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Die Weltwirtschaftskonferenz, die im Juni und Juli 1927 im schweizerischen Genf stattfand, ging vor allem auf die Initiative des französischen Politikers Louis Loucheur zurück. Es handelte sich um den großangelegten Versuch, Lösungsansätze für die Strukturprobleme der europäischen Nachkriegsordnung zu entwickeln. Dazu gehörten Probleme der Währungsstabilität und Protektionismus. Als Problem wurde von vielen Politikern und Unternehmern aber auch die scharfe Konkurrenz auf vielen Märkten wahrgenommen, der am Besten durch Zusammenschlüsse in Form von Kartellen und Trusts begegnet werden sollte. Im Rahmen der Vorbereitung der Genfer Konferenz wurde durch den Völkerbund ein Komitees gebildet, in dem sich hochrangige Vertreter der europäischen Politik, Wirtschaft und der Gewerkschaften versammelten. In dem hier präsentierten Protokoll werden die unterschiedlichen Vorstellungen der Ursachen der europäischen Probleme und Visionen zu ihrer Lösung sichtbar. Klar war jedoch, worum es ging: Währungsstabilisierung, Handelsliberalisierung sowie eine zunehmende Regelung des Wettbewerbs durch Kartelle und andere Formen von Zusammenschlüssen. |
Komitee zur Vorbereitung der Weltwirtschaftskonferenz. Protokoll der dritten Sitzung in Genf am Dienstag, den 27. April 1926, 10 Uhr 30.
Herr de Stefani meint, daß der Zweck der Arbeiten des Komitees sich in folgenden zwei Punkten zusammen fassen ließe;
1) Auswahl der zu untersuchenden Gegenstände unter Berücksichtigung der gesamten erforderlichen Unterlagen, zwecks späterer Bestimmung der Dinge, welche die Internationale Wirtschaftskonferenz zu prüfen haben wird;
2) Ermittelung des einzuschlagenden Verfahrens. Hinsichtlich des ersten Punktes scheint ein erster Grundsatz bereits festzustehen, nämlich daß das Komitee alle Tatsachen sorgfältig zu untersuchen hat, die zu internationalen wirtschaftlichen Beziehungen von einiger Bedeutung Anlaß geben können.
Andererseits kann die in Aussicht genommene Konferenz ihr Ziel nur erreichen, wennes ihr gelingt, günstige Vorbedingungen für den Abschluß von unmittelbaren privaten Abkommen oder für die Herbeiführung von Staatskonventionen zu schaffen.
Die Herbeiführung solcher Konventionen hat aber eine Vereinheitlichung der verschiedenen nationalen Gesetzgebungen zur Folge, wie dies schon bei den verschiedenen internationalen Abkommen über Arbeitsfragen der Fall gewesen ist, die Italien als erster Staat ratifiziert hat: Die mit den internationalen Wirtschaftsproblemen verknüpften Fragen müssen dabei mit größter Sorgfalt und nach allen Richtungen untersucht werden. Faßt man die tatsächlichen Interessen der verschiedenen Länder ins Auge, so ergibt sich, daß jedes Problem sich tatsächlich in verschiedene Sonderfragen spalten kann, deren vorgeschlagene Lösungen oft für die besonderen Interessen eines oder mehrerer Staaten günstig und zugleich für andere aber nachteilig sind. Dem Komitee wird es also nur dann gelingen, für die verschiedenen widerstreitenden Interessen den unentbehrlichen gegenseitigen Ausgleich zu finden, wenn es seine Untersuchung auf alle diese Probleme ausdehnt.
Irgend eine andere Lösung erscheint weder denkbar noch logisch, noch politisch möglich. Wie der Redner bereits in der letzten Sitzung der Londoner Konferenz zur Durchführung des Dawesplanes ausgeführt hat, ist die freie Bewegung von Volk zu Volk nicht nur ideell, sondern auch für die Menschen und die Erzeugnisse, eine notwendige Vorbedingung für die Heraufkunft der Morgendämmerung der neuen Weltgeschichte.
