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Notiz für die Kreditabteilung.
Betrifft: C. Illies & Co.
Heute waren die Herren Schneider und Dr. Becker von C. Illies & Co. bei uns, um wegen eines Spezialkredits bei uns anzufragen. Ich hatte ja schon bei meiner letzten Unterredung mit Illies diesem zugesagt, dass wir eventuell bereit wären, Spezialkredite von Fall zu Fall mit einer höheren Provision zu machen bezw. zu arrangieren. Es handelt sich dieses Mal darum, dass Illies & Co. sich um einen Auftrag des Sumitomo-Konzerns, der ja prima ist, auf eine Radsatzfabrik bewerben. Es handelt sich um ein Objekt von insgesamt M 1.900.000.–. Es ist sind zu liefern vom Grusonwerk insgesamt M 1.500.000, wovon M 200.000.– 4 Monate, M 100.100 8 Monate, M 1.200.000.– 12 Monate Maximalarbeitszeit bis zur Verladung zu verlangen, ferner von diversen anderen Lieferanten M 400.000, die 5 bis 12 Monate Verladungszeit verlangen. Auf die gesamten Bestellungen ist 1/3 Anzahlung zu leisten mit ca. M 600.000.– Die Zahlung seitens der Japaner soll erfolgen, wenn die Maschinen drüben aufgestellt sind.
Es würde sich darum handeln, einen Spezialkredit zu gewähren, der mindestens M 600.000 für 12 Monate, höchstens M 1.200.000 bis 1.500.000 in der gleichen Zeit betragen würde. Ich habe den Herren erklärt, dass wir das Geschäft eventuell mit einigen Freunden gemeinsam machen würden, dass wir aber natürlich, wie ich es Herrn Illies auch schon früher gesagt hatte, für solche Spezialgeschäfte bessere Bedingungen haben müssten, wie für den gewöhnlichen Kredit. Ich versuchte 1/2 % Acceptprovision und 1/8 % extra herauszuholen, worauf aber der alte Schneider, der übrigens einen|2. Blatt, Vorderseite| brillanten Eindruck macht, und Dr. Becker beinahe in Ohnmacht fielen. Ich sagte ihnen schliesslich, dass ich es versuchen wollte, mit 3/8 % Acceptprovision per 3 Monate und 1/8 Provision per 3 Monate auf den Maximalbetrag des Kredits, also M 1.200.000 oder 1.500.000 durchzudringen. Die Herren werden nun hierüber an Herrn Illies, der augenblicklich in St. Moritz ist, schreiben und sich am Montag eine Depesche bitten, ob er hiermit einverstanden ist, damit wir auf dieser Basis eventuell mit dem einen oder anderen sprechen.
Lt. Aufgabe von Herrn Dr. Fritz M. Warburg.
6. Februar 1914.
Handschriftliche Paraphe: FMW.
Dr.Doktor
bezw., bzw.beziehungsweise
ca, ca.circa (lateinisch)
lt.laut
SWAStiftung Warburg Archiv, Hamburg
SWAStiftung Warburg Archiv, HamburgC-109000C. Illies & Co., Hamburg
Bankhaus M. M. Warburg & Co., HamburgDas Bankhaus M. M. Warburg & Co., gegründet 1798 von Moses Marcus Warburg (1763–1830) und Gerson Warburg (1765–1825) in Altona, entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einer der bedeutendsten deutschen Privatbanken. Sie pflegte enge Geschäftsbeziehungen zu den Überseekaufleuten und Reedern der Hansestadt Hamburg, zu anderen renommierten Bankiers in Deutschland, Europa und den USA und sie beteiligte sich nach der Gründung des Deutschen Reichs am auflebenden Wertpapierhandel ebenso wie an internationalen Emissionsgeschäften. Vor allem Moritz M. Warburg, der 1891 als Prokurist in die Bank eintrat, prägte ihre weitere, in die Weltwirtschaft eingebundene Entwicklung, etwa durch den Aufbau enger Geschäftsbeziehungen zu Albert Ballin und der HAPAG, durch sein Enagement für die deutschen kolonialen Bestrebungen und durch seinen wachsenden Einfluss als internationaler Finanzdiplomat. Vgl.
Vagts, M. M. Warburg & Co.
;
Rosenbaum/Sherman, Bankhaus M. M. Warburg & Co.
;
Kleßmann, M. M. Warburg & CO
.
