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…
Erst in 1887 kam ein gewisser Umschwung. Wir bekamen damals die Agentur des Norddeutschen Lloyds, und|2. Seite, 8, Vorderseite| Herrn Adolf Laspe war es in erster Linie zu verdanken, dass er in richtiger Erkennung der Situation das Produktengeschäft in grösserem Stil anfasste und sich darum bemühte, die Verschiffungen von Tabak aus Sumatra zu bekommen. Auf Grund dessen konnten wir in das Chartergeschäft hineingehen, teils in Gemeinschaft mit dem N. D. L., teils auch für eigene Rechnung. Erst das gab der Firma den richtigen Aufschwung. Ich ging dann in 1888 nach Nord-Borneo und richtete zusammen mit Herrn Laspe die Borneo Steamship Company ein, die zwei Dampfer besass, „Paknam“ und „Benmore“. Für den Betrieb einer Reederei aber fehlten uns die nötigen Vorkenntnisse, und so mussten wir erst aus der Erfahrung lernen. Die Folge war, dass die Borneo Steamship Company uns gewisse Verluste einbrachte, aber sie legte gleichzeitig den Grund für unsere Beziehungen zu Borneo, die wir später lukrativ ausbauen konnten. Von Borneo zurückkommend, fuhr ich nach Assahan und Deli. Fast die Hälfte des ganzen Sumatra-Tabaks ging damals durch unsere Hände, und so erreichten wir es beim Lloyd, dass ein Dampfer für die Küstenfahrt Deli/Singapur eingestellt wurde, Dampfer „Schwalbe“, der später durch zwei andere „Sumatra“ und „Deli“ ersetzt wurde.|3. Seite, 9, Vorderseite|
In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts war das Reisen draussen in den Tropen bei weitem nicht so bequem wie heutzutage. Nach Borneo fuhr ich zusammen mit Herrn H. C. Meyer jr. von der bekannten Stuhlrohrfabrik. Er war in meinem Alter und wollte als Erbe der Fabrik einmal an Ort und Stelle sich ansehen, wie die Rohrgewinnung im Urwalde vor sich ging. Das hat er dann auch gründlich besorgt. Wir machten die Reise auf dem Dampfer „Paknam“. Das Schiff hatte allerdings eine Kajüte, aber diese war vollgeladen mit Salzsäcken, sodass wir beide uns an Deck installierten und dort des Nachts in einer Hängematte schliefen. Waschgelegenheit war auch nicht viel vorhanden, sodass wir uns von den Matrosen jeden morgen an Deck mit dem Schlauch abspülen liessen. Die Reise führte über Labuan und Kudat nach Sandakan. Labuan war ziemlich verödet. Anscheinend haben früher die Engländer versucht, es zu einem Stützpunkt für ihre Schiffahrt zu machen, später aber wohl diese Idee aufgegeben, nachdem sie sich in Singapore und Hongkong so häuslich niedergelassen hatten. Die Reise nach Kudat führte durch den Mallawalle Channel, der mit Korallen-Untiefen eine sehr gefährliche Passage bot. Wenn man oben auf der Brücke stand, meinte man als Laie, dass das Schiff in Kürze auf einem Riff sitzen würde; so spiegelklar war dort das Wasser. In Kudat besuchte ich einen belgischen Pflanzer, den Count de Geloes, der dort eine Tabak-Plantage verwaltete. Ich wollte seinen Tabak für unsere Schiffe engagieren, was|4. Seite, 10, Vorderseite| mir auch gelang. Ein Hotel gab es damals noch nicht in Kudat. Wir gingen an Land und liessen uns von einem Chinesen Pfannkuchen backen, wozu es ein Bier gab, das aus der Umgebung von Hamburg stammte. Eis zum Kühlen des Bieres gab es selbstverständlich nicht. Aber bei dem gesunden Appetit, den wir hatten, war uns das auch ziemlich einerlei. In Sandakan war ich adressiert an die British Borneo Trading Company, die auch lange unsere Agentur gehabt hat. Diese Leute waren grössere Holzexporteure und hatten eine eigene Sägerei. In Sandakan hatte man bereits einen Klub, wo ich eingeführt wurde. Das Klubgebäude war natürlich durchaus nicht imposant, sondern bestand aus einem kleinen Holzschuppen. Ich schrieb dort meinen Namen ein und freute mich, als ich 20 Jahre später das alte Buch wiedersah. Schon früher hatten Deutsche versucht, in der Nähe von Sandakan Fuss zu fassen und dort eine Niederlassung zu gründen. Auch Behn, Meyer & Co. waren beteiligt an einer Pflanzung, die auf einer Insel des Sulu-Archipels in der Nähe von Sandakan lag. Mir wurde seinerzeit erzählt, dass das jetzige British Nord-Borneo deutsch hätte werden können, wenn die deutsche Regierung dem zugestimmt hätte – und zwar einschliesslich der Sulu-Inseln. Die Verwaltung der Plantage auf Sulu lag in den Händen eines Kapitäns Schück, der sich aber schliesslich doch nicht halten konnte, weil die deutsche Regierung von einer Besitzergreifung abstand nahm. Das Geld, das Behn, Meyer & Co. in die Plantage hineingesteckt hatten, war verloren, und ich erinnere mich|5. Seite, 11, Vorderseite| dessen, dass ich in 1885 den letzten Posten auf dem Konto „Schück, Yolo (Sulu),“ abgeschrieben habe. Kapitän Schück erhielt vor seinem Fortgang eine goldene Uhr mit der Inschrift des alten Kaisers Wilhelm zur Belohnung für seine vaterländischen Bemühungen.
