PDF

Nr. 2.6.01

Adolf Widmann, Teilhaber der Firma Melchers & Co., Hongkong, an Carl Michelau und John W. Bandow, ebenfalls Teilhaber der Firma Melchers & Co., nach Shanghai, betr. die aktuelle Situation in Hongkong, 29. Oktober 1914

Privatbrief

Regest:

Adolf Widmann, Teilhaber der Firma Melchers & Co. in Hongkong, schreibt im Oktober 1914 an die beiden in Shanghai ansässigen Teilhaber des Hauses, um sie - empört und aufgewühlt - über die aktuelle Entwicklung im Umgang der Briten mit den Deutschen in Hongkong zu unterrichten. Hatte es zunächst so ausgesehen, als sei der Gouverneur der britischen Kronkolonie trotz des erklärten Krieges zwischen Großbritannien und Deutschland zu einem pragmatischen Miteinander bereit, so dringt die Regierung in London jetzt auf ein kompromissloses Vorgehen: Widmann selbst steht kurz vor der Internierung in einem Kriegsgefangenenlager, die Firma Melchers & Co. ist in Hongkong mit ihrer Liquidation konfrontiert. Widmann legt dausführlich dar, welche Abwicklungsschritte er in personeller und geschäftlicher Hinsicht bereits vorgenommen hat, auch gestützt auf die Hongkong and Shanghai Banking Corporation, und was demnächst möglichst von Shanghai aus noch zu berücksichtigen, erreichen und erledigen ist.


Hongkong, 29. Oktober 1914.


Lieber Michelau,

Lieber Bandow,

Das ist also der Schluss der 48jaehrigen Tätigkeit unserer Firma in Hongkong. Seit gestern wird unsere Unterschrift nicht mehr anerkannt und wir befinden uns in einer mehr oder weniger forcierten Liquidation.

Welche Gründe zu dieser ploetzlichen Sinnesaenderung der englischen Regierung gefuehrt haben, ist soweit nicht ersichtlich. Mitte letzter Woche sind anscheinend hier von London Instruktionen eingegangen, die deutschen geschaeftlichen Unternehmungen zu schliessen und zu liquidieren und alle Deutschen zu internieren als Kriegsgefangene, soweit sie nicht das 45. Lebensjahr ueberschritten haben oder aus ihren Militaerpapiere nachweisen konnten, dass sie von jeglichem Militaerdienst befreit wären. Irgendwelche Consulatsbescheinigungen der Befreiung vom Dienst sind nicht anerkannt worden. Macht geht eben vor Recht und wir sehen uns einer Freiheitsberaubung gegenueber, gegen die alle Vorstellungen soweit absolut nutzlos gewesen sind und die umso empoerender wirkt, als wir als Landsturmpflichtige hier draussen nie gezwungen worden waeren, einer Mobilmachung nachkommen zu muessen. Es sind daher nur 3 oder 4 Herren, die keine 45 Jahre alt sind ausgewiesen worden, die zu Hause gedient haben und auf deren Militaerpapieren von Hause aus die Befreiung vermerkt war, abgesehen von einigen, deren Militaerpapiere den Passus „absolut dienstuntauglich“ enthalten. Die groesste Mehrzahl der Zurueckgebliebenen gehoeren militaerisch als unausgebildete Leute dem Landsturm mit Waffe an. Auf meine verschiedentlichen Erkundigungen in den letzten Jahren bei dem Konsulat in Shanghai und noch hier im Juni bei Doktor Voretzsch, ob ich als Landsturmpflichtiger mit Waffe irgend etwas zu tun haette, um im Falle einer Mobilisierung nicht eingezogen zu werden, wurde mir stets die Antwort erteilt, dass Deutsche in selbststaendigen Stellungen, die dem Landsturm angehoeren, eo ipso nicht von den Konsulaten von der Dienstleistung befreit wuerden und dass ueberhaupt der Landsturm hier draussen garnicht aufgerufen werden koennte. Meine verschiedentlichen Proteste haben soweit nichts genuetzt. Ich weiß, dass man sich verschiedentlich hier von sehr einflussreicher Seite darum bemueht hat, mich frei zu bekommen, doch es ist soweit nicht moeglich gewesen.