Es handelt sich hier um den Kernpunkt, denn nur zu oft stehen die Möglichkeiten einer Störung des Weltfriedens - für den alle kraftvoll zu arbeiten wünschen - in sehr enger Beziehung zu den Wirtschafts- und Bevölkerungsschwierigkeiten! Deshalb begrüßt der Redner auch mit größter Genugtuung die von seinen Kollegen bekundeten Sympathien für die Organisation der Weltproduktion auf einer mehr wirtschaftlichen Grundlage und für die Herstellung einer größeren Bewegungs- und Austauschfreiheit für die Erzeugnisse und Arbeitskräfte. Man darf nicht vergessen, daß der Mensch als solcher, auch wenn man nicht berücksichtigt, daß er einem bestimmten Staate angehört, der Hauptzweck der Wirtschaft und der geschichtlichen Moral ist.
Er ist der vornehmste unter den Rohstoffen. Auch unter diesem Gesichtspunkt wäre es angebracht, die
Fragen voranzustellen, die sich unmittelbar an seiner
persönlichen Tätigkeit, an seine Leistungsfähigkeit und somit an
seinen Arbeits- und Lebensmöglichkeiten knüpfen.
Der Redner betont daher die logische, moralische und politische Notwendigkeit, für die Arbeiten des Komitees ein möglichst klares und vollständiges Programm aufzustellen.
Bezüglich des einzuschlagenden Verfahrens ist er mit der Mehrheit der Vorredner dafür, daß die Aufgabe, den Arbeitsplan des Komitees aufzustellen, dem von Herrn Theunis vorgeschlagenen kleinen Komitee unter seinem Vorsitz übertragen wird. Dieses Kleine Komitee hätte dem Vorbereitenden Komitee einen Plan der Gegenstände vorzulegen, worin diese so eingeteilt sind, daß jedes Problem später während der Vertagung des Vorbereitenden Komitees den Gegenstand einer eingehenden technischen Erörterung bilden könnte. Das Vorbereitende Komitee könnte dann später wieder einberufen werden, um den Fortgang der Arbeiten zu verfolgen oder deren Beschlüsse zu billigen.
Der Redner schließt mit dem Hinweis, daß es sich im wesentlichen bemüht hat, die Absichten der Versammlung und des Rates des Völkerbundes darzulegen. In diesem Sinne teilt er die allgemeine Überzeugung, daß jeder im voraus gemachte Vorbehalt unangebracht wäre. Das Komitee muß vom besten Willen beseelt sein und sich bei seinen Arbeiten ein erreichbares praktisches Ziel setzen, um die vom Völkerbund ins Auge gefaßten Zwecke zu erreichen. H. Pauwels weist auf die Vielgestaltigkeit der zu untersuchenden Probleme hin.
Infolge des Krieges ist die Harmonie zwischen der landwirtschaftlichen und der industriellen Erzeugung gestört. Landwirtschaftliche Gebiete sind halb industrielle geworden und die beträchtliche industrielle Entwicklung gewisser Länder beeinträchtigt die Betätigung der Industrieländer der Vorkriegszeit, die sich oft infolge des Krieges wirtschaftlich und industriell weiterentwickelt haben.
Ferner ist das fast allgemeine Bestreben der Unternehmen darauf gerichtet, eine Verbesserung ihrer Lage durch bessere Organisation der Arbeit und Weiterentwicklung der industriellen Technik herbeizuführen; hierdurch werden größere Erzeugungsmöglichkeiten geschaffen, als in Jahre 1914, während die Verbrauchskraft abgenommen hat.
Andererseits hat die Gründung neuer Staaten in Europa eine Vermehrung der Grenzen und, wie man gesagt hat, eine Balkanisierung Europas herbeigeführt. Diese neuen Staaten haben notwendigerweise eine Wirtschafts- und Zollpolitik befolgen müssen, die ihre aufstrebenden einheimischen Industrien schützt.
