|1. Blatt|
Nachträglich handschriftlich ergänzt in rot: I Hamburg, den 27. April 1912.
Nachträglich handschriftlich ergänzt in schwarz: W
Handschriftliche Anrede: Liebster Freund!
Ich schrieb Ihnen bereits heute und möchte Ihnen nur noch einige Worte mitteilen, um Sie mit Bezug auf China au courant zu setzen.
In der letzten Woche waren Straight und Carter hier, die Vertreter des amerikanischen Syndikats – ersterer der langjährige Peking-Vertreter –, und berichteten uns ausführlich. Die Situation ist ziemlich trostlos, und ich sehe eigentlich nicht, wie man weiter kommen soll. Yuanshikai verliert immer mehr Anhänger und scheint auch selbst ziemlich entnervt zu sein.
Ich habe den ehrenvollen Auftrag, das kleine belgische Syndikat, das uns das Leben in China bis jetzt ziemlich sauer machte, zu uns herüber zu leiten. Die Männer sind auch ziemlich mürbe, und ich hoffe daher Erfolg zu haben. Voraussichtlich ist am 7. Mai in London eine Sitzung, in der zum ersten Mal auch die Vertreter von Japan und Russland anwesend sein werden. Dann hat man sechs Gruppen, d. h. sechs Bankier-Gruppen und sechs Auswärtige Aemter, die sich einigen sollen; wenn China da nicht Pleite geht, so müssen wirklich noch Wunder geschehen. –
Schiffahrts-Aktien waren heute wieder recht fest: Packet 144 7/8 %, Lloyd 117 1/4 %, Hansa 248 3/4 %. –
unleserliche handschriftliche Grußformel
Albert Ballin der Name „Albert Ballin“ wurden nachträglich handschriftlich rot unterstrichen
Kissingen
d. h. das heißt
SWAStiftung Warburg Archiv, Hamburg
SWAStiftung Warburg Archiv, HamburgFMax M. Warburg, Korrespondenz mit Albert Ballin
Bankhaus M. M. Warburg & Co., HamburgDas Bankhaus M. M. Warburg & Co., gegründet 1798 von Moses Marcus Warburg (1763–1830) und Gerson Warburg (1765–1825) in Altona, entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einer der bedeutendsten deutschen Privatbanken. Sie pflegte enge Geschäftsbeziehungen zu den Überseekaufleuten und Reedern der Hansestadt Hamburg, zu anderen renommierten Bankiers in Deutschland, Europa und den USA und sie beteiligte sich nach der Gründung des Deutschen Reichs am auflebenden Wertpapierhandel ebenso wie an internationalen Emissionsgeschäften. Vor allem Moritz M. Warburg, der 1891 als Prokurist in die Bank eintrat, prägte ihre weitere, in die Weltwirtschaft eingebundene Entwicklung, etwa durch den Aufbau enger Geschäftsbeziehungen zu Albert Ballin und der HAPAG, durch sein Enagement für die deutschen kolonialen Bestrebungen und durch seinen wachsenden Einfluss als internationaler Finanzdiplomat. Vgl.
Vagts, M. M. Warburg & Co.
;
Rosenbaum/Sherman, Bankhaus M. M. Warburg & Co.
;
Kleßmann, M. M. Warburg & CO
.
Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (HAPAG), Hamburg; auch: Hamburg-Amerika-Linie (HAL)Zur Unternehmensgeschichte der 1847 gegründeten HAPAG in Hamburg, die sich zunächst der Transatlantikfahrt zuwandte, ihre Schiffe dann aber auch in der Ostasien- und Australienfahrt einsetzte und sich unter der Leitung ihres Generaldirektor Albert Ballin seit der Jahrhundertwende zu einer der größten Dampfschifffahrtsgesellschaften der Welt entwickelte. Ballin stützte sich u.a. auf ein „Literarisches Bureau“, in dem umfassend und systematisch Informationen über die weltweite Schiffahrt gesammelt und aufbereitet wurden. Vgl.
Witthöft, HAPAG
;
Witthöft, Hapag-Lloyd
,
Seiler, Ostasienfahrt
;
Seiler, Australienfahrt
;
Ritter, Der Kaiser und sein Reeder
;
Wiborg/Wiborg, Unser Feld ist die Welt
.