Auf der Rückreise von Borneo lief der Dampfer auch Brunei an und strandete dabei im Brunei-Fluss. Die Situation war etwas ungemütlich, denn wir wussten nicht, wie es mit der Flut stand. In diesen Gewässern gab es in den achtziger Jahren und noch keine Fluttabellen. Das Schiff lag ganz schief, und die Gefahr war nicht von der Hand zu weisen, dass es kippen könnte. Ich legte mich in platonischer Ruhe in die Hängematte, um gerade zu liegen und bin auch darüber eingeschlafen. Am anderen Morgen, als ich aufwachte, waren wir in Brunei angelangt. Dort machte ich dem derzeit noch unabhängigen Sultan meine Aufwartung und versuchte, mit ihm die Ausfuhr von Sagomehl für unsere Dampfer abzuschliessen, was auch von Erfolg gekrönt war. Die Audienz verlief in traditioneller malayischer Weise. Sämtliche malayischen Würdenträger lagen dabei ungefähr auf dem Bauch, und wir Europäer, das heisst der Kapitän des Dampfers, ich selbst und Herr H. C. Meyer, erhielten grosse im Stroh gewickelte Zigarren. Jedenfalls sollten es Zigarren sein; sie schmeckten furchtbar. Weiter wurde uns dort noch gezeigt, wie die Verbrecher hingerichtet wurden. Ein Kris wurde auf der oberen linken|6. Seite, 12, Vorderseite| Schulterseite ihnen senkrecht ins Herz gestossen, sodass sie sofort tot umfielen. In Brunei herrschte damals auch noch die Sitte der Kopfjägerei, die vielleicht heute noch nicht einmal ganz ausgestorben ist. Jeder junge Mann, der eine Frau sein eigen nennen wollte, musste zunächst seine Männlichkeit dadurch beweisen, dass er einem anderen die Kopfhaut etwas lüftete.
Im Anschluss an meine Borneo-Fahrt fuhr ich nach Assahan und Deli, um dort für die Tabak-Verfuhr für den N. D. L. tätig zu sein. Ich kam morgens in aller Frühe in Assahan an und ging sofort zur Firma Herrings, die als Könige von Assahan bezeichnet wurde. Der Haupt-Administrator Herrmann empfing mich in der schon überall bekannten Pflanzermanier und forderte mich in aller Frühe auf, Sekt mit ihm zu trinken, was ich dankend ablehnte, woraufhin er erklärte, wenn ich das nicht täte, so würde er mir den Tabak nicht geben. Aber schließlich bekam ich den Tabak doch; den Sekt habe ich aber nicht getrunken. Nachmittags mit der Tide fuhr ich nach Deli weiter und landete in Belawan. In Belawan lagen nur 2 grosse Hulks; die eine gehörte W. Mansfield & Co. und die andere dem N. D. L. Es war Mitternacht, als ich in Belawan ankam. Europäer konnten sich nachts dort nicht aufhalten wegen der ungesunden Ausdünstungen aus den Mangrove Swamps des Deli-Flusses. So musste ich mich in ein Boot begeben, das von 2 Malayen mitten in der Nacht stundenlang durch den Urwald gerudert wurde, und kam gegen morgen eben vor Dämmerung in Laboean an. |7. Seite, 13, Vorderseite|
Ich erhielt ein Zimmer in einem fürchterlichen Hotel, in dem ich nicht schlafen konnte, weil unter
mir einer Herde von Perlhühnern ihr Geschrei erhoben. Wahrscheinlich hatte mir die Fahrt
auf dem Revier auch nicht gut getan, denn als ich abends spät noch in Medan landete, der Hauptstadt von Deli/Sumatra, fühlte ich mich doch etwas sehr fiebrig. Unser Vertreter im
Medan war Herr Ernst Versmann, ein Sohn des bekannten
Hamburger Bürgermeisters, ein netter, lebenslustiger Mann, aber kein Kaufmann.