Wahrscheinlich wird man im Freihandel eins der möglichen Heilmittel erblicken. Er würde die Preisherabsetzung, mehr Regelmäßigkeit und ein Wiederaufleben der Geschäfte herbeiführen. Aber der Freihandel allein ist nicht geeignet, die vorliegenden Probleme zu lösen. Wenn keine Lösung gefunden wird, so ist zu befürchten, daß die Staaten ihre Schutzzollmaßnahmen verschärfen und somit die allgemeine Wirschaftslage noch erschweren werden.
Will man das System der vorhandenen wirtschaftlichen und industriellen Abkommen verallgemeinern, so muß man das Problem der Produktionsmöglichkeiten unter den folgenden drei Gesichtspunkten untersuchen:
1) Finanzen;
2) Rohstoffe;
3) Arbeitskräfte.
Das Finanzproblem hat, wie bereits gesagt worden ist, zwei Seiten: Stabilisierung und Kredite. Durch die Stabilisierung bekämpft man das Dumping, das von den Staaten mit entwerteter Währung betrieben wird, und man erreicht gleichzeitig eine größere Regelmäßigkeit im Kreditwesen. Gegenwärtig versetzt die Zahlung der Zinsen in Gold für Goldkredite, die Ländern mit entwerteter Währung gewährt worden sind, diese Länder in eine unmögliche Lage. Es wäre nützlich, die Geldgeber darauf hinzuweisen, daß es notwendig ist, von den kreditbedürftigen Ländern oder Industrieverbänden keine zu hohen Zinsen zu verlangen. Die Einkünfte dürfen nicht in zu großen Maße durch die Zahlung von Zinsen in Anspruch genommen werden. Die Produktion muß in genügendem Verhältnis zu den Einkünften stehen und die Arbeiter müssen unter menschenwürdigen Bedingungen arbeiten können.
Das Arbeitsproblem hat gleichfalls zwei Seiten: Die wirtschaftliche (Arbeiterwanderungen) und die der moralischen, geistigen und materiellen Hebung der Arbeiterklassen Beachtung erfordern ferner die Abschlüsse von internationalen Industrieabkommen über Erzeugnisse wie Steinkohlen, Eisen, Webstoffe, sowie dem Problem der Treiböle und der Verteilung der Nahrungsmittel.
Hinsichtlich des Verfahrens endlich müßten die Fragen möglichst weitherzig
behandelt werden. Die Probleme müssenin Gruppen geteilt und einer
gewissen Zahl von Unterkomitees muß mit ihrer Prüfung betraut
werden, um diejenigen auszusuchen, welche mehr oder weniger unverzüglich zur
Verwirklichung geeignet erscheinen.
In seiner nächsten Sitzung würde das Vorbereitende Komitee dann die Berichte der Unterkomitees entgegennehmen und das Programm der künftigen Konferenz feststellen.
Herr Ernst Trendelenburg bemerkt, jedermann sei darüber einig, daß eine Überindustrialisierung in der Welt bestehe.
Es wäre jedoch nicht gut, die Erzeugung soweit herabzusetzen, daß sie den gegenwärtigen Möglichkeiten des Güterverbrauchs entspreche. Er hält es im Gegenteil für ratsam, die Gestehungskosten durch Rationalisierung der Betriebe zu verringern.
Zu diesem Zweck müßte man die Einheit des Weltmarktes in der Weise herstellen, daß die Erzeugung dort erfolgt, wo sie am billigsten ist. Auch ist es möglich, worauf bereits hingewiesen ist, die Absatzgebiete zu erweitern, nicht nur in Afrika oder in China, sondern auch in Rußland.
Gestört wird der Absatz gegenwärtig: 1) durch die fehlende Stabilisierung der Währungen, 2) durch den Nationalismus in allen Formen - ein Nationalismus, der nicht nur in Europa, sondern auch anderswo herrscht, in der Form von Ein- und Ausfuhrbeschränkungen, von wirtschaftlichen Druckmaßnahmen, von Beihilfen für die einheimischen Industrien - lauter Maßnahmen, welche die Einheitlichkeit des Absatzes stören,13) der übertriebene Wettbewerb der großen Industriekonzerne.
