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Hongkong, 29. Oktober 1914.
Lieber Michelau,
Lieber Bandow,
Das ist also der Schluss der 48jaehrigen Tätigkeit unserer Firma in Hongkong. Seit gestern wird unsere Unterschrift nicht mehr anerkannt und wir befinden uns in einer mehr oder weniger forcierten Liquidation.
Welche Gründe zu dieser ploetzlichen Sinnesaenderung der englischen Regierung gefuehrt haben, ist soweit nicht ersichtlich. Mitte letzter Woche sind anscheinend hier von London Instruktionen eingegangen, die deutschen geschaeftlichen Unternehmungen zu schliessen und zu liquidieren und alle Deutschen zu internieren als Kriegsgefangene, soweit sie nicht das 45. Lebensjahr ueberschritten haben oder aus ihren Militaerpapiere nachweisen konnten, dass sie von jeglichem Militaerdienst befreit wären. Irgendwelche Consulatsbescheinigungen der Befreiung vom Dienst sind nicht anerkannt worden. Macht geht eben vor Recht und wir sehen uns einer Freiheitsberaubung gegenueber, gegen die alle Vorstellungen soweit absolut nutzlos gewesen sind und die umso empoerender wirkt, als wir als Landsturmpflichtige hier draussen nie gezwungen worden waeren, einer Mobilmachung nachkommen zu muessen. Es sind daher nur 3 oder 4 Herren, die keine 45 Jahre alt sind ausgewiesen worden, die zu Hause gedient haben und auf deren Militaerpapieren von Hause aus die Befreiung vermerkt war, abgesehen von einigen, deren Militaerpapiere den Passus „absolut dienstuntauglich“ enthalten. Die groesste Mehrzahl der Zurueckgebliebenen gehoeren militaerisch als unausgebildete Leute dem Landsturm mit Waffe an. Auf meine verschiedentlichen Erkundigungen in den letzten Jahren bei dem Konsulat in Shanghai und noch hier im Juni bei Doktor Voretzsch, ob ich als Landsturmpflichtiger mit Waffe irgend|2. Blatt, Vorderseite| etwas zu tun haette, um im Falle einer Mobilisierung nicht eingezogen zu werden, wurde mir stets die Antwort erteilt, dass Deutsche in selbststaendigen Stellungen, die dem Landsturm angehoeren, eo ipso nicht von den Konsulaten von der Dienstleistung befreit wuerden und dass ueberhaupt der Landsturm hier draussen garnicht aufgerufen werden koennte. Meine verschiedentlichen Proteste haben soweit nichts genuetzt. Ich weiß, dass man sich verschiedentlich hier von sehr einflussreicher Seite darum bemueht hat, mich frei zu bekommen, doch es ist soweit nicht moeglich gewesen.
Aus einer Bescheinigung des Canton Konsulats ersehe ich, dass Landsturmpflichtige, die nicht gedient haben, oder falls sie gedient haben, nicht sehr diensttauglich sind, nicht zu den Waffen gerufen worden sind. Es ist von grosser Wichtigkeit festzustellen, ob solche Landsturmpflichtigen zu Hause eingezogen worden sind oder nicht und ab sie vor der Einstellung, was ja sicher anzunehmen ist, einer militaerischen Untersuchung unterworfen worden sind. Ferner muss einwandfrei festgestellt werden, dass diese Landsturmpflichtigen, was aus der Konsulatsbescheinigung von Canton klar hervorgeht, hier in China nicht zum Dienst nach Tsingtau eingezogen sind.
Ich habe dann versucht, auf meine grosse Narbe hin fuer dienstuntauglich erklaert zu werden, die von einer schweren Blinddarm- & Bauchfellentzuendung herruehrt, die ich vor 20 Jahren durchzumachen hatte und durch die ich monatelang krank gewesen war. Diese Narbe und die damit zusammenhaengenden inneren Verwachsungen der Gewebe, Darmwaende usw. bis in die Nierengegend waren der Grund, weswegen ich nicht dienen konnte und auch mit einem Revers, wonach alle Folgen, die aus der Einstellung hervorgehen koennten, von mir zu tragen waeren, nicht dienen durfte. Der hiesige deutsche Arzt Dr. Hoch,|3. Blatt, Vorderseite| Militaerarzt der Reserve, der von Reichs wegen die Befugnis hat, Deutsche auf ihre Militaertauglichkeit zu untersuchen, hatte mir sofort ein Zertifikat ausgestellt und die Dienstuntauglichkeit mit der Waffe einwandfrei bescheinigt. Eine auf meinen Antrag vorgenommene Untersuchung durch den leitenden englischen Militaerarzt hat das vorlaeufige Ergebnis gehabt, dass ich nach dessen Ansicht nicht direkt militaeruntauglich waere und daher mich am naechsten Sonntag in das hiesige Internierungslager zu begeben haette, das, soviel ich weiss, aus einer Bambusmatten-Barracke besteht. Man hat mir allerdings gesagt, dass ich „under observation“ sein wuerde und dass wahrscheinlich ein Board of Officers späterhin entscheiden wuerde, wie es mit mir wuerde. Soweit habe ich allerdings geringe Hoffnung, dass man mich frei laesst und falls dies nicht, nachdem wir einige Zeit in dem Camp zugebracht haben, der Fall ist, so muessten alle Mittel und Wege versucht werden, um uns Landsturmpflichtige als nicht einberufbar und in allen anderen Plaetzen Chinas nicht einberufen, frei zu bekommen.
