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Der Kriegsausbruch kam für die Deutschen in Niederl.Indien überraschend. Irgendeine vorherige Warnung war vorher nicht erfolgt und man stand plötzlich und unvorbereitet einer ganz neuen Lage gegenüber.
Leiter von Behn Meyer & Co. Ltd. in Niederl.Indien war damals Georg Rademacher mit Sitz in Soerabaya. Die Niederlassung in Batavia unterstand Theodor Helfferich, in Semarang Rudolf Heitmann und in Telok Betong (Süd-Sumatra) Otto Kellermann, alle drei Prokuristen. Emil Helfferich, der Direktor des Straits und Sunda Syndikat’s war kurz vor Kriegsausbruch aus Europa zurückgekehrt.
Als am 4. August 1914 der Krieg ausbrach, wurden verantwortungsvolle Aufgaben auf die Schultern der Leitung von Behn Meyer & Co. Ltd. gelegt, insbesondere auf die Schultern Georg Rademachers und Theodor Helfferichs. Ersterer war zugleich Deutscher Konsul in Soerabaya, letzterer Vertrauensmann des Deutschen Generalkonsulats in Batavia, das in Abwesenheit des Generalkonsuls, der in Deutschland weilte, durch einen Vizekonsul verwaltet wurde. Insbesondere Theodor Helfferich wurde von Reichsseite stark in Anspruch genommen, da Batavia schliesslich das Zentrum war und von dort aus Weisungen an die deutschen Schiffe usw. ergehen mussten. Es ist hier nicht der Platz, um die Verdienste Theodor Helfferichs und Georg Rademachers im Einzelnen herauszustellen. Sie sind den zuständigen Stellen bekannt und später durch Verleihung des EK II am schwarzweissen Bande anerkannt worden. Nur kann gesagt werden, dass die Firma durch ihre Leiter und ihre Einrichtungen dem Reich in der schweren Zeit des Weltkrieges sehr wertvolle Dienste geleistet hat.
Die Firma selbst kam durch den Kriegsausbruch in|2. Blatt, Vorderseite| eine merkwürdige Situation. Sie war eine englische Aktiengesellschaft mit dem Sitz in Singapore. Die Niederlassungen in Niederl.-Indien waren Filialen des englischen Singapore-Hauses, denen das Singapore-Haus ein Kapital von Hfl. 600.000.– zur Verfügung gestellt hatte. Ausser dem Kapitalkonto bestand auch noch eine laufende Rechnung mit Singapore. Da die Engländer die Singapore-Firma und auch die für Rechnung der deutschen Beteiligten in Singapore liegenden sämtlichen Aktien beschlagnahmten, bestand die Gefahr, dass die Engländer nun auch nach Java übergreifen und sich der Aktiven von Behn Meyer & Co. Ltd. auf Java bemächtigen würden.
Dies musste unbedingt vermieden werden. Nach eingehender Beratung mit Georg Rademacher wurde daher am 16. Dezember 1914 durch Theodor und Emil Helfferich die Naamlooze Vennootschap Behn Meyer & Co. Handel Maatschappy, eine Aktiengesellschaft nach niederl.indischem Recht, mit dem Sitz in Batavia gegründet. Das Kapital der neuen Gesellschaft betrug fl. 1.000.000.–, worauf 50 % bei der Gründung eingezahlt wurden. Direktoren der Gesellschaft waren Georg Rademacher und Theodor Helfferich, Commissaris Emil Helfferich. Die neue Gesellschaft wurde weiterhin zum Träger der Tradition und der Geschäfte der alten Firma.