Er wusste nicht mit Geld
umzugehen. Ich war auf verschiedenen Plantagen, so in Tandjong Morava der Senemba Mij. gehörend.
Ferner besuchte ich die Amsterdam-Deli Company und die Deli-Batavia Mij. Auf einer dieser Fahrten kam ich nach
Padang Boelan (Mondfeld). Es war Dämmerlicht, und ich fuhr in einem kleineren
vierräderigen Wagen, der mit einem Pony bespannt war und von einem Malayen geführt wurde. Plötzlich sah ich, ungefähr
auf der Mitte des Weges, dass ein grosses Tier am hochgewachsenen Lalang
entlangschlich. Ich fragte den Kutscher, was das wohl sein könnte. Darauf
antwortete er ganz kühl: „Rimau, Tuan“ (Tiger, Herr). Das war eine unangenehme Begegnung,
denn eine Waffe hatte ich nicht bei mir, wie ich überhaupt niemals auf meinen
Reisen irgend eine Waffe besessen habe. Der Tiger hat mir nichts, und ich hab ihm auch nichts
getan.
Diese beiden Reisen nach Borneo und Deli gaben mir den Gedanken ein, der Firma vorzuschlagen, ein eigenes Estates Department zu errichten, was dann auch geschah. Das sogenannte Coast Shipping wurde mit diesem Estates|8. Seite, 14, Vorderseite| Department vereinigt und hat sich im Laufe der Jahre immer besser bezahlt gemacht. Wir lieferten alle von den Plantagen benötigten Artikel, besorgten auch die Arbeiter, und da diese bekanntlich in der Hauptsache von Reis leben, knüpfte sich daran allmählich ein Reishandel, der später so bedeutende Dimensionen annahm, dass wir dafür einen eigenen Mann in Rangoon stationierten. Wir wurden auf diese Weise zu sehr grossen und bedeutenden Reis-Kaufleuten. Die Arbeiter, die wir schickten, mussten alle durch das Chinese Protectorate legalisiert werden und waren ausserdem auf ihren Gesundheitszustand vor Expedierung genau zu untersuchen. Mich schauderts noch heute bei dem Gedanken, dass ich so häufig zusammen mit dem deutschen Arzt, Dr. Köhn, diese Massenuntersuchungen mitgemacht habe. In dem heissen Klima, den wenig sanitären Einrichtungen und den Ausdünstungen, welche die Leute verbreiteten, war das die unangenehmste Aufgabe, die man zu erfüllen hatte. Ich glaube, ich habe mir dadurch auch einmal die Ägyptische Augenkrankheit zugezogen, die mich wochenlang gequält hat und sehr schmerzhaft verlief. |9. Seite, 15, Vorderseite|
Unser Estates-Geschäft beschränkte sich im Anfang auf Sumatra und Borneo, wurde aber mit der Zeit immer grösser. Die Kolonialbewegung, welche Deutschland erfasst hatte, brachte es mit sich, dass auch Neuguinea und Ostafrika in den Bereich unserer Plantagengeschäfte gezogen wurden. Für Rechnung der Deutschen Ostafrika-Gesellschaft sandten wir verschiedentlich chinesische Arbeiter in bedeutender Anzahl, die in Singapore angeworben wurden, mit eigens dafür gemieteten Dampfern in unsere Kolonien, damit sie dort in ähnlicher Weise wie in Sumatra im Plantagenbau verwandt wurden. Nach Neuguinea wurde eine regelmässige Dampferlinie eingerichtet, und Singapore wurde dadurch gewissermassen zum Zentralpunkt für alle Bedürfnisse der Plantagengesellschaften unserer Kolonien.