C. Illies & Co., Yokohama / Hamburg (japanischer Firmenname: Irisu Shōkai)Das von Louis Kniffler
unter der Firma L. Kniffler &
Co. aufgebaute und seit April 1880 von Carl Illies sen. unter der Firma C. Illies & Co. mit Sitz
in Yokohama fortgeführte
Unternehmen stützte sich auch weiterhin auf eine Niederlassung in Kōbe und eine Niederlassung in Düsseldorf, letztere bis 1888
sogar unter dem Firmennamen L. Kniffler & Co.; erst nach dem Tod von Louis Kniffler wurde sie
nach Hamburg verlagert und in das
Handelshaus C. Illies & Co. integriert, das sich nun zu einem von Carl Illies sen. geprägten Familienunternehmen wandelte. In Japan, wo bereits 1885 eine weitere Niederlassung in Tokio eröffnet worden war, rückten die
Importe von Maschinen,
Motoren, Pharmazeutika, Chemikalien und Farben sowie Investitionsgütern für den Infrastrukturausbau zur Modernisierung
und Rüstung Japans in den Mittelpunkt.
C. Illies & Co. übernahmen in die Vertretung namhafter deutscher
Industrieunternehmen, darunter beispielsweise Friedr. Krupp. Doch Carl Illies sen. betrieb zugleich eine
bewusste „Japanisierung“ seines Unternehmens, was in der Verwendung eines
japanischen Firmennamens und der Ernennung japanischer Repräsentanten, die
bis in die höchsten gesellschaftlichen Kreise hinein vernetzt waren, zum
Ausdruck kam, um sich Aufträge von japanischen Regierungs- und
Behördenvertretern zu sichern. Nicht nur die Konkurrenz mit
britischen, französischen und amerikanischen sowie neuen deutschen Firmen,
etwa H. Ahrens & Co., M. Raspe & Co. und Carl Rohde & Co., war
ausgeprägt; hinzu kamen neue japanische, von den dortigen Behörden
bevorzugte Firmen. Die Firmenzentrale von C. Illies & Co. wurde im Mai
1898 nach Hamburg verlagert. In Japan wurden zusätzliche Filialen in
Shimonoseki
bzw.
Moji, Osaka (1900) sowie Kure
(1912/1913) eröffnet, die aber nur als Stützpunkte dienten und personell schwach
besetzt waren. C. Illies & Co. gelang es nun, immer zahlreichere
Vertretungsaufträge von deutschen Industrieunternehmen zu erlangen, die Maschinen und Anlagen
nach Japan lieferten, darunter nun
auch Felten &
Guilleaume. Die Konkurrenz durch andere deutsche und europäischen
Handelsfirmen war allerdings auch gewachsen und zudem hatten sich japanische
Firmen in Hamburg angesiedelt, die
einen wachsenden Anteil des japanischen Exports abwickelten, der um
1900 nur noch zu rund 60 Prozent über ausländische Firmen lief, während es
um 1892 noch rund 80 Prozent gewesen waren. Um die Tendenz zur Etablierung
von Werksvertretungen deutscher Industrieunternehmen in Japan abzuschwächen, wie sie auch von Felten & Guilleaume
erwogen wurde, gründeten C. Illies & Co. vermehrt eigene technische
Abteilungen, z. B.
die Farben-, die Eisen-
sowie die Ingenieur- und Maschinenabteilung. Sinkende Gewinnspannen im Handel
führten dazu, dass man auch den Einstieg in Finanzierungs- und
Beteiligungsgeschäfte erwog, was aber als sehr risikoreich erkannt und
deshalb zurückgestellt wurde. Nach 1905 vermittelte die Firma allerdings
vermehrt japanische Unternehmensanleihen an ausländische Investoren. Ob eine anvisierte engere
Kooperation mit der Deutschen
Bank in diesem Bereich zustande kam, ist mangels überlieferter
Quellen aber fraglich. Als Carl
Illies sen. 1910 verstarb, übernahm sein Sohn Carl Illies jun. die zu dieser Zeit
gut florierenden Geschäfte. Vgl.
Molsen, C. Illies & Co.
;
Bähr/Lesczenzki/Schmidtpott, C. Illies &
Co.
.
SUMITOMO-KonzernDer japanische SUMITOMO-Konzern geht zurück auf ein seit 1615 bestehendes Einzelhandelsgeschäft für Medikamente und Bücher, dessen Eigentümer bald auch in den Kupferbergbau investierten. Im 19. Jahrundert kamen Betriebe in weiteren Branchen hinzu, darunter Kabelproduzenten, Banken und Warenhäuser. Vgl.
Hunter, Concise Dictionary
, S. 215.
Hamburg
Buckau [Ort bei Magdeburg]
St. Moritz
Teilhaber; auch: Ahsocié, Associé, Gesellschafter, Partner, Theilhaber, Theilnehmer
Kredit; auch: Anleihen an dritte Personen, Ausleihung von Geldern, Blanco Credit, Credit, credit (englisch), Darlehen, Kreditgeschäft
Auftrag; auch: Bestellung, Order, Ordre
Provision; auch: provision (englisch), Umsatzprovision
Japaner; auch: Japanesen, japanische Unterthanen
Maschinen und Anlagen; auch: Apparat, Apperrat, machinery (englisch), Maschinenanlage
Telegramm; auch: Depesche, Kabel