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Nr. 2.5.3.08

Protokoll der Sitzung des Konsortiums für Asiatische Geschäfte am 17. April 1912 betr. die Rahmenbedingungen und Konditionen für neue chinesische Anleihen, 17. April 1912

Protokoll

Regest:

Die Vertreter der dem Konsortium für Asiatische Geschäfte angehördenden Banken stimmen in ihrer Sitzung am 17. April 1912 dem Vorschlag von Charles Stewart Addis von der Hongkong and Shanghai Banking Corporation grundsätzlich zu, in die Verhandlungen der britischen, französischen, deutschen und amerikanischen Bankengruppen mit der neuen republikanischen chinesischen Regierung künftig auch Vertreter von russischen und japanischen Banken mit einzubeziehen und für Mitte Mai 1912 eine erste gemeinsame Konferenz ins Auge zu fassen. Außerdem werden die ebenfalls von Addis unterbreiteten Vorschläge für nähere Instruktionen an die Vertreter der vier Bankengruppen in Peking für die schwebenden Verhandlungen mit der chinesischen Regierung über weitere Anleihen diskutiert. Während die britischen und amerikanischen Banken erkennbar dahin tendieren, das republikanische China bei seinen Reformanstrengungen finanziell weiter zu unterstützen, ohne es zu bevormunden und von außen kontrollieren zu wollen, plädieren andere - wie die Franzosen und die Mitglieder des Konsortiums für Asiatische Geschäfte - ganz im Einklang mit den Vorschlägen der Vertreter fast aller beteiligten Banken vor Ort in Peking für mehr direkte Kontrolle über die Verwendung der Gelder. Zur Frage der Einbeziehung russischer und japanischer Banken vgl. auch Dokument Nr. 2.5.3.07; Dokument Nr. 2.5.3.09.

Konsortium für Asiatische Geschäfte.


Protokoll der Sitzung am 17. April 1912


Anwesend

Direction der Disconto-Gesellschaft

Norddeutsche Bank in Hamburg

Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank

(Herr Dr. A. Salomonsohn)

Deutsche Bank

(Herr Heinemann)

Dresdner Bank

(Herr Jüdell)

Berliner Handels-Gesellschaft

(Herr Dr. W. Merton)

Bank für Handel & Industrie

(Herr Andreae jr.)

S. Bleichröder

(Herr A. Wolff)

A. Schaaffhausen’scher Bankverein

(Herr Schwitzer)

Nationalbank für Deutschland

(Herr Wittenberg)

Deutsch-Asiatische Bank

Sal. Oppenheim jr. & Cie.

L. Behrens & Söhne

(Herr E. Rehders, Herr C. Erich, Herr Dr. H. Lange)


1) Der Vorsitzende bemerkt zunächst, dass die Teilnahme der Russen an den schwebenden Verhandlungen betreffend, den Botschaftern der vier Mächte seitens der russischen Regierung ein Aide Memoire überreicht worden ist, wovon den Anwesenden eine Kopie vorgelegt wird. Seitens der Japaner sind weitere Mitteilungen, ausser der, dass die Yokohama Specie Bank der Deutsch-Asiatischen Bank angezeigt hat, dass sie von ihrer Regierung mit der Vertretung der Japanischen Finanzinteressen bei den Verhandlungen beauftragt sei, weder bei den Gruppen noch bei dem Auswärtigen Amt bisher eingegangen. Auf Bemerkungen, die die Deutsch-Asiatische Bank zu dem erwähnten aide-memoire der russischen Regierung Herrn Addis gegenüber gemacht hat, schlägt dieser vor, eine Konferenz der Gruppen zwecks endgültiger Regelung der Art der Beteiligung der beiden erwähnten Regierungen auf Mitte Mai einzuberufen, ein Vorschlag, dem das Consortium zustimmt.

2) Es wird ferner Abschrift eines von Herrn Addis am heutigen Tage eingegangenen Telegrammes überreicht, das einen Entwurf zu einer an die Peking-Vertreter zu richtenden Depesche enthält, worin diese über die anlässlich der schwebenden Anleihe-Verhandlungen an die chinesische Regierung zu stellenden Forderungen instruiert werden. Das Telegramm entspricht im wesentlichen den bereits in der Sitzung vom 10. ds. Mts. mitgeteilten Addis‛schen Gegenvorschlägen gegenüber dem von den Peking Vertretern in ihrem Telegramm vom 27. März cr. aufgestellten Programm.

Der Herr Vorsitzende erwähnt hierzu, dass die Franzosen den Standpunkt des deutschen Consortiums laut eines an Herrn Addis gerichteten Schreibens des Herrn Simon vom 16. cr. teilen, dass man, wenn es möglich ist, auf der Durchführung des Programmes der Peking Vertreter bestehen solle, die Amerikaner jedoch von ihrem anfänglich gleichen Standpunkt zurückgekommen und sich vollständig dem des Herrn Addis angeschlossen hätten. Von Herrn Cordes, bei dem die Deutsch-Asiatische Bank telegrafisch angefragt hatte, weswegen die Peking-Vertreter so einschneidende Massregeln vorschlügen, ist eine Antwort bisher nicht eingegangen. Das erwähnte Telegramm des Herrn Addis wird verlesen und im einzelnen näher besprochen. Das Consortium hält es nach wie vor für richtig im Prinzip an dem Programm der Peking-Vertreter festzuhalten, und falls nicht das von Herrn Cordes erwartete Telegramm eine Aenderung des Stanspunktes der vier Vertreter bringe, soll Herr Addis ersucht werden, seinem nach Peking zu sendenden Telegramm die Fassung zu geben, dass die Gruppen das Programm der Vertreter, wenn möglich durchgeführt zu sehen wünschen, andernfalls aber einem Arrangement des von Herrn Addis vorgeschlagenen Inhalts beistimmen würden.

G. w. v.

Deutsch-Asiatische Bank.