…
Mij.. My.Maatschappij, Maatschappy (niederländisch)
BMABehn Meyer Archiv, Hamburg
BMABehn Meyer Archiv, HamburgBM&C, Sammlung Druck 1Firma Behn, Meyer & Co., Sammlung Druckschriften 1
Arnold Otto Meyer, HamburgDie Firma Arnold Otto Meyer in Hamburg wurde 1857 von dem in die Hansestadt zurückgekehrten Arnold Otto Meyer gegründet, der zuvor einige Jahre in dem von Theodor August Behn gemeinsam mit seinem älteren Bruder Valentin Lorenz Meyer etablierten Handelshaus Behn, Meyer & Co. in Singapur tätig gewesen war. Die neue Firma in Hamburg sollte die Interessen von Behn, Meyer & Co. in Deutschland und Europa wahrnehmen. Arnold Otto Meyer trug durch seine persönliche Präsenz in Hamburg maßgeblich dazu bei, dass die Firma Behn, Meyer & Co. mit ihren internationalen Verflechtungen die Weltwirtschaftskrise von 1857 weitgehend unbeschadet überstand, denn es gelang ihm, ihre Gläubiger in Hamburg, Bremen und London zu einem langfristigen Zahlungsaufschub zu bewegen. Da er im Sommer 1862 zur Überwindung der Krisenfolgen nochmals für einige Jahre nach Singapur zurückkehrte, spielte die von ihm gegründete Firma Arnold Otto Meyer zunächst nur eine untergeordnete Rolle. Das änderte sich, als Arnold Otto Meyer 1864 nach Hamburg zurückgekehrt war und die Geschicke der beiden Schwesterfirmen nun von Hamburg aus als deren führender Kopf zu lenken begann. Mit den anderen Teilhabern von Behn, Meyer & Co. in Singapur stand er in einem intensiven brieflichen Austausch. Als er sich zur Jahrhundertwende aus den beiden Schwesterfirmen zurückzog, um ihre Geschicke künftig nur noch als stiller Gesellschafter zu begleiten, übernahmen sein Sohn Eduard Lorenz Meyer, Adolf Laspe und Franz Heinrich Witthoefft die verantwortliche Leitung der Geschäfte. Unter ihrer Führung entwickelte sich die Firma Arnold Otto Meyer zur eigentlichen Schaltzentrale des Handelshauses Behn, Meyer & Co. in Singapur, das 1906 in eine Aktiengesellschaft britischen Rechts umgewandelt wurde und nun stark expandierte. Die Firma Arnold Otto Meyer selbst eröffnete vor dem Ersten Weltkrieg keine Niederlassungen in Ostasien, beteiligte sich aber an einigen Gesellschaften, so beispielsweise an dem 1910 gegründeten Straits und Sunda Syndikat, das in die Plantagenwirtschaft Südostasiens investierte. Vgl.
Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 1
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 2
;
Kleinsteuber, Merchants
.
Behn, Meyer & Co. (seit 1906: Ltd.), SingapurDas 1840 von Theodor August Behn und Valentin Lorenz Meyer gegründete Handelshaus Behn, Meyer & Co. in Singapur entfaltete eine rege Geschäftstätigkeit, vor allem in Südostasien, geriet 1857 jedoch in eine schwere Krise, die vor allem dank Arnold Otto Meyer, eines jüngeren Bruders von Valentin Lorenz Meyer, der seit 1851 zu den Teilhabern zählte und außerdem kurz zuvor eine eigene Firma Arnold Otto Meyer in Hamburg etabliert hatte, bewältigt werden konnte. In den 1880er und 1890er Jahren engagierte sich die Firma Behn, Meyer & Co. verstärkt im Schiffsgeschäft und übernahm die Vertretung namhafter Dampfschifffahrtsgesellschaften, darunter seit 1887 der Norddeutsche Lloyd in Bremen, seit 1890 die Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft in Hamburg und seit 1897 die Hamburg-Amerika-Linie in Hamburg. Treibende Kraft in diesem Geschäftsfeld war Franz Heinrich Witthoefft, der seit 1900 neben Eduard Lorenz Meyer und Adolf Laspe zu den drei Teilhabern zählte. 