Aus einer Bescheinigung des Canton Konsulats ersehe ich, dass Landsturmpflichtige, die nicht gedient haben, oder falls sie gedient haben, nicht sehr diensttauglich sind, nicht zu den Waffen gerufen worden sind. Es ist von grosser Wichtigkeit festzustellen, ob solche Landsturmpflichtigen zu Hause eingezogen worden sind oder nicht und ab sie vor der Einstellung, was ja sicher anzunehmen ist, einer militaerischen Untersuchung unterworfen worden sind. Ferner muss einwandfrei festgestellt werden, dass diese Landsturmpflichtigen, was aus der Konsulatsbescheinigung von Canton klar hervorgeht, hier in China nicht zum Dienst nach Tsingtau eingezogen sind.

Ich habe dann versucht, auf meine grosse Narbe hin fuer dienstuntauglich erklaert zu werden, die von einer schweren Blinddarm- & Bauchfellentzuendung herruehrt, die ich vor 20 Jahren durchzumachen hatte und durch die ich monatelang krank gewesen war. Diese Narbe und die damit zusammenhaengenden inneren Verwachsungen der Gewebe, Darmwaende usw. bis in die Nierengegend waren der Grund, weswegen ich nicht dienen konnte und auch mit einem Revers, wonach alle Folgen, die aus der Einstellung hervorgehen koennten, von mir zu tragen waeren, nicht dienen durfte. Der hiesige deutsche Arzt Dr. Hoch, Militaerarzt der Reserve, der von Reichs wegen die Befugnis hat, Deutsche auf ihre Militaertauglichkeit zu untersuchen, hatte mir sofort ein Zertifikat ausgestellt und die Dienstuntauglichkeit mit der Waffe einwandfrei bescheinigt. Eine auf meinen Antrag vorgenommene Untersuchung durch den leitenden englischen Militaerarzt hat das vorlaeufige Ergebnis gehabt, dass ich nach dessen Ansicht nicht direkt militaeruntauglich waere und daher mich am naechsten Sonntag in das hiesige Internierungslager zu begeben haette, das, soviel ich weiss, aus einer Bambusmatten-Barracke besteht. Man hat mir allerdings gesagt, dass ich „under observation“ sein wuerde und dass wahrscheinlich ein Board of Officers späterhin entscheiden wuerde, wie es mit mir wuerde. Soweit habe ich allerdings geringe Hoffnung, dass man mich frei laesst und falls dies nicht, nachdem wir einige Zeit in dem Camp zugebracht haben, der Fall ist, so muessten alle Mittel und Wege versucht werden, um uns Landsturmpflichtige als nicht einberufbar und in allen anderen Plaetzen Chinas nicht einberufen, frei zu bekommen.

Dem die deutschen Interessen vertretenden amerikanischen General-Konsul sind natuerlich diese militaerischen Feinheiten vollstaendig unbekannt und es ist jedenfalls wuenschenswert, dass dieser Fall, wenn es noetig wird, vom deutschen Botschafter in Washington aus mit der amerikanischen Regierung in der Weise aufgenommen wird, dass dem hiesigen amerikanischen General-Konsul der Ruecken gestaerkt wird. Kein einziger der Landsturmpflichtigen hat irgend eine Bemerkung auf seinem Landsturmschein, der, wie mir zu Hause gesagt wurde, ueberhaupt kein richtiger Militaerpass im eigentlichen Sinne sei, sondern nur mehr ein Legitimationspapier. Als ich in Berlin im Jahre 1912 als der Balkan-Krieg angebrochen war, mich bei den dortigen Militärbehoerden erkundigte, wurde mir die Antwort zu teil, dass ich als in China lebender selbststaendiger Kaufmann mit irgendwelchen Militaerverhaeltnissen garnichts zu tun haette, da Landsturmpflichtige eo ipso von den verschiedenen Konsulaten vom Dienst befreit wuerden und der Landsturm in aussereuropaeischen Laendern ueberhaupt nicht mobil gemacht werden wuerde. Es waere wirklich eine Gemeinheit, wenn man daraufhin hier nun monatelang in einer elenden Matten-Barracke sein Dasein zubringen muesste und ich bitte Sie dringend, alle Hebel in Bewegung zu setzen, nachdem ca. 8 bis 14 Tage vergangen sind und unsere hiesigen Bemuehungen erfolglos waren, um eine Befreiung zu erwirken, wobei ich auf die Unterstuetzung der deutschen Konsulate und wie gesagt in der Hauptsache und der deutschen Botschaft in Washington rechne.