Die Macht des seebeherrschenden Englands und die Gefügigkeit der Holländer führten bald dazu, dass die geschäftliche Tätigkeit der deutschen Firmen, wenigstens in der bisherigen Weise, lahmgelegt wurde. Zu Anfang, als das ostasiatische Kreuzergeschwader noch bestand, hegten die Deutschen immer noch Hoffnungen, zumal die kriegerischen Ereignisse in Europa glücklich für uns verliefen und man allgemein mit einem kurzen Krieg rechnete. Neuen Impuls|3. Blatt, Vorderseite| bekamen diese Regungen durch die glänzenden Taten der „Emden“ in der unmittelbaren Nachbarschaft. Als aber die „Emden“ vor den Cocosinseln ihr heldenhaftes Ende fand, und das Kreuzergeschwader, an das die Deutschen Niederl.-Indiens so manche schöne Erinnerungen verband, bei den Falklandinseln versank, legte sich ein Schatten über die deutsche Kolonie im niederl.-indischen Inselbereich und allen wurde bewusst, dass der Krieg lange und hart sein würde, auch für die Deutschen fern der Heimat.
Mit einer tiefen, edlen Begeisterung hatten sie sich alle bei Kriegsausbruch dem Vaterland zur Verfügung gestellt. Aber die Konsulate mussten die sich in grosser Zahl meldenden Deutschen enttäuschen. Der Weg nach Deutschland und auch nach Tsingtau war gesperrt. Die Engländer hielten alle Schiffe an und holten die Deutschen herunter. Trotzdem ist es einer ganzen Anzahl junger Deutscher geglückt, sich mit Mut und List nach Deutschland durchzuschlagen. Auch Behn Meyer Leute waren darunter: Hans Bulle, der erst nach zweimaligem Versuch nach Deutschland durchkam und dann tapfer in vorderster Front gekämpft hat, und Albrecht Lorenz-Meyer, der Enkel des alten Arnold Otto Meyer, der zusammen mit seinem Freund Wachsmuth von Singapore nach Batavia gekommen war. Wachsmuth ist später gefallen. Auch der junge Schmülders, der Angestellter in Batavia war und nach Deutschland zurückkerhte, fiel auf dem Felde der Ehre und ebenso ist bald nach Kriegsausbruch nachträglich handschriftlich ersetzt durch: „noch kurz vor Kriegsschluß“ der frühere Batavia-Leiter Karl Möller, der zuletzt in Hamburg arbeitete, gefallen.
Aus den Straits und auch aus Vorderindien kamen verschiedene Deutsche nach Java. Sie wurden teils in Westjava und Ostjava in Berghotels untergebracht. Dazu gesellten sich|4. Blatt, Vorderseite| Speidel-Leute aus Saigon und schliesslich noch die Deutschen, die im Februar 1915 während der Meuterei in Singapore aus dem Internierungslager ausgebrochen waren, darunter August Diehn und Adolf Schönberg, beides Direktoren von Behn Meyer & Co., Singapore. Robert Schubert von Penang war schon früher herüber gekommen.
In vorbildlicher Weise sorgte die Firma auf Java für die flüchtigen und stellungslosen Angehörigen der Straitshäuser. In gleicher Weise war sie der Heimathafen für die deutschen Schiffe. Die Agentur des Norddeutschen Lloyd lag ja bei Behn Meyer & Co., aber [nachträglich maschinenschriftlich ergänzt: : auch] die Kapitäne der anderen deutschen Linien, deren Vertretung bei holländischen Häusern lag, wandten sich an Behn Meyer & Co., deren Kontor das Zentrum für alle Schiffahrtsfragen wurde.
Die Schiffahrtsfragen wurden immer schwieriger. 21 deutsche Schiffe hatten sich in die niederl.indischen Häfen geflüchtet. Alle Arten von Schiffen waren darunter vertreten, vom kleinsten Küstendampfer bis zu Reichspostdampfer, sämtliche Linien: Nordd. Lloyd, Hapag, Deutsch Austral. Dampf. Gesellschaft und Hansa. Alle Schiffe mussten finanziert werden. Für die Zahlung der Gagen bestand keine einheitliche Regelung, wie auch jedes einheitliche Kommando fehlte. Schiffsleute sind eigenartig und schwierig. Neben dem Generalkonsulat waren es Behn Meyer & Co., die hier helfend, beratend und ordnend eingriffen. Die Finanzierung der N. D. L. Schiffe wurde schliesslich dadurch sichergestellt, dass die für Australien bestimmte Ladung der „Roon“ in öffentlicher Auktion in Batavia, Semarang und Soerabaya verkauft und der Erlös für die Schiffe verwandt wurde. Auch an der Unterbringung der Schiffsbesatzungen an Land zu Erholungszwecken haben|5. Blatt, Vorderseite| sich Behn Meyer & Co. von Anfang an beteiligt.