1891 wurde eine erste Niederlassung in Penang eröffnet, die sich dem Handel mit Zinn zuwandte. Im Jahr 1900 versuchte man auf den Philippinen Fuß zu fassen, 1901 wurde eine weitere Niederlassung in Sandakan (Britisch-Nordborneo) eröffnet, die zugleich als Agentur der Chartered Bank of India, Australia and China fungierte. 1906 wurde die Firma in eine britische Gesellschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt, die Behn, Meyer & Co. Ltd. mit Sitz in Singapur. Alleinige Aktionäre blieben die drei bisherigen Teilhaber, die sich künftig auf die Leitung der „Schaltzentrale“ Hamburg konzentrierten und sich in Singapur nicht länger auf Teilhaber, sondern auf angestellte Manager stützten. 1906 wurden zudem neue Niederlassungen in Cebu, Zamboanga und Ilo Ilo auf den Philippinen eröffnet sowie eine Beteiligung an der Singapore Rubber Company Ltd. in Singapur erworben, um am „Rubberboom“ partizipieren zu können. 1907 kam eine weitere Niederlassung in Bangkok (Siam) hinzu. Im Jahr darauf erfolgte die Übernahme der Handelsgesellschaft vorheen Helfferich & Rademacher mit Niederlassungen in Batavia, Surabaya, Telok Betong und Samarang in Niederländisch-Indien. 1913 gab es bei Behn, Meyer & Co. Ltd. mehr als einhundert europäische Angestellte. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam 1914 noch eine Niederlassung in Rangun (Britisch-Burma) hinzu. Vgl. ausführlich zur Unternehmensgeschichte, die aufgrund erhalten gebliebenen Überlieferungen eingehend untersucht werden kann:
Arnold Otto Meyer, Hamburg (Behn, Meyer & Co., Singapore, Penang, Manila und Sandokan)
;
Sieveking, Anfänge des Hauses Behn-Meyer & Co.
;
Sieveking, Behn-Meyer & Co.
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 1
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 2
;
Kleinsteuber, Merchants
;
Yacob, Trans-generational Renewal
;
Yacob, Rising of the Phoenix
;
Fiedler, Von Hamburg nach Singapur
.
H. C. Meyer jr., HamburgDie 1816 von Heinrich
Christian Meyer sen. gegründete Stuhlrohrfabrik galt bald als eine der modernsten
Fabrik Hamburgs, in der 1839 die
erste Dampfmaschine
der Hansestadt zum industriellen Einsatz kam. Nach dem frühen Tod des
Gründers wurde das Unternehmen von seinen Nachfahren, darunter seine Söhne
Heinrich Adolph
Meyer und Heinrich
Christian Meyer jun., fortgeführt und stieg zur größten Stuhlrohrfabrik der Welt
auf, mit eigenen Niederlassungen in Südostasien. Vgl.
Rednak, Geschichte der Firma H. C. Meyer
jr.
Rednak, „Meyer, Heinrich
Christian“
;
Rednak, „Meyer, Heinrich
Adolph“
.
Amsterdam-Deli Company
Deli Maatschappij, MedanDie Deli Maatschappij mit Sitz in Medan, die 1869 mit Beteiligung der Nederlandschen Handel-Maatschappij gegründet worden war, um eine Konzession des Sultanats Deli auf der Insel Sumatra zum Tabakanbau zu verwerten, entwickelte sich zu einem Plantagenkonzern, der um 1880 auf 120.000 Hektar etwa 20.000 chinesische Kulis beschäftigte. Der ehemals kleine Ort Medan wuchs dadurch zu einer großen Stadt heran. Zur Deli Maatschappij gehörten wahrscheinlich auch die Deli-Batavia Maatschappij und die Amsterdam-Deli Maatschappij in Medan. Vgl.
Allen/Donnithorne, Western Enterprise
, S. 97–99, 227f.;
Tate, Making of Modern South-East Asia, Bd. 2
, S. 72, 87, 114;
Jonker/Sluyterman, At Home on the World Markets
, S. 197, 211, 332.
Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft, BerlinDie Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft wurden auf Betreiben des Kolonisten Carl Peters (1856–1918) nach verschiedenen vorbereitenden Schritten im Februar 1887 in das Berliner Handelsregister eingetragen und war der Ausgangspunkt für die spätere Errichtung der Kolonie Deutsch-Ostafrika dar. Vgl.
Speitkamp, Die deutschen Kolonien in Afrika
.