Sonnabend, den 24. ds., mittags wurde Struckmeyer, der als Teilhaber der aeltesten deutschen Firma mit den hiesigen Behoerden fuer die deutschen Interessen in Fuehlung geblieben ist, zum Gouverneur gerufen und der Gouverneur, der jedenfalls von sich aus von Anfang an alles getan hat, um die Deutschen zu schuetzen und gerecht zu behandeln, teilte ihm mit, dass von London aus Instruktion eingetroffen waere, die deutschen Firmen zu liquidieren und die Deutschen auszuweisen bezw. zu internieren als Kriegsgefangene. Man hat anscheinend von hier aus versucht, eine Milderung durchzusetzen, denn diese ganzen Massnahmen bilden natuerlich nicht nur einen Schlag fuer alle deutschen Firmen, sondern ebenso einen schweren Schlag fuer ganz Hongkong, worauf von London die peremtorische Antwort gekommen sein soll: „obey orders“.

Als Liquidatoren waeren fuer uns jedenfalls von der Bank ausgehend, Reiss & Co. vorgesehen, doch hatte ich mich inzwischen schon mit Lowe, Bingham & Matthews in Verbindung gesetzt, die gern bereit sind, die Liquidation fuer uns vorzunehmen und ich ziehe natuerlich derartige unparteiische chartered Accountants einer Konkurrenz-Firma vor, zumal unsere Liquidation an sich eine verhaeltnismaessig einfache Sache sein wird. Es wird sich in der Hauptsache darum handeln, die Import-Kontrakte abzuwickeln und fuer die Eingaenge der Gelder gegen P/N zu sorgen und in dieser Hinsicht glaube ich koennen wir uns ganz auf unseren Compradore verlassen. In diesem Monat sind allein $ 60000.– gegen Waren eingegangen und nach Ansicht des Compradores sind auch soweit keine groesseren Schwierigkeiten zu erwarten. Ueber unsere unverkauften Vorraete, in der Hauptsache unser Holzlager, werden genaue Aufstellungen angefertigt, von denen der Compradore wie der Liquidator eine Abschrift erhalten und da der Compradore ueber unser Lager genau orientiert ist und auch unser Holz-Chinese beibehalten wird, sehe ich in dieser Hinsicht keine besonderen Schwierigkeiten, zumal anzunehmen ist, dass der Liquidator jederzeit sich mit uns in Verbindung setzen kann.

Unser europaeisches Personal habe ich unter diesen Umstaenden per Ende Dezember gekuendigt und ihnen bis dahin das Gehalt ausgezahlt, abgesehen natuerlich von Lamperski und Stoermer. Galbraith bekommt noch sein November-Gehalt und wird wahrscheinlich nach Canada zurueckkehren. Von den Portugiesen bleiben Riberie im Import, und Remidios im Booking, die mit den dafuer in Betracht kommenden Arbeiten absolut vertraut sind und ebenso bleibt der absolut noetige Teil des Compradore-Staffs. Die uebrigen Portugiesen bekommen noch ihr November-Gehalt und verlassen Ende November unseren Dienst, darunter auch die beiden Riberios vom Shipping Office, die 21 und 20 Jahre in unseren Diensten sind.

Einerlei, ob die Liquidation guenstig oder unguestig ausfaellt, es ist diese Massregel der schaerfste Schlag, der die deutschen Firmen, die meistens zwischen 30, 40 und 50 Jahre und hier am Platze taetig sind, treffen konnte. Fuer viele wird es der absolute Ruin, fuer alle ein ausserordentlich verlustreicher Abschluss jahrelanger Taetigkeit sein, denn zweifellos werden eine ganze Reihe von Verbindungen vollstaendig verloren gehen. Ob ueberhaupt jemand spaeterhin den Mut haben wird, in Hongkong wieder geschaeftlich taetig zu sein, moechte ich vorlaeufig bezweifeln. Ich fuer meine Person wuenschte, diesen elenden Platz nie betreten zu haben und werde nach Beendigung der Kriegsgefangenschaft wohl mit einem derartigen Quantum von Hass gegen England und alles was englisch ist, erfuellt sein, dass mein Fuss diesen verfluchten Boden nie wieder betreten wird.