Dem die deutschen Interessen vertretenden amerikanischen General-Konsul sind natuerlich diese militaerischen Feinheiten vollstaendig unbekannt und es ist jedenfalls wuenschenswert, dass dieser Fall, wenn es noetig wird, vom deutschen Botschafter in Washington aus mit der amerikanischen Regierung in der Weise aufgenommen wird, dass dem hiesigen amerikanischen General-Konsul der Ruecken gestaerkt wird. Kein einziger der Landsturmpflichtigen hat irgend eine Bemerkung auf seinem Landsturmschein, der, wie mir zu Hause gesagt wurde, ueberhaupt kein richtiger Militaerpass im eigentlichen Sinne sei, sondern nur mehr ein Legitimationspapier. Als ich in Berlin im Jahre 1912 als der Balkan-Krieg angebrochen war, mich bei den dortigen Militärbehoerden erkundigte, wurde mir die Antwort zu teil, dass ich als in China lebender|4. Blatt, Vorderseite| selbststaendiger Kaufmann mit irgendwelchen Militaerverhaeltnissen garnichts zu tun haette, da Landsturmpflichtige eo ipso von den verschiedenen Konsulaten vom Dienst befreit wuerden und der Landsturm in aussereuropaeischen Laendern ueberhaupt nicht mobil gemacht werden wuerde. Es waere wirklich eine Gemeinheit, wenn man daraufhin hier nun monatelang in einer elenden Matten-Barracke sein Dasein zubringen muesste und ich bitte Sie dringend, alle Hebel in Bewegung zu setzen, nachdem ca. 8 bis 14 Tage vergangen sind und unsere hiesigen Bemuehungen erfolglos waren, um eine Befreiung zu erwirken, wobei ich auf die Unterstuetzung der deutschen Konsulate und wie gesagt in der Hauptsache und der deutschen Botschaft in Washington rechne.
Sonnabend, den 24. ds., mittags wurde Struckmeyer, der als Teilhaber der aeltesten deutschen Firma mit den hiesigen Behoerden fuer die deutschen Interessen in Fuehlung geblieben ist, zum Gouverneur gerufen und der Gouverneur, der jedenfalls von sich aus von Anfang an alles getan hat, um die Deutschen zu schuetzen und gerecht zu behandeln, teilte ihm mit, dass von London aus Instruktion eingetroffen waere, die deutschen Firmen zu liquidieren und die Deutschen auszuweisen bezw. zu internieren als Kriegsgefangene. Man hat anscheinend von hier aus versucht, eine Milderung durchzusetzen, denn diese ganzen Massnahmen bilden natuerlich nicht nur einen Schlag fuer alle deutschen Firmen, sondern ebenso einen schweren Schlag fuer ganz Hongkong, worauf von London die peremtorische Antwort gekommen sein soll: „obey orders“.
Als Liquidatoren waeren fuer uns jedenfalls von der Bank ausgehend, Reiss & Co. vorgesehen, doch hatte ich mich inzwischen schon mit Lowe, Bingham & Matthews in Verbindung gesetzt, die gern bereit sind, die Liquidation fuer uns vorzunehmen und ich ziehe|5. Blatt, Vorderseite| natuerlich derartige unparteiische chartered Accountants einer Konkurrenz-Firma vor, zumal unsere Liquidation an sich eine verhaeltnismaessig einfache Sache sein wird. Es wird sich in der Hauptsache darum handeln, die Import-Kontrakte abzuwickeln und fuer die Eingaenge der Gelder gegen P/N zu sorgen und in dieser Hinsicht glaube ich koennen wir uns ganz auf unseren Compradore verlassen. In diesem Monat sind allein $ 60000.– gegen Waren eingegangen und nach Ansicht des Compradores sind auch soweit keine groesseren Schwierigkeiten zu erwarten. Ueber unsere unverkauften Vorraete, in der Hauptsache unser Holzlager, werden genaue Aufstellungen angefertigt, von denen der Compradore wie der Liquidator eine Abschrift erhalten und da der Compradore ueber unser Lager genau orientiert ist und auch unser Holz-Chinese beibehalten wird, sehe ich in dieser Hinsicht keine besonderen Schwierigkeiten, zumal anzunehmen ist, dass der Liquidator jederzeit sich mit uns in Verbindung setzen kann.
Unser europaeisches Personal habe ich unter diesen Umstaenden per Ende Dezember gekuendigt und ihnen bis dahin das Gehalt ausgezahlt, abgesehen natuerlich von Lamperski und Stoermer. Galbraith bekommt noch sein November-Gehalt und wird wahrscheinlich nach Canada zurueckkehren. Von den Portugiesen bleiben Riberie im Import, und Remidios im Booking, die mit den dafuer in Betracht kommenden Arbeiten absolut vertraut sind und ebenso bleibt der absolut noetige Teil des Compradore-Staffs. Die uebrigen Portugiesen bekommen noch ihr November-Gehalt und verlassen Ende November unseren Dienst, darunter auch die beiden Riberios vom Shipping Office, die 21 und 20 Jahre in unseren Diensten sind.
Einerlei, ob die Liquidation guenstig oder unguestig ausfaellt, es ist diese Massregel der schaerfste Schlag, der die|6. Blatt, Vorderseite| deutschen Firmen, die meistens zwischen 30, 40 und 50 Jahre und hier am Platze taetig sind, treffen konnte. Fuer viele wird es der absolute Ruin, fuer alle ein ausserordentlich verlustreicher Abschluss jahrelanger Taetigkeit sein, denn zweifellos werden eine ganze Reihe von Verbindungen vollstaendig verloren gehen. Ob ueberhaupt jemand spaeterhin den Mut haben wird, in Hongkong wieder geschaeftlich taetig zu sein, moechte ich vorlaeufig bezweifeln. Ich fuer meine Person wuenschte, diesen elenden Platz nie betreten zu haben und werde nach Beendigung der Kriegsgefangenschaft wohl mit einem derartigen Quantum von Hass gegen England und alles was englisch ist, erfuellt sein, dass mein Fuss diesen verfluchten Boden nie wieder betreten wird.
Wir haben, soweit es moeglich ist, an unsere Hauptverbindungen kurz geschrieben, hauptsaechlich an diejenigen, fuer die wir hier Consignation liegen haben. Falls wir dazu kommen, haendigen wir Ihnen noch eine Liste ein, wonach sie von dort aus schreiben koennen. Die East Asiatic Co. ist an Thorissen & Co. uebergegangen. Die Royal Insurance setzt vielleicht fuer die Zeit einen ihrer Shanghai Herren hier ein. Der franzoesische Konsul hat eine Depesche von Lyon erhalten, wonach die Consignationssendungen von A. L. & Co. an Jardines zu uebergeben waeren, doch liefert der Liquidator zunaechst nichts aus, da unsere Tratte fuer die Cooly-Verschiffungen bis soweit unhonoriert geblieben ist und unter den Umstaenden von Audinet ueberhaupt nicht bezahlt werden darf. Ich bitte Sie jedenfalls diesen Punkt auch bei unseren Verrechnungen dort zu beruecksichtigen. Die Tratte trägt beträgt Frs. 19,325,92 laut einliegender Kopie eines Briefes der Hongkong Bank.