Deutsche Dampfschiffahrts-Gesellschaft Hansa (DDG Hansa), BremenDie DDG Hansa wurde 1881 von mehreren Bremer Kaufleuten gegründet, nachdem der Bremer Senat den Bau eines Seehafens und die Korrektion der Weser beschlossen hatte. Mit der 1888 ins Leben gerufenen „Asiatischen Linie“ – ein Schwesterunternehmen der DDG Hansa – wurde ein Jahr später der direkte Dampferverkehr nach Britisch-Indien aufgenommen, zunächst allerdings von Hamburg aus, weil die Weserkorrektion erst später vollendet werden konnte. Die Linie führte von Hamburg mit Zwischenhalten in Antwerpen und verschiedenen englischen Häfen über Colombo auf Ceylon bis nach Kalkutta. Ziel der Bremer Kaufleute war die Ausschaltung des britischen Zwischenhandels und die Erschließung neuer Märkte für Baumwolle, Reis und Jute. Trotz massiven Widerstrebens der Peninsular & Oriental Steam Navigation Company, die auf Preisdumping setzte, konnte sich die „Asiatische Linie“ behaupten. 1894 fusionierte sie mit dem Mutterhaus, das inzwischen ebenfalls eine Linie nach Karachi und Bombay eingerichtet hatte, die gewinnbringend betrieben werden konnten. Die DDG Hansa entwickelte sich bis zur Jahrhundertwende zur wichtigsten deutschen Reederei für Fahrten nach Britisch-Indien. Nach 1900 setzte ihr die Konkurrenz durch die britische Peninsular & Oriental Steam Navigation Company wie die deutsche HAPAG allerdings immer mehr zu. Es kam schließlich zu einer wettbewerbsbeschränkenden Verständigung, derzufolge die DDG Hansa gemeinsam mit anderen Reedereien weiterhin einen globalen Liniendienst anbieten konnte, der auch Niederländisch-Indien, Australien und Neuseeland umfasste. Vgl.
Roder, „Asiatische Linie“
.
Hamburg
Kissingen (seit 1883: Bad Kissingen)
Japan; auch: Japon (französisch), Jappan
Russland; auch: Russia (englisch), Rußland
Großbritannien; auch: England, Great Britain, United Kingdom of Great Britain and Ireland, Vereinigtes Königreich Großbritannien und IrlandNach dem Zusammenschluss des 1707 gebildeten Königreichs Großbritannien mit dem nur noch formell selbständigen Irland im Jahr 1801 lautete die offizielle Staatsbezeichnung Großbritanniens bis 1927 Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland. Das Staatsgebiet umfasste auf den Britischen Inseln die vier Landesteile England, Wales, Schottland und Irland, hinzu kamen abhängige Territorien auf allen Kontinenten, deren größte Ausdehnung 1922 erreicht war. 1927, mit der Bildung des Irischen Freistaats, wurde die offizielle Staatsbezeichnung verändert zu Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland.
Frankreich
Deutschland; auch: Deutsches Kaiserreich, Deutsches ReichBis zur Gründung des Deutschen Reichs im Jahr 1871 kann von Deutschland nicht im Sinne eines Nationalstaates gesprochen werden. Doch in den Quellen wird der Begriff Deutschland auch zuvor häufig verwendet, wenn es den Urhebern nicht um eine Differenzierung zwischen den verschiedenen deutschen Teilstaaten ging.
Vereinigte Staaten von Amerika; auch: United States (US), United States of America (USA), Vereinigte Staaten von Nordamerika
China; auch: chinesisches Kaiserreich, chinesisches Reich, chinesische Republik, Reich der Mitte
Beijing (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Pekin (englisch), Peking
London
Warburg, Max MoritzMax Moritz Warburg (Max M. Warburg)Bankier11880617305.06.186726.12.1946Max M. Warburg absolvierte eine internationale Banklehre, u. a. bei N. M. Rothschild & Sons in London, und trat 1893 als Teilhaber in das von seinem Vater gegründete Bankhaus M. M. Warburg & Co. in Hamburg ein. Er baute die Bank zu einer der führenden deutschen Privatbanken aus, die sich an bedeutenden Emissionen in Europa und Übersee beteiligte und zudem im Kreditgeschäft für Handel und Industrie eine wichtige Rolle spielte. Gemeinsam mit Werner von Melle trieb Max M. Warburg 1908 die Gründung des Hamburgischen Kolonialinstituts voran, aus dem später die Universität Hamburg hervorging. 1910 übernahm er die alleinige Leitung des Bankhauses und betätigte sich seither vermehrt auch als Berater Kaiser Wilhelm II. Nach Beginn der Chinesischen Revolution im Herbst 1911 nahm Max M. Warburg als Repräsentant einer amerikanischen Bankengruppe, die sich zuvor an der Emission chinesischer Staatsanleihen beteiligt hatte, an verschiedenen internationalen Interbanken-Konferenzen teil. Von 1903 bis 1919 gehörte er als Mitglied der Nationalliberalen Partei der Hamburgischen Bürgerschaft an, wandte sich dann aber der Deutschen Volkspartei zu. Gemeinsam mit seinem Teilhaber Carl Melchior gehörte Max M. Warburg zur deutschen Delegation bei den Versailler Friedensverhandlungen. Vgl.