Anscheinend muß die Konferenz daher die Frage der Währungsstabilisierung ins Auge fassen, und in dieser Beziehung könnte sie sich größtenteils damit begnügen, auf die Entschließungen der Brüsseler Konferenz zu verweisen.
Bezüglich des wirtschaftlichen Nationalismus könnte die Konferenz eine Meinung äußern, die als einstimmige Kundgebung der Welt beträchtliches Gewicht haben würde. Die Tarife sind erhöht worden, um die heimischen Industrien zu schützen oder um bei dem Abschluss von Handelsverträgen bessere Ergebnisse zu erzielen. Wie aber schon gesagt, können nicht alle Länder gleichmäßig industriell sein.2
Die Konferenz wird sich auch mit vier Vorfragen beschäftigen müssen:
1) mit der Frage der Statistiken, die heute noch zu verschiedenartig sind, um so benutzt werden zu können, wie sie es müßten;3
2) mit dem Problem einer größeren Einheitlichkeit der Zolltarife;
3) mit der Frage der privaten Industrieabkommen zwecks Ausschaltung übertriebenen Wettbewerbs, Hier ist zunächst eine grundsätzliche Frage zu prüfen.
(Nr. 4 fehlt !)
Vor allem ist zu bedenken, daß "Einigkeit stark macht".
H. Layton will über die Fragen des Verfahrens sprechen. Erstens, wann soll die Konferenz zusammentreten? Einige, die an die Möglichkeit glauben, durch eine Konferenz gewisse bestehende wirtschaftliche Schwierigkeiten zu beseitigen, sind für eine möglichst baldige Einberufung. Man muss sich jedoch daran erinnern, was Herr Pirelli gesagt hat, daß die am besten vorbereiteten Konferenzen den größten Erfolg haben. Außerdem ist eine gewisse Bearbeitung der öffentlichen Meinung notwendig. Sonst würde die Verkündung gewisser neuer Ideen Schwierigkeiten bereiten.
Endlich bestehen zur Zeit gewisse besondere Schwierigkeiten, die in einiger Zeit verschwinden können (z.B. die, welche durch die Unbeständigkeit der französischen Währung hervorgerufen ist).
Es dürfte sich daher nicht empfehlen, gleich in der ersten Sitzung das Programm für die künftige Konferenz aufzustellen, sondern Maßnahmen zu treffen, damit das Komitee in einer späteren Sitzung in der Lage ist, ein wohldurchdachtes Programm für die Konferenz vorzulegen.
Die allgemeine Meinung scheint für die Schaffung einer gewissen Zahl von Unterkomitees zu sein, deren jedes eine bestimmte Gruppe von Gegenständen zu prüfen hätte. Nach der Einteilung des Herrn Jouhaux kann man unterscheiden:
1) die Probleme der Währungsstabilisierung;
2) die Probleme der internationalen Handelsbeziehungen;
3) die Probleme der Erzeugung;
4) die Probleme der Arbeit.
Dieser Einteilung könnte man vielleicht die finanziellen Probleme anschließen.
Bezüglich des Stabilisierungsproblems ist die Stabilisierung der Währung und die Stabilisierung der Preise zu unterscheiden. Da die Untersuchung der Stabilisierung der Preise verfrüht erscheint und die der Stabilisierung der Währung anscheinend keiner neuen Aufschlüsse bedarf, wäre es zwecklos, sofort eine Sonderkommission für die Stabilisierung einzusetzen, wenn auch das Problem in einer neuen Sitzung von neuem aufgenommen werden könnte.
Andererseits scheint es notwendig, besondere Unterkommissionen einzusetzen 1) für die Erzeugung, 2) für die internationalen Handelsbeziehungen, 3) für die Arbeitsfragen und vielleicht 4) für die Finanzfragen.
Die Fragen der Erzeugung müssen wohl an die erste Stelle gesetzt werden. Die besondere Unterkommission hätte den Bericht des Sekretariats über die Frage zu prüfen. Sie könnte auch die Frage der Sonderindustrien prüfen und die bereits gemachten Versuche, den Markt durch internationale Vereinbarungen zu befestigen.