Mit unseren Remittierungen gegen Warensendungen nach London werden wir ebenfalls kaum Schwierigkeiten zu gewaertigen haben.
|7. Blatt, Vorderseite|
Es handelt sich im ganzen noch um £ 19.000. – . – davon £ 5000. – . – fuer Blanko-Tratten, und es wird dann allmaehlich unser jetziger
Debit-Saldo bei der Hongkong
Bank durch den Eingang der noch ausstehenden £ 7.000. – . – von Blackhead’s abgearbeitet und dann ein
Kredit-Saldo erscheinen, der natuerlich in der Bank bleiben muss bis zur Beendigung des
Krieges, den man aber moeglicherweise heranziehen wird, um daraus
Verpflichtungen anderer Filialen unserer Firma, die in London unbefriedigt sind, zu befriedigen. Wir
muessen das eben abwarten. Ich glaube nicht, dass es dazu kommen wird, dass auch
die von der Firma gehaltenen Aktien, die auf die Hongkong Bank transferiert sind, in diese Liquidation einbezogen werden, aber wir haben
schon so viele Ueberraschungen erlebt, dass man schliesslich nichts mehr als
ausser dem Bereich der Moeglichkeit ansehen kann. An sich sind die der Bank verpfaendet und die Bank wuerde sie, wie mir
heute Barlow sagte, garnicht
herausgeben, aber vielleicht kann sie auch dazu gezwungen werden. Die
Friesland‘schen Aktien, Shell-Shares
etc. liegen hier bei der Bank in einer versiegelten
Kassette und ich denke mir, dass das immerhin noch das sicherste ist.
Von unseren Export-Kontrakten habe ich weitere annullieren koennen und stehe jetzt nur noch wegen 50 tons Erdnuesse in Unterhandlung.
Unsere momentane Position ist folgendermassen:
Wir schulden der Hongkong Bank $ 13,000. –, haben auf dem in Installments Account $ 45,000. – gut, bekommen dieser Tage von der Dock Co. ca. $ 30,000. –. Ferner werden im Laufe der Zeit von Blackheads ca. $ 70,000. – eingehen. Dagegen sind zu bezahlen in London ca. £ Sterling 19.000. – oder ca. $ 190,000. – und wir haben noch £ Sterling 52,000. – . – T/T Kontrakte laufen, zum groessten Teil bis in den Sommer naechsten Jahres hinein. P/N Aufstellung lasse ich per|8. Blatt, Vorderseite| Ende dieses Monats aufmachen und kann ich Ihnen vielleicht noch beilegen.
Meine Familie faehrt ebenso wie Frau Luehrung mit D. „Manchuria“ am Mittwoch naechster Woche nach dort, und ich hoffe, dass Korten unsere Wohnung bis dahin freigeben kann.
Frau Holzwarth, die vor 14 Tagen einen kräftigen Jungen bekommen hat, muss zunaechst hier in das Camp in die Barried quarters und wird da auch wohl am besten bleiben, solange der jetzige Kriegszustand anhaelt. Wenn Sie Gelegenheit haben sollten, noch mit Tsingtau in Verbindung zu sein, teilen Sie vielleicht dem Vater die Geburt eines Jungen mit.
D. „Rajaburi“. Das Prize-Gericht hat den Dampfer „detained“; anbei darauf bezuegliche Schriftstuecke mit Deacon, Looker, Deacon & Harston. Ich bitte Sie, sich jetzt von dort aus darueber mit dem Lloyd weiter in Verbindung zu setzen.
D. „Tannenfels“. Von der Hansa ist dieser Tage in der Basilan Strasse zwischen mehreren zu den Philippinen gehoerigen Inseln von einem englischen Kriegsschiff aufgebracht und als Prize nach Hongkong geschleppt. Der Dampfer hatte 6 000 tons Kohlen an Bord, hatte seine Reise von New Castle nach Singapore beendet, hatte in Singapore 500 tons bereits geloescht und erhielt dann Order sofort neutralen Hafen aufzusuchen, fuhr nach Batavia, bekam aber Order, nach Manila weiterzugehen nach Aussage des Kapitaens, da die Neutralitaet Hollands nicht unter allen Umstaenden gesichert waere. Nach laengeren Irrfahrten ist er dann Mitte September mit seiner Ladung, die einer englischen Firma gehoert, gekapert. Das amerikanische General-Konsulat hat den Fall mit Washington auf unsere Veranlassung nach Verhandlungen mit Deacon, Looker, Deacon & Harston aufgenommen und nach den Aeusserungen des amerikanischen General-Konsulats nehme ich an, dass man die Stelle, wo der Dampfer gekapert ist, als zu den territorialen Gewaessern der|9. Blatt, Vorderseite|Philippinen gehoerend betrachtet. Wir haben hier einige Zahlungen fuer Rechnung der „Hansa“ an den Kapitaen geleistet und bitten Sie, von dort der „Hansa“ ueber die Umstaende Mitteilung zu machen, da wir von hier aus natuerlich keine Verbindung hatten. Da der Dampfer nicht zu dem von der Hapag und Hansa gemeinsam betriebenen ostasiatischen Frachtdampferdienst gehoert, haben wir uns als Agenten der „Hansa“ des Dampfers angenommen und sind jedenfalls berechtigt, dafuer spaeter von der „Hansa“ eine Commission zu verlangen. Es ist ev. notwendig, dass Sie sich von dort aus mit der Botschaft in Washington als Vertreter der „Hansa“ in Verbindung setzen, um festzustellen, ob der Fall von der amerikanischen Regierung aufgenommen wird, da wir hier natuerlich in der Angelegenheit jetzt nichts mehr tun koennen.
Ich kann diese Ausfuehrungen nicht schliessen, ohne nochmals der Empoerung Ausdruck zu geben, die uns alle hier beseelt und nur hoffen, dass unser tapferes Heer und unsere tapfere Flotte zu Hause den Sieg erringen mögen und wir in der Lage sind, den verschiedenen Voelkern das heimzuzahlen, was sie zur Schaedigung unserer Nation im Schilde fuehren. Von der Verlogenheit der hiesigen Presse machen Sie sich schwerlich einen Begriff. Die dortige North China Daily News ist das eine Waisenkind dagegen und welche Folgen diese widerliche Vergiftung der ganzen hiesigen Bevoelkerung mit den gemeinsten Luegen schliesslich haben wird, kann man sich schwerlich ausmalen. Sie werden ja den Inhalt dieser Zeilen den Freunden zu Hause zugaenglich machen und wenn wir momentan auch machtlos sind gegen alles das, was hier jetzt passiert, so wollen wir trotzdem den Kopf hoch behalten und der Zukunft vertrauen, die uns trotz aller Anfeindungen die Position wieder geben wird, wie wir sie vor Ausbruch des Krieges eingenommen haben, wenn darueber auch Jahre hingehen werden.