Das Gemeinschaftsgefühl der Deutschen in Niederl.-Indien kam beim Ausbruch des Krieges stark zum Durchbruch. Hatte bisher in nationaler Hinsicht eine gewisse Lauheit geherrscht, die nur durch kurze patriotische Wellen anlässlich eines Kriegsschiffsbesuches oder Kaisers Geburtstag unterbrochen wurde, war man bisher mehr nebeneinander als miteinander gegangen, war man bisher als Deutscher Draussen niemals auf die grosse Probe gestellt worden, – jetzt wurde das anders und man kann mit Stolz sagen, dass die Deutschen in Niederl.-Indien diese Probe glänzend bestanden haben.
Am 27. Januar 1915 wurde in Batavia der „Deutsche Bund in Niederl.-Indien“ gegründet, der die gesamte deutsche Kolonie draussen umfassen sollte und gleich darauf Abteilungen in Soerabaya, Makassar und Bandjermassin errichtete, während der deutsche Verein in Medan (Sumatra) geschlossen dem Deutschen Bund beitrat. Der Deutsche Bund gab eine eigene Zeitschrift „Deutsche Wacht“ heraus, die kürzlich ihr 25jähriges Bestehen begehen konnte und die ein festes geistiges Band um alle Deutschen schlang.
Sowohl bei der Errichtung des Deutschen Bundes als auch bei der Durchführung der Aufgaben des deutschen Unterstützungskommittees und der Sammlung des Deutschen Roten Kreuzes haben sich Behn Meyer & Co., oder die leitenden Herren der Firma, tatkräftig beteiligt. Georg Rademacher war Vorsitzender des Deutschen Vereins und der Abteilung des Deutschen Bundes in Soerabaya, Theodor Helfferich, Vorsitzender des in 1866 gegründeten Deutschen Turnvereins in Batavia und seiner besonderen Betreuung unterstanden die Kriegsgefangenen-Angehörigen des Ostasiatischen Kreuzgeschwaders in Australien,|6. Blatt, Vorderseite| auf Malta und in England.
In Ostasien und Südostasien sind die grossen deutschen Handelshäuser und Unternehmen schon in Friedenszeiten die starken Träger der deutschen Kolonie. Und noch mehr waren sie das in der Kriegszeit, insbesondere Behn Meyer & Co. und das diesem Hause nahestehende Straits und Sunda Syndikat haben sich in schwerer Zeit als Hort des Deutschtums im Niederl.-Indien gezeigt. Ihre Leiter pflegten auch gute persönliche Beziehungen zu führenden holländischen Kreisen und der Achtung, die sie in diesen Kreisen genossen, ist es zu verdanken, dass insbesondere die Javasche Bank, die niederl.-Indische Notenbank, den deutschen Firmen und Unternehmen während des Weltkrieges trotz englischer Drohungen weitgehende finanzielle Unterstützung gewährte. Die Engländer führten den Handelskrieg mit der schärfsten Waffe, mit der „Schwarzen Liste“. Die Schwarze Liste legte den davon Betroffenen geschäftlich völlig lahm. Sie wirkte sogar noch über den Tod hinaus: Als der allgewaltige Englische Generalkonsul Beckett in Batavia während des Weltkrieges das Zeitliche segnete, hatte er das grösste Begräbnis, das Batavia jemals gesehen hat; denn hinter seinem Sarge schritten in einem endlosen Zug alle die biederen holländischen und chinesischen Kaufleute, die nicht gern auf die Schwarze Liste kommen wollten.
Behn Meyer & Co. standen aber wie jede anständige deutsche Firma auf dieser Liste. Sie wurde zur Auszeichnung für die Tüchtigen. Denn trotz der Schwarzen Liste wurden noch Geschäfte gemacht, wenn es auch manchmal Kettenhandel war und über Wege und Stege ging, die man sonst gemieden hätte. Auf einen Schelm anderthalben! galt es auch hier. Als neuen Zweig nahmen Behn Meyer & Co. mit Erfolg gegen Ende des Krieges in|8. Blatt, Vorderseite| getarnter Form das Zuckergeschäft auf.