Wir haben, soweit es moeglich ist, an unsere Hauptverbindungen kurz geschrieben, hauptsaechlich an diejenigen, fuer die wir hier Consignation liegen haben. Falls wir dazu kommen, haendigen wir Ihnen noch eine Liste ein, wonach sie von dort aus schreiben koennen. Die East Asiatic Co. ist an Thorissen & Co. uebergegangen. Die Royal Insurance setzt vielleicht fuer die Zeit einen ihrer Shanghai Herren hier ein. Der franzoesische Konsul hat eine Depesche von Lyon erhalten, wonach die Consignationssendungen von A. L. & Co. an Jardines zu uebergeben waeren, doch liefert der Liquidator zunaechst nichts aus, da unsere Tratte fuer die Cooly-Verschiffungen bis soweit unhonoriert geblieben ist und unter den Umstaenden von Audinet ueberhaupt nicht bezahlt werden darf. Ich bitte Sie jedenfalls diesen Punkt auch bei unseren Verrechnungen dort zu beruecksichtigen. Die Tratte trägt beträgt Frs. 19,325,92 laut einliegender Kopie eines Briefes der Hongkong Bank.

Mit unseren Remittierungen gegen Warensendungen nach London werden wir ebenfalls kaum Schwierigkeiten zu gewaertigen haben.

Es handelt sich im ganzen noch um £ 19.000. – . – davon £ 5000. – . – fuer Blanko-Tratten, und es wird dann allmaehlich unser jetziger Debit-Saldo bei der Hongkong Bank durch den Eingang der noch ausstehenden £ 7.000. – . – von Blackhead’s abgearbeitet und dann ein Kredit-Saldo erscheinen, der natuerlich in der Bank bleiben muss bis zur Beendigung des Krieges, den man aber moeglicherweise heranziehen wird, um daraus Verpflichtungen anderer Filialen unserer Firma, die in London unbefriedigt sind, zu befriedigen. Wir muessen das eben abwarten. Ich glaube nicht, dass es dazu kommen wird, dass auch die von der Firma gehaltenen Aktien, die auf die Hongkong Bank transferiert sind, in diese Liquidation einbezogen werden, aber wir haben schon so viele Ueberraschungen erlebt, dass man schliesslich nichts mehr als ausser dem Bereich der Moeglichkeit ansehen kann. An sich sind die der Bank verpfaendet und die Bank wuerde sie, wie mir heute Barlow sagte, garnicht herausgeben, aber vielleicht kann sie auch dazu gezwungen werden. Die Friesland‘schen Aktien1, Shell-Shares etc. liegen hier bei der Bank in einer versiegelten Kassette und ich denke mir, dass das immerhin noch das sicherste ist.

Von unseren Export-Kontrakten habe ich weitere annullieren koennen und stehe jetzt nur noch wegen 50 tons Erdnuesse in Unterhandlung.

Unsere momentane Position ist folgendermassen:

Wir schulden der Hongkong Bank $ 13,000. –, haben auf dem in Installments Account $ 45,000. – gut, bekommen dieser Tage von der Dock Co. ca. $ 30,000. –. Ferner werden im Laufe der Zeit von Blackheads ca. $ 70,000. – eingehen. Dagegen sind zu bezahlen in London ca. £ Sterling 19.000. – oder ca. $ 190,000. – und wir haben noch £ Sterling 52,000. – . – T/T Kontrakte laufen, zum groessten Teil bis in den Sommer naechsten Jahres hinein. P/N Aufstellung lasse ich per Ende dieses Monats aufmachen und kann ich Ihnen vielleicht noch beilegen.

Meine Familie faehrt ebenso wie Frau Luehrung mit D. „Manchuria“ am Mittwoch naechster Woche nach dort, und ich hoffe, dass Korten unsere Wohnung bis dahin freigeben kann.