Handschriftliche Signatur: A. W.
u. s. w., usw., & s. w.und so weiter
ca, ca.circa (lateinisch)
ds., dss.dieses [Monats, Schreibens etc.]
bezw., bzw.beziehungsweise
etc, etc., &c., &ct.et cetera (lateinisch)
T. T., T/T-Kontrakt[Angabe zur näheren Bestimmung des vereinbarten Wechselverkehrs, basierend auf Tratten]
ev., event., eventl., evtl.eventuell
MABMelchers Archiv, Bremen
MABMelchers Archiv, BremenKasten 4Berichte, Auskünfte, Korrespondenz, sonstige Geschäftsunterlagen
Melchers & Co., HongkongDas 1866 durch die Firma C.
Melchers & Co. in Bremen
und die beiden Kaufleute Hermann Melchers und Adolf
André gegründete Unternehmen entwickelte sich rasch zu einem der
grössten deutschen Chinahandelshäuser, das Niederlassungen in Shanghai (seit 1877), Hankou (seit 1884), Kanton (seit 1892), Tianjin (seit 1898), Chinkiang (seit 1901), Ichang (seit 1901), Chunking (seit 1909) und Tsingtau (seit 1910) unterhielt. Melchers
& Co. beteiligten sich an der Hongkong and Shanghai Banking Corporation
(HSBC). 1885 übernahmen Melchers & Co. die Generalvertretung
des Norddeutschen Lloyd
in China und trieben gemeinsam mit
diesem die Entwicklung der Schifffahrt auf dem Jangtsekiang voran. Zu den Teilhabern des Unternehmens gehörte von
1894 bis 1899 auch Gustav
Adolf Melchers, ein Neffe des Mitbegründers. Bei Beginn des Ersten
Weltkriegs betrieben Melchers & Co. mit mehr als 50 Fluss- und
Küstendampfern sowie zehn Überseedampfern insgesamt zwei Haupt- und zwölf
Zweiglinien in Ostasien
und Ozeanien, indem sie
Verbindungen zwischen Hongkong und Neuguinea
sowie den Salomon-Inseln
anboten. Sie beschäftigten zu dieser Zeit mehr als 100 europäische und rund
850 chinesische Angestellte, außerdem waren 3.500 chinesische Arbeiter für das Haus
tätig. - Zur Unternehmensgeschichte liegen einige Selbstdarstellungen und
Jubiläumsschriften, eine knappe Skizze der Entwicklung bis 1918 und die
Ausarbeitungen des langjährigen Mitinhabers Henning Melchers, bisher aber keine
wissenschaftlich fundierte, umfassende Darstellung vor. Vgl.
C. Melchers & Co. Bremen
(1911)
;
150 Jahre C. Melchers & Co. Bremen. 90 Jahre Melchers
& Co. China
;
Treue, C. Melchers & Co.
;
King, Hongkong and
Shanghai Banking Corporation, Bd. 1
, passim;
King, Hongkong and Shanghai
Banking Corporation, Bd. 2
, passim;
Melchers, Geschichte der
Firma Melchers
;
Melchers, China und
Melchers
.
Hongkong and Shanghai Banking Corporation (HSBC), HongkongDie Hongkong and Shanghai Banking Corporation (HSBC) wurde im März 1865
als Hongkong and Shanghae Banking Company Ltd. von verschiedenen britischen, indischen,
amerikanischen und deutschen Handelshäusern in Hongkong ins Leben gerufen, die sich
auf Initiative von Thomas Sutherland (1834–1922), einem Vertreter der Peninsular & Oriental
Steam Navigation Company zusammengefunden hatten. Zu den
Gründungsmitgliedern gehörte die deutsche Firma Siemssen & Co., die weitere Anteile an
Joh. Berenberg, Gossler &
Co., an Roß, Vidal &
Co. sowie Conrad
Hinrich Donner vermittelte. Die neue Bank verstand sich als eine von den Kaufleuten vor
Ort getragene Einrichtung, die den freien Handel in Ostasien finanzieren und fördern wollte. Noch
im März 1865 eröffnete sie eine Niederlassung in Shanghai und begann, sowohl in Hongkong als auch in Shanghai eigene Banknoten herauszugeben. Im August 1866 wurde
sie von den Behörden offiziell zugelassen, bekam das formelle Recht zur Ausgabe
von Banknoten und zur
Verwaltung von Regierungsgeldern zugesprochen und firmierte um zur Hongkong
and Shanghai Banking Corporation (HSBC). Bald darauf eröffnete sie eine
weitere Niederlassung in Yokohama.
In den 1870er und 1880er Jahren entwickelte sich die HSBC zu einer der
wichtigsten Außenhandelsbanken in Ostasien, die das Vertrauen der Kaufleute vor Ort besaß und sich
gleichzeitig in London refinanzieren
konnte, sodass ihr China- und Japangeschäft fast ausschließlich in Pfund Sterling abgewickelt
wurde, also in einer stabilen Goldwährung. Zu den Kunden der
Bank, die ihr
Niederlassungsnetz in Ostasien kräftig ausbaute, zählten auch zahlreiche
deutsche Firmen, darunter beispielsweise Arnhold, Karberg & Co. sowie Carlowitz & Co., die bis
1914 auch im Board of Directors vertreten waren. 1889 eröffnete die HSBC
eine Niederlassung in Hamburg, die
von Julius Brüssel
geleitet wurde. Im Zweiten Weltkrieg verlagerte die Bank ihren Hauptsitz vorübergehend nach London, kehrte aber schon 1946 nach
Hongkong zurück. Die
kommunistische Machtübernahme in China
beschränkte die erneute Geschäftsausweitung, auch wenn die Niederlassung Shanghai fortbestand und sich
weiterhin der Exportfinanzierung widmen durfte. 1989 änderte die HSBC, die 1959
die Mercantile Bank of India
Ltd. übernommen und danach auf forcierten internationalen
Expansionskurs gegangen war, ihre Rechtsform zur Hongkong and Shanghai
Banking Corporation Ltd. Seit 1991
ist sie eine Tochtergesellschaft der HSBC Holdings plc mit Sitz in London. Vgl. zur
Unternehmensgeschichte die umfassende Darstellung:
King, Hongkong and Shanghai
Banking Corporation
.