Die Unterkommission für die internationalen Handelsbeziehungen hätte zu untersuchen: die Zolltarife, das Dumping, die Fragen der Staatsbeihilfe, der Rohstoffe, der Transporte usw. Es wäre z.B. nützlich, eine genaue Zusammenstellung der Tarife zu haben, aus der sich ersehen läßt, ob und in welchem Maße die Tarife wirklich höher sind als vor dem Kriege und in welchen Maße sie die wirtschaftliche Lage beeinflußt haben. Man müßte auch untersuchen, welche besonderen Gründe für die Erhöhung der Tarife vorliegen.
Die dritte Unterkommission, die für Arbeiterfragen, hätte die Fragen der Löhne, der Lebenshaltung, der Auswanderung usw. zu untersuchen.
Die von Herrn Young aufgeworfene Frage des Zusammenhangs zwischen den wirtschaftlichen Schwierigkeiten und dem Kriege würde zweckmäßig nicht einer Unterkommission überwiesen werden, sondern ein Berichterstatter könnte beauftragt werden, eine besondere Abhandlung darüber vorzulegen, die dann die Grundlage zu der Einleitung des an den Rat zu stellenden Berichtes bilden könnte.
Der Vorsitzende könnte auch die Mitglieder der verschiedenen vorgesehenen Unterausschüsse ernennen, und zwar so, daß die verschiedenen in dem jetzigen Komitee vertretenen Interessen auch in jeder Unterkommission vertreten sind.
Herr von Peyerimhoff meint, daß eine einstimmige Überzeugung in der Aussprache hervorgetreten sei: alle Mitglieder des Komitees geben freudig ihre Zustimmung zu der bedeutsamen Aufgaben der kommenden Wirtschaftskonferenz. Über das Programm sowie über das Verfahren bestehen verschiedene Auffassungen, die mehr auf Verschiedenheit des Temperaments als der Überzeugung beruhen.
Gegenwärtig springt das wachsende Übergewicht der Wirtschaft im nationalen Leben allen in die Augen, aber es scheint, daß diese verstandesmäßige Einsicht bei dem "Mann der Straße", von dem schließlich die öffentliche Meinung abhängt, noch nicht ganz seinem Empfinden oder seinen praktischen Anschauungen eingegangen ist, und das diese öffentliche Meinung und die Regierungen, die darauf Rücksicht zu nehmen haben, noch ein gewisses Misstrauen gegenüber internationalen Lösungen hegen, zumal wenn sie als national und autonom erscheinen.
Soll die Wirtschaftskonferenz nur eine einzige, allumfassende und glänzende Sitzung abhalten, oder soll sie nicht lieber eine fortlaufende Reihe von Sitzungen abhalten, in deren Verlauf sich ihr Ansehen und ihre Erfahrungen befestigen würden? Persönlich neigt der Redner der zweiten Lösung zu, und an diese dachte er, als er Herrn Jouhaux bei seinem Versuche folgte, ein großartiges Panorama des etwaigen Arbeitsgebietes der Konferenz auszumalen. Er fragte sich, welch astronomische Zahl von Sitzungen notwendig sein würde, um alle in Aussicht genommenen Gegenstände erschöpfend zu prüfen, und gerade im Interesse der neuen Einrichtung hielt er es für klug und zweckmäßig, wenn sie sich anfangs auf eine beschränkte Zahl von Punkten konzentrierte. Anscheinend werde das Wohlwollen nur die Sapathie der öffentlichen Meinung der Welt der Konferenz sicher sein, wenn sie sich zunächst einem Problem zuwendet, dessen Wichtigkeit und hervorragende Bedeutung jedermann verständlich ist: dem des Mißverhältnisses zwischen Verbrauch und Erzeugung und der wahrscheinlich wachsenden Schwierigkeiten, denen eine gesunde Verteilung dieser Erzeugung heute begegnet.