Wie wenig sich die Deutschen unterkriegen liessen, zeigte die Gründung der deutschen „Ostindischen Produktenbank“ in Batavia im April 1917. Ueber die Gründung dieses Unternehmens heißt es in der April-Nummer 1917 der „Deutschen Wacht“:
„Oost-Indische Producten-Bank N. V. Batavia. Durch ein Komitee, dem die Vertreter deutscher und österreichischer Produktenfirmen in Niederl.-Indien angehören, ist in der ersten Hälfte des April ein Prospekt zur Errichtung einer Aktiengesellschaft unter dem Namen Oost-Indische Producten-Bank herausgegeben worden.
In einer Zeit, wo der Handel mit Europa lahm gelegt ist und infolgedessen in der Kolonie eine Anhäufung von Exportprodukten stattfindet, sieht die zu gründende Bank ihre Aufgabe darin, unter Ausnützung günstiger Marktverhältnisse hier ihre Hand auf grosse Produktenmengen zu legen und zwar auf solche Produkte, deren die Zentralmächte nach Friedensschluss dringend bedürfen. Das Vorhandensein einer grossen Leertonnage [nachträglich maschinenschriftlich ergänzt: der] in den niederl.indischen Häfen liegenden deutschen und österreichischen Schiffe sollte nach Friedensschluss den raschen Abtransport der eingelagerten Produktmengen ermöglichen.
Das Kapital der Bank beträft Fl. 2.500.000.– nominal in Abschnitten von Fl. 500.– . Zur Ausgabe gelangen zunächst Fl. 750.000.– . Der Zeichnungstermin schliesst für Java am 15. Mai und für die Aussenbesitzungen am 31. Mai ds. Js. Die Leitung der Bank übernimmt Herr F. W. Speidel als Direktor mit den Herren H. Prescher und C. Daumiller als Mitarbeiter.
Vaterlandsliebe und gesunder Geschäftsgeist haben sich bei der Gründung dieses Unternehmens zusammengefunden. Seine Zeitmässigkeit und Bedeutung ist von der holländischen Presse hierzulande gewürdigt worden. Wir wünschen dem Unternehmen vollen Erfolg und geben der Hoffnung Ausdruck, dass die Oost-Indische Produkten-Bank auch nach Erledigung ihrer Kriegsaufgabe weiterbestehen und dann ein noch weiteres Feld für ihre Tätigkeit finden möge.“|9. Blatt, Vorderseite|
Das zunächst zur Ausgabe gelangte Kapital der neuen Bank wurde voll gezeichnet. Die Leiter der Bank waren frühere Teilhaber der Firma Speidel & Co., Saigon. Dem Aufsichtsrat und insbesondere dem kleinen Aktionsausschuss gehörte Georg Rademacher von Behn Meyer & Co. an. – Vorsitzender war Emil Helfferich.
Die Bank nahm sofort die Verbindung mit Arnold Otto Meyer in Hamburg auf. Ein junger Holländer, der über Amerika nach Europa reiste, machte den Blockadebrecher. In Hamburg bildete sich unter Führung von Arnold Otto Meyer ein Produkten-Syndikat, das die nötigen Kredite arrangierte und feste Aufträge nach Java legte. Die Korrespondenz zwischen Hamburg und Java wurde mit unsichtbarer Tinte oder sympathischer Tinte, wie der passende technische Ausdruck lautet, geführt. Für Telegramme waren Deckadressen hüben und drüben vereinbart worden und die meisterhaft ausgearbeiteten Codes, die ganz unverfängliche Worte und Sätze enthielten, hatte der Blockadebrecher von Java mitgenommen. Der Verkehr funktioniert ausgezeichnet. Der grosse Original-Auftrag des Hamburger Syndikats (Es handelte sich dabei um einen Millionen-Auftrag auf Zinn, Kautschuk und Tabak u. a.) wurde auf einen schmalen Film photographiert und der Film in das Futter des Etuis eines Opernglases eingenäht. Eines Tages meldete sich bei Emil Helfferich in Batavia ein stämmiger holländischer Maat des gerade am Tage vorher aus Europa eingelaufenen holländischen Kriegsschiffes „Hertog Hendrik“ „Sind Sie Herr Helfferich?“ fragte er auf holländisch. „Jawohl“. „So, dann habe ich Ihnen ein kleines Geschenk aus Holland mitgebracht. Ein Bekannter von Ihnen hat es mir mitgegeben.“ und überreichte das Etui mit dem Opernglas. „Danke“. Dem|10. Blatt, Vorderseite| Empfänger war die Sache nicht ganz geheuer und nach genauer Untersuchung fand er denn unter dem Futter verborgen den wertvollen Film.