Jardine, Matheson & Co., Kanton / Hongkong (chinesischer Firmenname: Ewo, Yee-Wo)Das 1828 von William Jardine und James Matheson durch Übernahme der Firma Magniac & Co. gegründete und 1832 zu Jardine, Matheson & Co. umfirmierte Handelshaus in Kanton entwickelte sich zu einem der bedeutendsten europäischen Ostasienhandelshäuser, das sich vor allem im Opiumhandel, aber auch in vielen anderen Bereichen des Im- und Exports, der Vercharterung von Schiffen und Schiffsdocks sowie in der Handelsfinanzierung betätigte. - Grundlegend zur Unternehmensgeschichte, die angesichts der Bedeutung des Handelshauses schon mehrfach Gegenstand umfangreicherer Darstellungen war:
Greenberg, British Trade
;
LeFevour, Western Enterprise
;
CHEONG, Mandarins and Merchants
;
Blake, Jardine Matheson
.
F. Blackhead & Co., Hongkong s. auch F. Schwarzkopf & Co.Die Firma F. Blackhead & Co. konnte sich in den 1860er Jahren in Hongkong etablieren. Unter dem deutschen Firmennamen F. Schwarzkopf & Co. errichtete sie später eine Niederlassung in Qingdao im deutschen „Pachtgebiet“ Kiautschou.
Royal Dutch Shell, London / Den HaagDurch den Zusammenschluss der seit 1890 bestehenden Shell Transport and Trading Company p. l. c. in London und der ebenfalls 1890 etablierten N. V. Koninklijke Nederlandse Petroleum Maatschappij tot Exploitatie van Petroleumbronnen in Nederlandsch-Indië in Den Haag entstand 1907 die Unternehmensgruppe der Royal Dutch Shell, die sich dem Transport sowie der Förderung und Raffinierung von Rohöl widmete. Beide Unternehmen behielten ihre rechtliche und wirtschaftliche Selbständigkeit, bündelten aber ihre Geschäfte unter dem gemeinsamen Dach. Vgl.
Allen/Donnithorne, Western Enterprise in China and Japan
, S. 100, 205f.;
Allen/Donnithorne, Western Enterprise
, S. 177f., 289;
Jonker/Zanden, Challenger
.
Hongkong & Whampoa Union Dock Company, HongkongDie 1901 gegründete Hongkong & Whampoa Union Dock Company in Hongkong führte vor allem
Schiffsreparaturen aus, begann aber auch Schiffe für die Küstenschifffahrt und - in geringerem Maße - für die Überseeschifffahrt zu bauen. Sie trug mit dazu bei, dass sich der
Schiffbau rasch zur
stärksten Industriebranche Hongkongs entwickelte. Ihrem Direktorium gehörte lange auch
Heinrich Hoppius an, ein Teilhaber der Firma Siemssen & Co. in Hongkong. Vgl.
Allen/Donnithorne, Western Enterprise in China
and Japan
, S. 168;
Möring, Siemssen & Co.
, S.
75f.;
Baur, China um
1900
, S. 422.
Deacon, Looker, Deacon & Harston, HongkongBei der Firma Deacon, Looker, Deacon & Harston in Hongkong handelte es sich vermutlich um eine Anwaltskanzlei.
Deutsche Dampfschiffahrts-Gesellschaft Hansa (DDG Hansa), BremenDie DDG Hansa wurde 1881 von mehreren Bremer Kaufleuten gegründet, nachdem der Bremer Senat den Bau eines Seehafens und die Korrektion der Weser beschlossen hatte. Mit der 1888 ins Leben gerufenen „Asiatischen Linie“ – ein Schwesterunternehmen der DDG Hansa – wurde ein Jahr später der direkte Dampferverkehr nach Britisch-Indien aufgenommen, zunächst allerdings von Hamburg aus, weil die Weserkorrektion erst später vollendet werden konnte. Die Linie führte von Hamburg mit Zwischenhalten in Antwerpen und verschiedenen englischen Häfen über Colombo auf Ceylon bis nach Kalkutta. Ziel der Bremer Kaufleute war die Ausschaltung des britischen Zwischenhandels und die Erschließung neuer Märkte für Baumwolle, Reis und Jute. Trotz massiven Widerstrebens der Peninsular & Oriental Steam Navigation Company, die auf Preisdumping setzte, konnte sich die „Asiatische Linie“ behaupten. 1894 fusionierte sie mit dem Mutterhaus, das inzwischen ebenfalls eine Linie nach Karachi und Bombay eingerichtet hatte, die gewinnbringend betrieben werden konnten. Die DDG Hansa entwickelte sich bis zur Jahrhundertwende zur wichtigsten deutschen Reederei für Fahrten nach Britisch-Indien. Nach 1900 setzte ihr die Konkurrenz durch die britische Peninsular & Oriental Steam Navigation Company wie die deutsche HAPAG allerdings immer mehr zu. Es kam schließlich zu einer wettbewerbsbeschränkenden Verständigung, derzufolge die DDG Hansa gemeinsam mit anderen Reedereien weiterhin einen globalen Liniendienst anbieten konnte, der auch Niederländisch-Indien, Australien und Neuseeland umfasste. Vgl.
Roder, „Asiatische Linie“
.
Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (HAPAG), Hamburg; auch: Hamburg-Amerika-Linie (HAL)Zur Unternehmensgeschichte der 1847 gegründeten HAPAG in Hamburg, die sich zunächst der Transatlantikfahrt zuwandte, ihre Schiffe dann aber auch in der Ostasien- und Australienfahrt einsetzte und sich unter der Leitung ihres Generaldirektor Albert Ballin seit der Jahrhundertwende zu einer der größten Dampfschifffahrtsgesellschaften der Welt entwickelte. Ballin stützte sich u.a. auf ein „Literarisches Bureau“, in dem umfassend und systematisch Informationen über die weltweite Schiffahrt gesammelt und aufbereitet wurden. Vgl.