Ostersehlte
, Christian: Der Reichspostdampferdienst des Norddeutschen Lloyd, in: Roder, Hartmut (Hg.), Bremen - Ostasien. Eine Beziehung im Wandel. 100 Jahre Ostasiatischer Verein Bremen, Bremen 2001, S. 215–220
Ostersehlte
, Reichspostdampferdienst
2001
Ostersehlte
, Christian: Der Liniendienst des Norddeutschen Lloyd nach Ostasien, in: Roder, Hartmut (Hg.), Bremen - Ostasien. Eine Beziehung im Wandel. 100 Jahre Ostasiatischer Verein Bremen, Bremen 2001, S. 223–226
Ostersehlte
, Liniendienst des Norddeutschen Lloyd
2001
Tregonning
, K. G.: A History of Modern Sabah (North Borneo 1881–1963) [zuerst: 1965], Kuala Lumpur 1967
Tregonning
, Modern Sabah
1967
YEN
Ching-Hwang: Coolies and Mandarins: China‛s Protection of Overseas Chinese During the Late Ch‛ing Period (1851–1911), Singapur 1985
YEN
, Coolies and Mandarins
1985
Regierung Deutschlands, Deutsches Reich (1871–1918)
Hamburg
Singapur, auch: Sincapore, Singapore
Britisch-Nordborneo [Territorium auf der Insel Borneo]Das im Nordosten der Insel Borneo gelegene Britisch-Nordborneo war von 1881 bis 1946 ein von der North Borneo Chartered Company verwaltetes britisches „Protektorat“, von 1942 bis 1946 japanisch besetzt, und von 1946 bis 1963 eine britische Kronkolonie. Schon 1865 hatte der Sultan von Brunei einen Pachtvertrag für die Region mit den USA abgeschlossen, der 1875 von dem deutschen Kaufmanns Gustav Overbeck übernommen wurde, 1881 jedoch in britische Hände bzw. die North Borneo Chartered Company überging.
Sumatra [Insel in Niederländisch-Indien]
Niederländisch-Indien; auch: holländisch Indien (heute: Indonesien)Gestützt auf die Vereenigde Oostindische Compagnie gelang es den Niederländern um 1600, sich sowohl gegenüber den konkurrierenden Portugiesen als auch gegenüber den verschiedenen Inselkönigreichen auf Java, Sumatra, Borneo, Celebes, Neuguinea und zahlreichen anderen Inseln Südostasiens sich als Kolonialherren durchzusetzen. Ausgehend von der Insel Java bauten sie ihre Kolonie Niederländisch-Indien immer weiter aus und behaupteten sie im frühen 19. Jahrhundert trotz zeitweiliger Abtretungen auch gegenüber den Briten. Erst 1949, nach der japanischen Besatzung und einem mehrjährigen, erbittert geführten Unabhängigkeitskampf, erlangte Indonesien schließlich seine staatliche Souveränität. Vgl.
Schulze, Geschichte Indonesiens
.
Europa; auch: Europe (englisch)
Sulu-Inseln [Inselgruppe nordöstlich von Borneo]; auch: Sulu-Archipel
Asahan [Region im Norden der Insel Sumatra]; auch: Assahan
Deli [Sultanat im Norden der Insel Sumatra]
Ostasien; auch: East Indies (englisch), Indien, Ostindien, „Osten“Der Begriff Ostasien wird in der vorliegenden Edition in einem ganz weiten Sinne verstanden als Klammer für diejenigen Weltregionen, die für deutsche Kaufleute im langen 19. Jahrhundert auf Segel- und Dampfschiffen durch Umrundung des Kaps der Guten Hoffnung an der Südspitze Südafrikas oder - seit 1869 - nach Durchfahren des Suezkanals über den Indischen Ozean oder durch Umrundung der Südspitze Südamerikas über den Pazifik erreichbar waren. In den historischen Quellen synonym verwendet werden die Begriffe Indien, Ostindien oder einfach „Osten“.
Kudat [Stadt in Britisch-Nordborneo]
Sandakan [Stadt in Britisch-Borneo]
Borneo [Insel in Südostasien, teils britisch, teils niederländisch beherrscht]
Brunei [Sultanat auf der Insel Borneo]
Deutschland; auch: Deutsches Kaiserreich, Deutsches ReichBis zur Gründung des Deutschen Reichs im Jahr 1871 kann von Deutschland nicht im Sinne eines Nationalstaates gesprochen werden. Doch in den Quellen wird der Begriff Deutschland auch zuvor häufig verwendet, wenn es den Urhebern nicht um eine Differenzierung zwischen den verschiedenen deutschen Teilstaaten ging.