Bezüglich des Programms des Herrn Layton möchte der Redner zunächst feststellen, daß ein Teil davon faktisch ausscheidet: die Stabilisierung. Über die Wichtigkeit und Dringlichkeit einer Lösung besteht kein Zweifel, aber die Einzelheiten sind in höchstem Grade nationale Probleme und nach Fassung oder Erneuerung einer Entschließung allgemeiner Natur, sollte man den einzelnen beteiligten Staaten die praktische Lösung dieser Fragen überlassen, die von Zuständigkeitsrücksichten abhängen und eine Einzelbehandlung verlangen. Andererseits sollte das internationale Arbeitsamt fortfahren, sich mit den Problemen der Arbeit und der Auswanderung zu befassen, da es sich in diesen Fragen eine Autorität erworben hat. Es erscheint für die Konferenz weder zweckmäßig noch angemessen, ihm diese Dinge scheinbar offiziell entwinden zu wollen.
Wie Herr Serruys gesagt hat, kommt es darauf an, zwei Gruppen von Fragen, die voneinander unabhängig sind, zu prüfen: Die Zollfragen und die Fragen der Organisation der Erzeugung. Es mag entschuldbar scheinen, wenn ein Industrieller geneigt ist, sie als den Kernpunkt des geplanten Programms zu betrachten.
Ist es leicht, der Welt "ex cathedra" eine allgemeine Formel für die Organisation der Erzeugung vorzulegen? Offenbar nicht, und es dürfte für die Konferenz nicht günstig sein, wenn sie auf die öffentliche Meinung der Welt den Eindruck einer Art von Überprofessor der Volkswirtschaftslehre machte. Vorsichtiger, wenn man will, praktischer und auch wirksamer wäre die Methode, von bestimmten Tatsachen auszugehen und anzuerkennen, daß gewisse Industrien von internationaler Bedeutung durch den verminderten Wohlstand der Welt, durch die Steigerung der Produktionsmöglichkeit und der Gestehungskosten ernstlich beeinträchtigt sind, sowie nach Heilmitteln zu suchen, die eine solche Lage erfordert, nach Heilmitteln und nicht nach einem Heilmittel; denn in der Wirtschaft wie in der Physiologie gibt es keine Krankheit, sondern es gibt nur Kranke.
Man könnte also die kranken Großindustrien in Einzeldarstellungen vornehmen und die Ursachen und Kennzeichen ihres krankhaften Zustandes untersuchen.4
Dieser krankhafte Zustand bedarf offenbar internationaler Maßnahmen. Die sichersten von allen sind die, welche die Erfahrung der mit der Vorbereitung und Durchführung von großen industriellen Vereinbarungen beschäftigten Berufsleute bietet oder in Begriff ist zu bieten. Diese Lösungen haben gleichzeitig die Vielgestaltigkeit und das Maß, das die Wirklichkeit erfordert. Wie die guten Gesetze geben sie die Natur der Dinge wieder. Ohne Zweifel erscheinen diese Vereinbarungen als private Vereinbarungen, aber die Bedeutung der Interessen, die auf dem Spiel stehen, macht sie zu wahrhaft nationalen Abkommen, und ein jeder ahnt, daß solche Vereinbarungen nicht ohne Aufsicht, manchmal auch nicht ohne Beteiligung der Regierungen zustande kommen.
Wenn die Wirtschaftskonferenz solche Formeln prüfen, aufstellen und empfehlen würde, so entginge sie jedem Vorwurf doktrinärer Einmischung in die nationalen Wirtschaften; andererseits würde sie diesen durch ihre Autorität eine wertvolle Ermutigung zur Durchsetzung und Verallgemeinerung von Formeln geben, die die Aufgabe der Regierungen und die künftige Organisation der Erzeugung in höchstem Grad erleichtern würden.
Durch die Anwendung der Experimentalmethode, durch die Anwendung von geregelten und zugleich vorsichtigen Methoden wird sich die Konferenz von Anfang an das höchste Maß von Ansehen und Erfolg sichern.