Frau Holzwarth, die vor 14 Tagen einen kräftigen Jungen bekommen hat, muss zunaechst hier in das Camp in die Barried quarters und wird da auch wohl am besten bleiben, solange der jetzige Kriegszustand anhaelt. Wenn Sie Gelegenheit haben sollten, noch mit Tsingtau in Verbindung zu sein, teilen Sie vielleicht dem Vater die Geburt eines Jungen mit.

D. „Rajaburi“. Das Prize-Gericht hat den Dampfer „detained“; anbei darauf bezuegliche Schriftstuecke mit Deacon, Looker, Deacon & Harston. Ich bitte Sie, sich jetzt von dort aus darueber mit dem Lloyd weiter in Verbindung zu setzen.

D. „Tannenfels“. Von der Hansa ist dieser Tage in der Basilan Strasse zwischen mehreren zu den Philippinen gehoerigen Inseln von einem englischen Kriegsschiff aufgebracht und als Prize nach Hongkong geschleppt. Der Dampfer hatte 6 000 tons Kohlen an Bord, hatte seine Reise von New Castle nach Singapore beendet, hatte in Singapore 500 tons bereits geloescht und erhielt dann Order sofort neutralen Hafen aufzusuchen, fuhr nach Batavia, bekam aber Order, nach Manila weiterzugehen nach Aussage des Kapitaens, da die Neutralitaet Hollands nicht unter allen Umstaenden gesichert waere. Nach laengeren Irrfahrten ist er dann Mitte September mit seiner Ladung, die einer englischen Firma gehoert, gekapert. Das amerikanische General-Konsulat hat den Fall mit Washington auf unsere Veranlassung nach Verhandlungen mit Deacon, Looker, Deacon & Harston aufgenommen und nach den Aeusserungen des amerikanischen General-Konsulats nehme ich an, dass man die Stelle, wo der Dampfer gekapert ist, als zu den territorialen Gewaessern derPhilippinen gehoerend betrachtet. Wir haben hier einige Zahlungen fuer Rechnung der „Hansa“ an den Kapitaen geleistet und bitten Sie, von dort der „Hansa“ ueber die Umstaende Mitteilung zu machen, da wir von hier aus natuerlich keine Verbindung hatten. Da der Dampfer nicht zu dem von der Hapag und Hansa gemeinsam betriebenen ostasiatischen Frachtdampferdienst gehoert, haben wir uns als Agenten der „Hansa“ des Dampfers angenommen und sind jedenfalls berechtigt, dafuer spaeter von der „Hansa“ eine Commission zu verlangen. Es ist ev. notwendig, dass Sie sich von dort aus mit der Botschaft in Washington als Vertreter der „Hansa“ in Verbindung setzen, um festzustellen, ob der Fall von der amerikanischen Regierung aufgenommen wird, da wir hier natuerlich in der Angelegenheit jetzt nichts mehr tun koennen.

Ich kann diese Ausfuehrungen nicht schliessen, ohne nochmals der Empoerung Ausdruck zu geben, die uns alle hier beseelt und nur hoffen, dass unser tapferes Heer und unsere tapfere Flotte zu Hause den Sieg erringen mögen und wir in der Lage sind, den verschiedenen Voelkern das heimzuzahlen, was sie zur Schaedigung unserer Nation im Schilde fuehren. Von der Verlogenheit der hiesigen Presse machen Sie sich schwerlich einen Begriff. Die dortige North China Daily News ist das eine Waisenkind dagegen und welche Folgen diese widerliche Vergiftung der ganzen hiesigen Bevoelkerung mit den gemeinsten Luegen schliesslich haben wird, kann man sich schwerlich ausmalen. Sie werden ja den Inhalt dieser Zeilen den Freunden zu Hause zugaenglich machen und wenn wir momentan auch machtlos sind gegen alles das, was hier jetzt passiert, so wollen wir trotzdem den Kopf hoch behalten und der Zukunft vertrauen, die uns trotz aller Anfeindungen die Position wieder geben wird, wie wir sie vor Ausbruch des Krieges eingenommen haben, wenn darueber auch Jahre hingehen werden.

Handschriftliche Signatur: A. W.