Jolo [Insel des Sulu-Archipels nordöstlich von Borneo]; auch: Yolo
Brunei-Fluss [Fluss auf der Insel Borneo]
Belawan [Ort bzw. Stadt im Sultanat Deli auf der Insel Sumatra]; auch: Belawan-Deli, Dehli, Delhi, Deli-Stadt Belawan war ein im Sultanat Deli gelegener Ort an der Mündung des Flusses Deli in die Straße von Malakka, der in den 1890er Jahren zu einer wichtigen Hafenstadt an der Nordostküste der Insel Sumatra in Niederländisch-Indien ausgebaut wurde, um als Umschlagplatz für Tabak zu dienen, der seit den 1870er Jahren in Deli angebaut wurde. Heute gehört Belawan als Hafendistrikt zur Stadt Medan in Indonesien.
Deli [Fluss im Norden der Insel Sumatra]
Laboean [Ort auf der Insel Sumatra]
Medan [Ort bzw. Stadt im Sultanat Deli auf der Insel Sumatra]
Rangun [Stadt in British-Birma]; auch: Rangoon
Ostafrika
Witthoefft, Franz HeinrichFranz-Heinrich WitthoefftKaufmann, Wirtschaftsvertreter, Politiker13011735819.11.186306.07.1941Franz Heinrich Witthoefft absolvierte eine kaufmännische Lehre bei der Firma Arnold Otto Meyer in Hamburg und war von 1885 bis 1896 als leitender Angestellter für deren Schwesterfirma Behn, Meyer & Co. in Singapur tätig. 1896 stieg er zum Teilhaber des Unternehmens auf und blieb es bis 1905. Von 1900 bis 1941 war er zudem Teilhaber der Firma Arnold Otto Meyer in Hamburg und übernahm zahlreiche Ämter in Wirtschaft und Politik (u.a. als Aufsichtsratsvorsitzender der Commerz- und Privatbank, als Präses der Handelskammer Hamburg, als Präsidiumsmitglied des Hansa-Bundes für Gewerbe, Handel und Industrie, als Vorsitzender des Wirtschaftsrats der Hansestadt Hamburg, als Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft und im Senat der Hansestadt Hamburg). Ausführlicher zum beruflichen und politischen Wirken Witthoeffts:
Krause, „Witthoefft, Franz Heinrich“
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 1
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 2
.
Geloes, Count deCount de GeloesPlantagenverwalterDer aus Belgien stammende Count de Geloes war in den 1880er Jahren auf Borneo als Verwalter einer Tabakplantage tätig.
HerrmannHermannAngestellterHerrmann war in den 1880er Jahren leitender Mitarbeiter der Firma Herrings in Asahan auf Sumatra.
Versmann, ErnstErnst VersmannKaufmannErnst Versmann, Sohn des Hamburger Bürgermeisters Johannes Georg Andreas Versmann, nahm in den 1880er Jahren die Vertretung der Firma Behn, Meyer & Co. in Medan auf der Insel Sumatra wahr.
Teilhaber; auch: Ahsocié, Associé, Gesellschafter, Partner, Theilhaber, Theilnehmer
Angestellter; auch: Beamter (Privatbeamter), Employé
Vertreter, Vertretung; auch: agency (englisch), agent (englisch), Agent, Agentur, Alleinvertretung, Handelsagentur, representation (englisch), representative (englisch), Vertretungsgebiet, Vertretungsvertrag
Schiffsgeschäft; auch: Chartergeschäft, Charterung, shipping (englisch), VercharterungDer Begriff Schiffsgeschäft umschreibt das gewerbliche Vermieten von eigenen oder fremden, selbst angemieteten Schiffen an Dritte.
