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Nr. 2.4.2.09

Franz Heinrich Witthoefft, Lebenserinnerungen, Auszug betr. die Gründung und stille Übernahme der Handelsgesellschaft Helfferich & Rademacher, o. O., o. D. [1938]

Erinnerungsbericht

Regest:

Franz Heinrich Witthoefft, seit den 1890er Jahren der führende Kopf und Manager der Schwesterfirmen Behn, Meyer & Co. in Singapur, Arnold Otto Meyer in Hamburg sowie seit 1906 auch Arnold Otto Meyer & Co. in London, schildert in seinen Lebenserinnerungen, wie er gemeinsam mit dem Norddeutschen Lloyd die von Emil Helfferich, Georg Rademacher und Albert Paulmann gegründete Handelsgesellschaft Helfferich & Rademacher in Batavia zu einer Aktiengesellschaft ausgebaut habe, die zum einen den Norddeutschen Lloyd in Batavia, Surabaya und Telok Betong vertreten, zum anderen das Produktengeschäft betreiben konnte. Weil sich die Firma nicht an die vereinbarten Richtlinien für das Geschäft gehalten habe, sei sie jedoch in Schwierigkeiten geraten und durch eine stille Liquidation von Behn, Meyer & Co. Ltd. in Singapur übernommen worden. Um Emil Helfferich eine Chance zur Bewährung seiner Fähigkeiten zu geben, den Witthoefft ganz offenkundig in erster Linie für das Abweichen von den Richtlinien verantwortlich macht, habe er - Witthoefft - das Straits und Sunda Syndikat ins Leben gerufen, eine Plantagengesellschaft, die inzwischen über ein Kapital von 2,5 Millionen Gulden verfüge und ein Areal von mehr als 13.000 Hektar verwalte.

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Nun war inzwischen in 1905 Herr Georg Rademacher, der sich mit Herrn Emil Helfferich zusammen in Telok Betong etabliert hatte, nach Hamburg gekommen, um zu versuchen, seine auf kleiner Basis arbeitende Firma zu vergrössern. Er wandte sich an mich, und da mir beide Leute gut gefielen, griff ich diesen Plan auf. Es war mir gelungen, den Norddeutschen Lloyd in die Java-Fahrt hineinzubringen, und dafür mussten gute Agenten gewonnen werden, die sich besonders für das Produktengeschäft interessieren sollten. Ich schlug daher dem Norddeutschen Lloyd vor, eine neue Firma in Java aufzumachen unter der Bezeichnung Handelsgesellschaft Helfferich & Rademacher, Batavia, Soerabaya, Telok Betong. Längere Verhandlungen führten zum Ziel, und 1. Juli 1907 ging das Geschäfts-Zirkular hinaus, nach welchem diese neue Firma mit fl. 600.000.– eingezahltem Kapital gegründet war, wovon die Hälfte durch den N. D. L. und durch meine Firma gezeichnet wurde.1 Herr Rademacher übernahm die Soerabaya-Niederlassung, und Herr Helfferich sollte das Geschäft in Batavia wahrnehmen, während Herr Paulmann, auch als verantwortlicher Teilhaber, in Telok Betong blieb.

Es wurden ganz genaue Richtlinien für die Führung des Geschäftes herausgegeben, die aber leider nicht beachtet wurden, und so kam es, dass eine Pfefferspekulation in so bedeutendem Masse eingeleitet wurde, dass daran diese neue Firma sofort nach ihrem Ins-Leben-Treten in Schwierigkeiten geriet.2 Da nun zu allem Überfluss im Herbst 1907 sich eine allgemeine Weltkrisis bemerkbar machte, wurde es zu einer Unmöglichkeit, die Firma durchzuhalten.3Ich ging daher im Oktober 1907 zusammen mit meiner Frau nach dem Osten hinaus, um alles wieder in‘s Lot zu bringen. Es blieb schliesslich nichts anderes übrig, als die Handelsgesellschaft Helfferich & Rademacher in aller Stille zu liquidieren und sie unter dem Namen Behn, Meyer & Co. Ltd. wieder aufleben zu lassen, was am 14. April 1908 geschah. Herr Rademacher wurde Leiter der neuen Firma in Soerabaya, und Herr Theodor Helfferich übernahm die Batavia-Filiale, während Herr Emil Helfferich ausschied. Um aber auch letzteren wiederum die Möglichkeit zu geben, seine Fähigkeiten entsprechend zu verwerten, rief ich das Straits und Sunda Syndikat in‘s Leben, das als G. m. b. H. zwar nur ein Kapital von Rm4 100.000.– hatte, wovon 25 % aufgezahlt wurden, während andererseits die einzelnen Teilhaber dieses Syndikats sich verpflichten mussten, mit einem mehrfachen ihrer Stammanteile als Kreditgeber für die neue Gesellschaft aufzutreten.5 Daraus entwickelte sich allmählich ein Pflanzungsbetrieb, der heute ein aufgezahltes Kapital von 2 1/2 Millionen Gulden besitzt. Ende 1936 hatte diese Gesellschaft einen Pflanzungsareal von 4.419 ha; davon entfielen auf Tee 2.300 ha und auf Kautschuk 1.811 ha, während Kaffee, Pfeffer und diverse Kulturen den übrigen Teil darstellten. In vollem Ertrag standen Ende 1936 3.580 ha. Gleichzeitig aber verwaltete diese Gesellschaft auch fremde Unternehmungen mit einem Pflanzungsareal von insgesamt 8.763 ha. Sie war zudem zugeschnitten auf den Betrieb von Bankgeschäften jeder Art, was sich in den Zeiten des grossen Krieges als sehr nützlich erweisen sollte.

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