Witthöft, HAPAG
;
Witthöft, Hapag-Lloyd
,
Seiler, Ostasienfahrt
;
Seiler, Australienfahrt
;
Ritter, Der Kaiser und sein Reeder
;
Wiborg/Wiborg, Unser Feld ist die Welt
.
King
, Frank H. H.: The History of the Hongkong and Shanghai Banking Corporation, Bd. 2: The Hongkong Bank in the Period of Imperialism and War, 1895–1918: Wayfoong, The Focus of Wealth, Cambridge 1988
King
, Hongkong and Shanghai Banking Corporation, Bd. 2
1988
Regierung Großbritanniens
Generalkonsulat Preußens
Konsulat des Deutschen Reichs
Regierung der USA
Deutsche Botschaft in Washington
Konsulat der Vereinigten Staaten von Amerika
Shanghai (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Schanghai, Shang-hae, Shang-hai, Shanghae, Shanhay
Großbritannien; auch: England, Great Britain, United Kingdom of Great Britain and Ireland, Vereinigtes Königreich Großbritannien und IrlandNach dem Zusammenschluss des 1707 gebildeten Königreichs Großbritannien mit dem nur noch formell selbständigen Irland im Jahr 1801 lautete die offizielle Staatsbezeichnung Großbritanniens bis 1927 Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland. Das Staatsgebiet umfasste auf den Britischen Inseln die vier Landesteile England, Wales, Schottland und Irland, hinzu kamen abhängige Territorien auf allen Kontinenten, deren größte Ausdehnung 1922 erreicht war. 1927, mit der Bildung des Irischen Freistaats, wurde die offizielle Staatsbezeichnung verändert zu Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland.
Deutschland; auch: Deutsches Kaiserreich, Deutsches ReichBis zur Gründung des Deutschen Reichs im Jahr 1871 kann von Deutschland nicht im Sinne eines Nationalstaates gesprochen werden. Doch in den Quellen wird der Begriff Deutschland auch zuvor häufig verwendet, wenn es den Urhebern nicht um eine Differenzierung zwischen den verschiedenen deutschen Teilstaaten ging.
London
Kanton [Stadt in China]; auch: Canton, Guangzhou (Pinyin)
China; auch: chinesisches Kaiserreich, chinesisches Reich, chinesische Republik, Reich der Mitte
Qingdao (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Tsingtau, Tsingtao
Washington, DC
Berlin
Kanada; auch: Canada
Lyon
Basilan-Straße [Schifffahrts-Straße durch die südlichen Philippinen]
Philippinen
New Castle
Singapur, auch: Sincapore, Singapore
Batavia [Stadt auf der Insel Java]
Manila
Niederlande; auch: Holland
GalbraithGalbraithAngestellterGalbraith war Kanadier und um 1914 ein Angestellter von Melchers & Co. in Hongkong.
Luehrung [Frau]Frau LuehrungFrau Luehrung war wahrscheinlich die Ehefrau eines Angestellten von Melchers & Co. in Hongkong; sie kehrte 1914 nach Europa zurück.
Korten
Manchuria
Teilhaber; auch: Ahsocié, Associé, Gesellschafter, Partner, Theilhaber, Theilnehmer
Briten; auch: British (englisch), Britons (englisch), Engländer, English (englisch), Englishmen (englisch)
Gouverneur der britischen Kolonie Hongkong
Kriegsgefangener, Kriegsgefangenschaft
LiquidationDer aus dem Französischen stammende Begriff „Liquidation“ bezeichnet die formelle Auflösung einer juristisch selbständigen Firma, unter Umständen durch einen amtlich bestellten Liquidator.
Landsturm; auch: Landsturmpflicht
Deutsche; auch: Germans (englisch)
Krankheit; auch: Ägyptische Augenkrankheit, Cholera, Gehirnerweichung, Gelbes Fieber, Hypochondrie, Malaria, Nervenkrankheit, Neurasthenie, Ruhr, Wahnvorstellungen
Arzt; auch: Doctor, Doktor
Internierungslager; auch: Camp
Hütte; auch: Bambusmatten-Barracke, mat shed (englisch), Strohhütte
Balkan-Kriege [1912 und 1913]Die Balkan-Kriege von 1912 und 1913 waren zwei kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den Balkan-Staaten Serbien, Bulgarien, Griechenland, Montenegro und dem Osmanischen Reich - mit wechselnden Fronten zwischen diesen Staaten. In Folge der beiden Balkan-Kriege musste sich das Osmanische Reich weitgehend auf die Grenzen der späteren Türkei zurückziehen; außerdem wurde das unabhängige Albanien völkerrechtlich anerkannt. Doch die Konflikte zwischen den betroffenen Staaten konnten durch die jeweiligen Friedensschlüsse nicht dauerhaft gelöst werden, sondern mündeten in den Ersten Weltkrieg. Vgl.
Hall, Balkan Wars
Kaufmann, Kaufleute; auch: Händler
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft; auch: chartered accountants (englisch)
Ertrag; auch: Erwerb, Erlös, verdiente Gelder, Nutzen
Komprador; auch: Comprador (englisch), Compradore (englisch)Anders als in Britisch-Indien, wo die Briten bereits eine Standardisierung der Maßeinheiten, formale Eigentumsrechte und andere rechtliche Regeln für den Handel durchgesetzt hatte, stellte sich die Lage für ausländische Kaufleute in China in den 1840er Jahren noch viel unübersichtlicher dar. Bei der Anbahnung von Geschäften waren sie in hohem Maße auf einheimische Vermittler angewiesen, die so genannten Kompradoren. Als Kompradoren – ein deutscher Neologismus, der sich vom portugiesischen Wort „Comprador“ für Käufer herleiten lässt – wurden Chinesen bezeichnet, die nicht nur über die notwendigen Sprachkenntnisse verfügten, sondern als erfahrene Kaufleute mit den allgemeinen sozialen Konventionen und Geschäftspraktiken vor Ort vertraut waren, eine gute Sachkenntnis über die Märkte im Landesinneren besaßen, sich mit den dort üblichen Maßen und Gewichten auskannten und nicht zuletzt Verbindungen zu anderen einheimischen Kaufleuten und Geldgebern pflegten, sodass auch der Zahlungsverkehr mit ihrer Hilfe leichter abgewickelt werden konnte. Die europäischen Handelshäuser stellten deshalb in der Regel einen chinesischen Komprador ein, der neben seinem Gehalt eine Prämie von ein bis drei Prozent für jedes von ihm vermittelte Handelsgeschäft bekam; für dessen ordnungsgemäße Abwicklung übernahm er eine persönliche Garantie. Der Komprador war also nicht nur ein Angestellter, sondern er blieb zugleich ein selbständig tätiger Zwischenhändler und Kaufmann. Außerdem war er für das Anmieten von Büro- und Lagerräumen, für die Rekrutierung und Beaufsichtigung weiterer chinesischer Mitarbeiter sowie das Beschaffen von Informationen über neue Geschäftsmöglichkeiten zuständig. Die Zusammenarbeit mit den Kompradoren konnte sich durchaus problematisch gestalten, denn sie verfügten über einen erheblichen Wissensvorsprung, den sie nicht selten für eigene Geschäfte zu nutzen wussten. - Grundlegend zu den Aufgaben eines Kompradors:
Beutler, Carlowitz & Co.