Dampfschiff; auch: Dampfbarkasse, Dampfboot, Dampfer, steamboat (englisch), steamer (englisch)
Tabak; auch: Rohtabak, Taback
Kontraktarbeiter; auch: gezwungene Arbeiter, indentured laborers (englisch)In den meisten von Regionen Ostasiens wurden Arbeitskräfte seit Mitte des 19. Jahrhunderts nicht mehr zur Arbeit als Lastenträger, auf Plantagen oder in Bergwerken gezwungen, sondern diese Arbeit beruhte formell auf einem von beiden Seiten freiwillig vereinbarten Arbeitsvertrag. In der Realtität sahen sich viele Chinesen, Inder und Angehörige anderer Ethnien jedoch gezwungen, Arbeitsverträge zu Bedingungen abzuschließen, die ausgesprochen niedrige Löhne, schlechte Arbeitsbedingungen und erhebliche Einschränkungen ihrer individuellen Freiheiten vorsahen. Die Lage chinesischer Kontraktarbeiter in den Zinnminen auf der Malayischen Halbinsel, die überwiegend von chinesischen Eigentümern betrieben wurden, erinnerten in vielem genauso an Zwangsarbeit wie die Lage einheimischer, chinesischer und indischer Plantagenarbeiter in Niederländisch-Indien. Vgl.
Allen/Donnithorne, Western Enterprise
, S. 149–164;
Tate, Making of Modern South-East Asia, Bd. 2
, S. 185–192. Die Arbeits- und Lebensbedingungen auf den von Europäern betriebenen Plantagen Sumatras in Niederländisch-Indien dokumentierte der deutsche Plantagenarzt Dr. Bernhard Hagen. Einige seiner erschütternden Fotografien finden sich in:
Agthe, Arm durch Reichtum
. Vgl. hierzu auch
Zangger, Koloniale Schweiz
, S. 186–195.
Plantage; auch: Cultur, Estates-Geschäft, Pflanzung, Plantagengeschäft, Plantagengesellschaft
Küstenschifffahrt; auch: Cabotage, coast shipping (englisch)
Rechnung; auch: account (englisch), Factur, Factura, Faktur
Reederei; auch: Rederei, Rhederei
Verlust; auch: loss (englisch), Verlustbeteiligung
Dampfschifffahrt; auch: Dampferlinie, Dampfschifffahrtsgesellschaft
Rohr; auch: Bambus, Stöcke, Stuhlrohr„Rohr“ ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene Rohrpflanzen, wie zum Beispiel Bambusrohr, Schilfrohr oder Zuckerrohr.
Briten; auch: British (englisch), Britons (englisch), Engländer, English (englisch), Englishmen (englisch)
Pflanzer; auch: Kautschukpflanzer, Tabakpflanzer, Zuckerpflanzer
Chinesen; auch: Chinese (englisch)
Holz; auch: Balken, Baumstamm, Bretter, Holtz, Holzlager, Holzmuster, Holzsplitter, Planken, Rinde, Sägemehl, Stamm
Sägewerk; auch: Bandsäge, Gatter, Kreissäge, Säge, Sägeblätter, Sägegatter
Konsul Österreichs bzw. Österreich-Ungarns
Kapitän; auch: Capitän, Capitain, captain (englisch), Kapitaen, Schiffscapitän
Geld; auch: Baares, Geldmittel, Kassa-System, money (englisch), Verkehrsmittel, Zahlungsmittel
Europäer, Europäerin; auch: Westländer
Verbrechen; auch: Verbrecher
Tod; auch: decapitation (englisch), Enthauptung, execution (englisch), Hinrichtung, Mord, Sterbefall, Todesfall, Todestag, Todestrafe
KrisDer aus dem Malayischen stammende Begriff „Kris“ bezeichnet einen Dolch, dessen lange Klinge asymmetrisch und schlangenförmig konturiert und spitz zulaufend ist.
HulkDer Begriff „Hulk“ bezeichnet ein außer Betrieb genommenes Schiff, das keinen eigenen Antrieb mehr besitzt.
Malayen; auch: Malaien, Malaier
Estates Department (englisch)In der Firma Behn, Meyer & Co. in Singapur wurde in den späten 1880er Jahren eigens ein „Estates Department“ eingerichtet, eine Abteilung zur Verwaltung von Plantagen.
Auswanderung; auch: Emigration
Arbeitsverhältnisse; auch: Arbeits- und Lebensbedingungen
Arzt; auch: Doctor, Doktor
Krankheit; auch: Ägyptische Augenkrankheit, Cholera, Gehirnerweichung, Gelbes Fieber, Hypochondrie, Malaria, Nervenkrankheit, Neurasthenie, Ruhr, Wahnvorstellungen