Die Ostindische Produktenbank hat gut gearbeitet und wenn sie nach Kriegsende nicht voll zum Tragen kam, so lag dies an gewissen Stellen in der Heimat, die insbesondere die Aufträge von Coprah und Cocosoel an eine halb-holländische und heute ganz holländische Firma leiteten, die sich von den Deutschen draussen möglichst fern gehalten hatte. Das war eine der Enttäuschungen, welche die Auslandsdeutschen damals an ihrem Vaterlande erlebten. Auch die Hoffnung, dass die Ostindische Produktenbank nach dem Kriege als Einkäuferin für Deutschland bestehen würde, erfüllte sich mangels Unterstützung und Verständnisses zuhause nicht. Sie wurde liquidiert, nachdem sie ihren Aktionären eine normale Verzinsung ihres Kapitals – keinen Kriegsgewinn – gebracht hatte.
Trotz aller Bedrängnis gelang es sowohl Behn Meyer & Co. sowie das dieser Firma nahestehende Straits & Sunda Syndikat mit seinen Pflanzungen und die dem Syndikat angegliederte und unter Leitung von M. Loebell stehende Oelmühle in Soerabaya durchzuhalten und zwar nicht zuletzt dank dem vertrauensvollen Zusammenarbeiten der verantwortlichen Männer. Sie waren alle auf sich selbst gestellt, sie mussten selbst ihre Entscheidungen treffen und haben einander geholfen, wo es nötig war.
Als im April 1919 die Schwarze Liste aufgehoben wurde, kam auch für die deutschen Firmen Unternehmen wieder ein starker Ruck nach oben und alle gingen schliesslich|11. Blatt, Vorderseite| in guter Verfassung aus dem Weltkrieg hervor. Wie sie war das gesamte Deutschtum in Niederl.-Indien durch die Nöte des Krieges nicht kleiner sondern grösser und geschlossener geworden. Und ungebrochen durch den verlorenen Krieg ging man mit neuer Kraft wieder an die Arbeit.
bezw., bzw.beziehungsweise
niederl.niederländisch
u. s. w., usw., & s. w.und so weiter
Nordd.Norddeutsch
Austral.Australisch
d. J., d Js, d. Js., ds. Js.dieses Jahres
u. a., u. A., U. A.unter anderem, unter anderen
BMABehn Meyer Archiv, Hamburg
BMABehn Meyer Archiv, HamburgBM&C, Sammlung Druck 1Firma Behn, Meyer & Co., Sammlung Druckschriften 1
Arnold Otto Meyer, HamburgDie Firma Arnold Otto Meyer in Hamburg wurde 1857 von dem in die Hansestadt zurückgekehrten Arnold Otto Meyer gegründet, der zuvor einige Jahre in dem von Theodor August Behn gemeinsam mit seinem älteren Bruder Valentin Lorenz Meyer etablierten Handelshaus Behn, Meyer & Co. in Singapur tätig gewesen war. Die neue Firma in Hamburg sollte die Interessen von Behn, Meyer & Co. in Deutschland und Europa wahrnehmen. Arnold Otto Meyer trug durch seine persönliche Präsenz in Hamburg maßgeblich dazu bei, dass die Firma Behn, Meyer & Co. mit ihren internationalen Verflechtungen die Weltwirtschaftskrise von 1857 weitgehend unbeschadet überstand, denn es gelang ihm, ihre Gläubiger in Hamburg, Bremen und London zu einem langfristigen Zahlungsaufschub zu bewegen. Da er im Sommer 1862 zur Überwindung der Krisenfolgen nochmals für einige Jahre nach Singapur zurückkehrte, spielte die von ihm gegründete Firma Arnold Otto Meyer zunächst nur eine untergeordnete Rolle. Das änderte sich, als Arnold Otto Meyer 1864 nach Hamburg zurückgekehrt war und die Geschicke