, S. 129–132;
Benecke, Komprador, Teil 1
;
Benecke, Komprador, Teil 2
;
HAO, The Comprador
;
HAO, A „New Class“
;
Dejung, Bridges to the East
;
Becker, Western Firms
. Zum sich wandelnden Selbstverständnis der Kompradore im frühen 20. Jahrhundert:
Moazzin, Sino-Foreign Business Networks
.
Hongkong-Dollar [Währungseinheit]; auch: $
Holz; auch: Balken, Baumstamm, Bretter, Holtz, Holzlager, Holzmuster, Holzsplitter, Planken, Rinde, Sägemehl, Stamm
Lager; auch: Lagerhaus, Magazin, Speicher, Warenhaus, Warenvorrat
Mitarbeiter, chinesischer; auch: Chinese staff (englisch)
Personal, Personalpolitik; auch: Hilfspersonal, Leitungspersonal
Lohn; auch: Bezüge, Gage, Gehalt, Salair, salary (englisch), Vergütung, wage (englisch)
Handelshaus, innere Organisation
Konsignation; auch: Consignation, Consignationssendungen, Konsignationslager, Konsignationsmotoren, KonsignationswareDer kaufmännische Fachbegriff „Konsignation“ bezieht sich auf ein Kommissionsgeschäft, bei dem das Eigentum an der zu verkaufenden Ware - zum Beispiel Motoren - beim Hersteller oder Großhändler verbleibt, der sich eines Zwischen- oder Einzelhändlers bedient.
Telegramm; auch: Depesche, Kabel
Tratte s. auch Wechsel
Der finanztechnische Fachbegriff „Tratte“ bezeichnet einen Wechsel, der vom Wechselaussteller (auch Trassant genannt) gezogen, also mit einer unbedingten Zahlungsanweisung auf einen bestimmten Bezogenen (auch Trassat genannt) versehen und in Umlauf gesetzt, von diesem Bezogenen aber noch nicht akzeptiert wurde. Erst mit seiner Unterschrift, dem so genannten Akzept, erkennt der Bezogene die Zahlungsverpflichtung verbindlich an, sodass der Wechsel von einer Tratte zu einem Akzeptwechsel mit einer bestimmten Laufzeit bis zur Zahlung wird. Mit Hilfe von Tratten können also so genannte Trassierungskredite gewährt werden, deren Laufzeit mit dem Akzept des Bezogenen beginnt. - Grundsätzlich von der Tratte zu unterscheiden ist der „Solawechsel“, mit dem der Aussteller selbst ein Zahlungsversprechen abgibt, entweder für einen bestimmten Termin oder bei Sicht.
Kuli; auch: Coolie, Koolie, Kulie, Kuliehandel, Kulihandel, Lastenträger„Kuli“ war in China und anderen Ländern Ostasiens im 19. Jahrhundert die übliche Bezeichnung für einen ungelernter Hand- oder Hilfsarbeiter, der vor allem als Lastenträger beschäftigt wurde.
Kulitransport; auch: Cooly-Verschiffung, Kulie-PassagierVor dem Hintergrund schlechter Lebensverhältnisse und steigender Bevölkerungszahlen in China auf der einen, hoher Nachfrage nach billigen Arbeitskräften für den Eisenbahnbau, für Bergwerke und Plantagen in Amerika sowie Niederländisch-Indien auf der anderen Seite nahm die chinesische Auswanderung seit der Mitte des 19. Jahrhunderts stark zu, obwohl sie von der chinesischen Obrigkeit weiterhin mißbilligt wurde. Auch deutsche Kaufleute und Reeder stiegen frühzeitig in das Geschäft mit dem Transport von Kulis an die amerikanischen Westküste ein, wo das nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg (1861–1865) geltende Verbot der Sklaverei den Arbeitskräftemangel noch verschärfte. Angesichts der teils menschenunwürdigen Zustände auf den Schiffe entbrannte in China allerdings bald eine heftige Diskussion über diese Transporte und die mit den Auswanderungswilligen geschlossenen Arbeitsverträge, die dem Sklavenhandel nahe kam. Auf ein verbindliches Abkommen mit der chinesischen Regierung zur Regelung der Bedingungen für Kulitransporte konnten sich die europäischen Mächte lange Zeit nicht verständigen. Großbritannien und Frankreich preschten dabei vor, die deutschen Staaten hielten sich jedoch zurück. Deutsche Kaufleute und Reeder profitierten offenkundig sogar von der wachsenden Zurückhaltung ihrer britischen und französischen Wettbewerber, während zugleich der Bedarf an billigen Arbeitskräften in den Zinnminen und Plantagen auf der Malayischen Halbinsel und in Niederländisch-Indien gegen Ende des 19. Jahrhunderts weiter kräftig anwuchs. Die Kulitransporte entwickelten sich nun aber zunehmend zur modernen Passagierschifffahrt. - In der einschlägigen Forschungsliteratur wird die Frage der Beteiligung deutscher Reeder und Kaufleute bisher kaum angesprochen. Vgl.
Foster Farley, Chinese Coolie Trade
;
Meagher, Chinese Laborers
;
Irick, Ch‛ing Policy
;
YEN, Coolies and Mandarins
;
Loh, Beyond the Tin Mines
;
Narvaez, Chinese Coolies
;
Sinn, Pacific Crossing
;
Ginés-Blasi, Exploiting Chinese Labour
. Dass sie möglicherweise viel größer war, als die Zeitgenossen angaben, zeigen jedoch erste Pionierstudien. Vgl. insbesondere:
Wagner, „… so verwerflich die Sache an sich sein mag…“
;
Wippich, „… kein respectables Geschäft“
;
Steen, Deutschland, China und die „Kuli-Frage“
;
Goey, Consuls
, S. 79–84.
