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Nr. 2.5.3.09

Max. M. Warburg, Teilhaber des Bankhauses M. M. Warburg & Co., Hamburg, an Albert Ballin, Generaldirektor der HAPAG, nach Kissingen, betr. die Bemühungen Chinas um finanzielle Unterstützung durch amerikanische und europäische Banken, 27. April 1912

Privatbrief

Regest:

Der Bankier Max M. Warburg informiert den mit ihm befreundeten und gerade zur Kur in Bad Kissingen weilenden Reeder Albert Ballin über den aktuellen Stand der internationalen Verhandlungen über die sogenannte chinesische Reorganisationsanleihe, in die auf ausdrücklichen chinesischen Wunsch hin auch Banken aus Japan und Russland einbezogen werden sollen, was bei den schon seit längerem für chinesische Staatsanleihen auf den internationalen Kapitalmärkten zusammenwirkenden Banken aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland und den USA jedoch noch immer auf Vorbehalte stößt, vor allem wegen der wachsenden Anforderungen an die Koordinierung und Abstimmung. (Vgl. hierzu auch Dokument Nr. 2.5.3.07; Dokument Nr. 2.5.3.08). Die Bestrebungen der franzöischen Banken, auch belgische Bankinstitute in die Finanzierung mit einzubeziehen, erschwert die Absprachen zusätzlich, wie Warburg offen anspricht. Nebenbei teilt er Ballin die Aktienkurse für verschiedene Schifffahrtsgesellschaften mit.


Nachträglich handschriftlich ergänzt in rot: I Hamburg, den 27. April 1912.


Nachträglich handschriftlich ergänzt in schwarz: W


Handschriftliche Anrede: Liebster Freund!

Ich schrieb Ihnen bereits heute und möchte Ihnen nur noch einige Worte mitteilen, um Sie mit Bezug auf China au courant zu setzen.

In der letzten Woche waren Straight und Carter hier, die Vertreter des amerikanischen Syndikats – ersterer der langjährige Peking-Vertreter –, und berichteten uns ausführlich. Die Situation ist ziemlich trostlos, und ich sehe eigentlich nicht, wie man weiter kommen soll. Yuanshikai verliert immer mehr Anhänger und scheint auch selbst ziemlich entnervt zu sein.

Ich habe den ehrenvollen Auftrag, das kleine belgische Syndikat, das uns das Leben in China bis jetzt ziemlich sauer machte, zu uns herüber zu leiten. Die Männer sind auch ziemlich mürbe, und ich hoffe daher Erfolg zu haben. Voraussichtlich ist am 7. Mai in London eine Sitzung, in der zum ersten Mal auch die Vertreter von Japan und Russland anwesend sein werden. Dann hat man sechs Gruppen, d. h. sechs Bankier-Gruppen und sechs Auswärtige Aemter, die sich einigen sollen; wenn China da nicht Pleite geht, so müssen wirklich noch Wunder geschehen. –

Schiffahrts-Aktien waren heute wieder recht fest: Packet 144 7/8 %, Lloyd 117 1/4 %, Hansa 248 3/4 %. –

unleserliche handschriftliche Grußformel


Albert Ballin der Name „Albert Ballin“ wurden nachträglich handschriftlich rot unterstrichen

Kissingen