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Friedrich Bach, Prokurist der Dortmunder Firma August Klönne, spezialisiert auf Ofenbau, Brückenbau und Eisenkonstruktionen aller Art, beschreibt in diesem Schreiben als Antwort auf eine Anfrage der Dortmunder Handelskammer die konkreten Schwierigkeiten, die sich zu Beginn der 1920er Jahre im Geschäfts- und Handelsverkehr mit Polen ergaben. Beide Länder befanden sich während der 1920er Jahre in beständigen Konflikten miteinander, die sich an Fragen wie der Anerkennung der deutsch-polnischen Grenzziehung, der polnischen Nationalisierungspolitik und vor allem der Schlesienfrage entzündeten. Dabei ging es darum, ob das wirtschaftlich starke Schlesien zu Deutschland oder zu Polen gehören sollte. Nach einer Volksabstimmung im März 1921, die einen Mehrheitsentscheid für Deutschland ergeben hatte, wurde ein stark industrialisierter Teil Oberschlesiens abgetrennt und der Republik Polen zugeschlagen. Diese Konflikte wurden von mehrwöchigen bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen ("Kampf um Annaberg") begleitet. |
Dortmund, den 6. April 1921
An die Handelskammer Dortmund
Handelspolitische Beziehungen zu Polen.
Meine Beziehungen zu Polen sind z.Zt. sehr beschränkte. Ob sie sich in Zukunft bessern werden, weiss ich nicht; jedenfalls kann ich aus eigener Erfahrung nicht viel zur Klärung beitragen.
Grosse Schwierigkeiten habe ich mit der Herausnahme von Geldern. Ich habe bspw. einen Gaswerkbetrieb in Polen und kann die Gelder, die dort überflüssig werden und die ich zur Bezahlung von Kohlenrechnungen usw. benutze, nicht herausbekommen. Wenn ich sie auf eine Bank in Polen lege, so kann ich sie nicht einmal zur Bezahlung von Rechnungen für den Gaswerksbetrieb verwenden. In dieser Hinsicht müsste also gründlich Wandel geschaffen werden.
Ferner besteht die Unmöglichkeit, Material, dass ich für meinen Betrieb, für Reparaturen, Installa-tionen und dergl. brauche, nach Polen hereinzubringen. Seit Monaten lagern Materialien an der Grenze unter Zollverschluss und werden nicht herausgegeben, wodurch mir eine ausserordentliche Schädigung im Betrieb entsteht.
Die Beförderung von Personen lässt in Polen
sehr viel zu wünschen übrig. Es sind mir bei einer Reise, die ich kürzlich in
der früheren Provinz Posen unternahm,
mancherlei Schwierigkeiten aufgestossen; so z. B. ist auf den meisten, früher
deutschen, jetzt polnischen Stationen der Name der Station nur in polnischer Sprache angebracht; alle
Inschriften und Hinweise sind ebenfalls nur in polnischer Sprache ausgedrückt, mit der einzigen Ausnahme des Wortes
"Ausgang", das in polnischer deutscher dem deutschen polnischen Ausdruck
beigefügt ist. Der Geschäftsverkehr wird dadurch stark erschwert, indem durch
die dann notwendigen Erkundigungen mehrfach kurzfristige Anschlüsse versäumt
werden. An den Fahrkartenschaltern steht die Vorschrift, dass Fahrkarten nur
unter der Bezeichnung des polnischen
Namens zu verlangen sind. Wer also in Polen eine Fahrkarte nach Bromberg verlangt, muss nicht nur wissen, dass Bromberg „Bydgoszcz“ heisst, sondern er muss auch
wissen, wie dieser Name ausgesprochen wird, sonst kann er sich
nicht verständlich machen. Ich habe allerdings in dieser Beziehung noch
Ausnahmen gefunden, indem die polnischen
Schalterbeamten bei Nennung eines deutschen Namens diesen Namen in polnisch wiederholten und die Fahrkarte abgaben.
Eine grosse Erschwerung des Geschäftsverkehrs liegt bei der Einholung des Passvisums. Beim Verlassen Polens muss nicht nur das Visum der Ortsbehörde eingeholt werden, sondern auch das Visum des Passamtes, welches nur in Posen und in Bromberg domiziliert. Es ist also jeder Ausländer gezwungen, sich persönlich ein Visum in einem dieser Orte zu holen.
Eine besondere Erschwerung des Verkehrs liegt auch noch darin, dass bspw. auf der Strecke Thorn – Bromberg – Schneidermühl nur ein Zug ostwärts und einer westwärts verkehrt. Man kann also die Grenze nur ein einziges Mal am Tage überschreiten. Der Zug westwärts ab Bromberg fährt um 9 Uhr 37. Erst um 9 Uhr wird dass Passamt geöffnet, und so erklärt sich, dass die meisten der Ausreisenden auf dieser Strecke einen vollen Tag mit der Einholung des Passvisums verlieren, denn in den wenigen Minuten, die zwischen der Oeffnung des Passamtes und Abgang des Zuges liegen, ist die Abfertigung nur von etwa 10 – 15 Personen möglich,ganz abgesehen davon, dass sich die polnischen Beamten auch nicht die geringste Mühe geben, die Passvisa zu beschleunigen. Unter Umständen kostet die Einholung des Passvisums zwei Tage. Wenn nämlich jemand um 6 Uhr Nachmittags erst in Bromberg ankommt, so kann es ihm sehr leicht passieren, dass er am anderen Morgen nicht zu den Glücklichen der ersten Abfertigungsviertelstunde – es muss auch Zeit für den Weg vom Passamt zum Bahnhof, für die Besorgung des Gepäcks, der Fahrkarte und für den weiten Weg vom Schalter bis zum Zuge gerechnet werden – und somit sein Visum erst nach 9 Uhr 15 erhält und dann keine Möglichkeit mehr hat, den Zug zu erreichen. Er muss also noch volle 24 Stunden in Bromberg verweilen, um die Ausreise bewerkstelligen zu können.
Derartige Verzögerungen im Geschäftsverkehr müssen m.E. durch die Wirtschaftsverhandlungen unbedingt bese-itigt werden.