RemittierungDen Zahlungstransfer mit Hilfe eines Wechsels, der vom Aussteller an den Wechselnehmer geschickt wird, nennt man Remittierung.
Pound Sterling [Währungseinheit]; auch: £, £ st., l., Pfund Englisch, Pfund SterlingDas britische Pound Sterling, üblicherweise abgekürzt mit dem Zeichen £, unterteilt sich in shilling, abgekürzt s oder sh, und pence, abgekürzt d (für „denarius“). Ein Pound Sterling entspricht dabei 20 shilling oder 240 pence (1 shilling = 12 pence).
Aktien; auch: Actien, shares (englisch)
Tonne [Gewichtseinheit]; auch: t., ts., ton (englisch) Die Gewichtseinheit Tonne war im 19. Jahrhundert noch nicht normiert. Sie wurde teilweise auch noch als ein Raummaß verwendet, also etwa für eine Tonne voll Bier, Getreide, Fisch oder Salz mit ganz unterschiedlichem Gewicht. Für die Tonne als Gewichtseinheit setzte sich im 19. Jahrhundert im deutschen Sprachraum das metrische Maß von 1.000 Kilogramm durch. Im angelsäsischen Sprachraum dagegen ist weiterhin zwischen der metrischen Tonne (metric ton), der britischen „long ton“ (~ 1.016 Kilogramm) und amerikanischen „short ton“ (~ 907 Kilogramm) zu unterscheiden.
Wohnung; auch: apartment (englisch), Apartment, country house (englisch), Haus, Landhaus, Wohngebäude, Wohnhaus, Wohnsitz
Prisengericht; auch: Prize-GerichtDie seit dem 14. Jahrhundert in Europa vermehrt gegründeten Prisengerichte hatten über die Rechtmäßigkeit von so genannten Prisen, also der Wegnahme von Schiffen und Gütern im Seekrieg, zu entscheiden. Doch erst nach dem Krimkrieg (1853–1856) kam es 1856 mit der Pariser Seerechtsdeklaration zu einer ersten multilateralen Vereinbarung zum Prisenrecht, derzufolge die im Krieg bis dahin rechtmäßige, von privaten Seefahrern vorgenommene Kaperei abgeschafft und zum einen sämtliche unter neutraler Flagge transportierten Güter sowie zum anderen sämtliche auf feindlichen Schiffen transportierte neutrale Güter für unantastbar erklärt wurden (mit der Ausnahme ausdrücklich gebannter Güter). Eine umfassende Regelung des Seekriegsrechts gelang schließlich erst 1909 auf einer Konferenz in London. Die vorgesehene Etablierung eines internationalen Prisengerichtshofs scheiterte jedoch am britischen Oberhaus.
Dampfschiff; auch: Dampfbarkasse, Dampfboot, Dampfer, steamboat (englisch), steamer (englisch)
Kriegsschiff; auch: Kanonenboot, Panzerschiff
Prise; auch: PrizeDer aus dem Französischen stammende Begriff „Prise“ bezieht sich auf die legale Wegnahme von Schiffen und Gütern auf See, wie sie bei der Seekriegsführung seit dem Mittelalter üblich waren. Beschwerden und Einsprüche gegen solche Prisen, bei denen die Grenzen zwischen legaler Seekriegshandlung und privater Seeräuberei of verschwammen, konnten seit dem späten 14. Jahrhundert vor Prisengerichten geltend gemacht werden.
Kohlen; auch: Kohlenhandel
Auftrag; auch: Bestellung, Order, Ordre
Hafen; auch: free port (englisch), Freihafen, port (englisch), VertragshafenHäfen spielten für den Handel mit und in Ostasien im langen 19. Jahrhundert eine zentrale Rolle, zum einen als „Freihäfen“, wie zum Beispiel Singapur, in denen Waren ein- und ausgeführt werden konnten, ohne mit Zöllen belastet oder durch nichttarifäre Handelshemnisse beschränkt zu werden, zum anderen - und das war die häufigere Form - als „Vertragshäfen“, die zumeist nicht freiwillig, sondern unter Androhung von militärischer Gewalt oder auch erst nach einer militärischen Niederlage von den betreffenden Territorialstaaten, vor allem China und Japan, für den internationalen Handel geöffnet wurden. Dies geschah in der Regel auf der Basis eines mehr oder weniger erzwungenen Handelsvertrages, der keine gleichen Rechte für die Vertragspartner vorsah, sondern in erster Linie den Interessen der ausländischen imperialen Mächte entsprach und deshalb als Ungleicher Vertrag bezeichnet wurde. Über die Vertragshäfen wurde in China, Japan und anderen Ländern Ostasiens eine kommerzielle Revolution mit tiefgreifenden Veränderung für alle Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft in Gang gesetzt. Vgl.
Fairbank, Trade and Diplomacy
;
HAO, Commercial Revolution
;
Hoare, Japan‛s Treaty Ports
;
So/MyersTreaty Port Economy
;
Bickers/Jackson, Treaty Ports
;
Brunero/Villalta Puig, Life in Treaty Port China and Japan
.
Kapitän; auch: Capitän, Capitain, captain (englisch), Kapitaen, Schiffscapitän
Zahlung; auch: Auszahlung, Barzahlung, Bezahlung, Disbursement, Einzahlung, Geldüberweisung. Giro Verkehr, payment (englisch), Rückzahlung, Vorausbezahlung, Zahlungsanweisung, Zahlungsausfall, Zahlungsbedingungen, Zahlungsbereitschaft, Zahlungsmethode, Zahlungsmodus, Zahlungsschwierigkeit, Zahlungsverkehr, Zahlungsverweigerung, Zahlungsverzögerung
Rechnung; auch: account (englisch), Factur, Factura, Faktur
Frachtfahrt; auch: Befrachtung, Frachtschifffahrt, Verfrachtung
Kommission, Kommissionsgebühr; auch: commission (englisch), Commission, Commißion
Vertreter, Vertretung; auch: agency (englisch), agent (englisch), Agent, Agentur, Alleinvertretung, Handelsagentur, representation (englisch), representative (englisch), Vertretungsgebiet, Vertretungsvertrag