen Amoy und Swatow haben wir hier noch nichts weiter unternehmen koennen.1 Ich treffe aber in Kuerze Focke, der im Januar wieder nach draussen geht und werde ihm dann auf den Zahn fuehlen. Er ist in der Firma jetzt doch der entscheidende Mann.

Ph. Moeller ist inzwischen wieder hinausgefahren, ohne die Unterredung mit uns ueber ein eventuelles gemeinsames Vorgehen in Canton mit uns gehabt zu haben.2 Ich bin sehr gespannt, wie er sich dort arrangieren wird. Es heisst, dass er in Zukunft in erster Linie die Shanghai-Firma bearbeiten und den Filialen mehr Selbstaendigkeit lassen soll.

Bedauerlich ist es, dass unser Godown sich in letzter Zeit so schlecht vermiethet, waehrend gerade anderes erwarten durch den Zuzug von Chinesen so sehr gestiegen ist. Hoffentlich wird es nicht noetig, zu den herabgesetzten Raten langfristige Kontrakte zu machen.

Haben Sie eigentlich die Verbindung von Macdonald schon ganz liquidiert oder lagert noch viel der j/a Ware?

Hoffentlich bessern sich draussen auch endlich bald die Verhaeltnisse, damit wir alle mehr Freude am Geschaeft haben. Wie mag es wohl andern Firmen die keine lohnenden Specialverbindungen haben ergehen? Mit freundlichem Gruss auch an die uebrigen Herrn im office

Ihr ohne Unterschrift