Warburg, Aufzeichnungen
;
Kopper, „Warburg, Max Moritz“
;
Hoffmann, Max M. Warburg
.
Straight, Willard DickermanWillard Dickermann StraightFinanzexperte, Journalist12995958831.01.188001.12.1918Willard Dickerman Straight war nach seinem Studium zunächst für den Imperial Maritime Customs Service in China, dann als Korrespondent für Reuters in Korea, als amerikanischer Generalkonsul in Mukden und für das State Department in Washington DC tätig. 1909 kehrte er nach China zurück, stieß mit seinen Plänen für Eisenbahnlinien im Norden Chinas allerdings auf den Wiederstand sowohl Russlands als auch Japans. Er stand außerdem in Verbindung mit dem Bankhaus Kuhn, Loeb & Co. in New York und nahm u. a. nach der Chinesischen Revolution an den internationalen Verhandlungen über eine Reorganisationsanleihe teil, die letztlich von den amerikanischen Banken aber nicht mit getragen wurde. Vgl.
Japan. An Illustrated Encyclopedia
, S. 1459;
King, Hongkong and Shanghai Banking Corporation, Bd. 2
, S. 204, 439, 479
Barth, Hochfinanz
, S. 293f., 299.
CarterCarterCarter war ein amerikanischer Bankier, der um 1912 an den internationalen Verhandlungen über die chinesische Reorganisationsanleihe beteiligt war, die letztlich von den amerikanischen Banken aber nicht mit getragen wurde.
YUAN Shikai; auch: YUAN Shik-k‛ai, Yuanshikai, YÜAN Shik-k‛aiYUAN ShikaiOffizier, Politiker, Staatsmann12897686116.09.185906.06.1916YUAN Shikai, von 1900 bis 1901 Gouverneur der Provinz Shandong und seit 1901 Generalgouverneur von Zhili sowie Minister der nördlichen Häfen Chinas trat für wirtschaftliche Reformen Chinas ein. Seit 1902 war er außerdem Minister für Beiyang (eine Region, die die heutigen Provinzen Liaoning, Hebei und Shandong umfasst) und baute als solcher die sogenannte Beiyang-Armee auf, die als leistungsfähigste ganz Chinas galt. Wegen seiner wachsenden Macht und seine Vorschläge für eine Verfassungsreform nach britischem Vorbild fiel er am Kaiserhof jedoch in Ungnade und verlor 1908 alle Ämter. In der Chinesischen Revolution spielte er eine wichtige mäßigende Rolle, indem er einerseits von den Qing die Wiedererlangung hoher Ämter für sich forderte und andererseits als Anführer der Beiyang-Armee die Revolutionäre zu Verhandlungen mit der kaiserlichen Regierung zwang. Am 14. Februar 1912 wurde YUAN Shikai, der den jungen Kaiser PU YI zur Abdankung veranlasste, mit dem Einverständnis des Anführers der Revolutionäre und eigentlich bereits gewählten Übergangspräsidenten SUN Yat-sen zum ersten offiziellen Präsidenten der Republik China ernannt. Vgl.
FANG, „YÜAN Shik-k‛ai“
;
CH‛EN, Yuan Shik-k‛ai
;
Young, Presidency of Yuan Shik-k‛ai
;
MacKinnon, Power and Politics
;
Shan, Yuan Shikai
.
Teilhaber; auch: Ahsocié, Associé, Gesellschafter, Partner, Theilhaber, Theilnehmer
Bankier; auch: banker (englisch), Banquier, merchant banker (englisch), Privatbankier
Reorganisationsanleihe, chinesische Als Reorganisationsanleihe wird die internationale Anleihe für die Republik China bezeichnet, die am 26. April 1913 unterzeichnet wurde und für die Stabilisierung der jungen Republik genutzt werden sollte. Hatten sich die internationalen Banken zu Beginn der chinesischen Revolution betont neutral verhalten, so stellten sie sich der neuen republikanischen Regierung bald wieder zur Verfügung. Vgl.
MacMurray, Treaties and Agreements
, hier Band 2, Nr. 1913/4, S. 1007–1020. Außerdem:
King, Hongkong and Shanghai Banking Corporation, Bd. 2
, S. 482–510;
Moazzin, Investing in the New Republic
.
Bank; auch: Aktienbank, Bankenwelt, Bankgeschäft, Bankhaus, banking operations (englisch), Geldgeber, Geldinstitut, Geschäftsbank, Großbank, Investmentbank, issuing bank (englisch), merchant bank (englisch), Privatbankhaus
Kurs; auch: Aktienkurs, Anleihekurs, Cours, Coursnotiz, WechselkursBörsenkurs
Schifffahrt; auch: Schifffahrtsbranche, Schifffahrtsgesellschaft
Aktien; auch: Actien, shares (englisch)