der beiden Schwesterfirmen nun von Hamburg aus als deren führender Kopf zu lenken begann. Mit den anderen Teilhabern von Behn, Meyer & Co. in Singapur stand er in einem intensiven brieflichen Austausch. Als er sich zur Jahrhundertwende aus den beiden Schwesterfirmen zurückzog, um ihre Geschicke künftig nur noch als stiller Gesellschafter zu begleiten, übernahmen sein Sohn Eduard Lorenz Meyer, Adolf Laspe und Franz Heinrich Witthoefft die verantwortliche Leitung der Geschäfte. Unter ihrer Führung entwickelte sich die Firma Arnold Otto Meyer zur eigentlichen Schaltzentrale des Handelshauses Behn, Meyer & Co. in Singapur, das 1906 in eine Aktiengesellschaft britischen Rechts umgewandelt wurde und nun stark expandierte. Die Firma Arnold Otto Meyer selbst eröffnete vor dem Ersten Weltkrieg keine Niederlassungen in Ostasien, beteiligte sich aber an einigen Gesellschaften, so beispielsweise an dem 1910 gegründeten Straits und Sunda Syndikat, das in die Plantagenwirtschaft Südostasiens investierte. Vgl.
Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 1
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 2
;
Kleinsteuber, Merchants
.
Behn, Meyer & Co. (seit 1906: Ltd.), SingapurDas 1840 von Theodor August Behn und Valentin Lorenz Meyer gegründete Handelshaus Behn, Meyer & Co. in Singapur entfaltete eine rege Geschäftstätigkeit, vor allem in Südostasien, geriet 1857 jedoch in eine schwere Krise, die vor allem dank Arnold Otto Meyer, eines jüngeren Bruders von Valentin Lorenz Meyer, der seit 1851 zu den Teilhabern zählte und außerdem kurz zuvor eine eigene Firma Arnold Otto Meyer in Hamburg etabliert hatte, bewältigt werden konnte. In den 1880er und 1890er Jahren engagierte sich die Firma Behn, Meyer & Co. verstärkt im Schiffsgeschäft und übernahm die Vertretung namhafter Dampfschifffahrtsgesellschaften, darunter seit 1887 der Norddeutsche Lloyd in Bremen, seit 1890 die Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft in Hamburg und seit 1897 die Hamburg-Amerika-Linie in Hamburg. Treibende Kraft in diesem Geschäftsfeld war Franz Heinrich Witthoefft, der seit 1900 neben Eduard Lorenz Meyer und Adolf Laspe zu den drei Teilhabern zählte. 1891 wurde eine erste Niederlassung in Penang eröffnet, die sich dem Handel mit Zinn zuwandte. Im Jahr 1900 versuchte man auf den Philippinen Fuß zu fassen, 1901 wurde eine weitere Niederlassung in Sandakan (Britisch-Nordborneo) eröffnet, die zugleich als Agentur der Chartered Bank of India, Australia and China fungierte. 1906 wurde die Firma in eine britische Gesellschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt, die Behn, Meyer & Co. Ltd. mit Sitz in Singapur. Alleinige Aktionäre blieben die drei bisherigen Teilhaber, die sich künftig auf die Leitung der „Schaltzentrale“ Hamburg konzentrierten und sich in Singapur nicht länger auf Teilhaber, sondern auf angestellte Manager stützten. 1906 wurden zudem neue Niederlassungen in Cebu, Zamboanga und Ilo Ilo auf den Philippinen eröffnet sowie eine Beteiligung an der Singapore Rubber Company Ltd. in Singapur erworben, um am „Rubberboom“ partizipieren zu können. 1907 kam eine weitere Niederlassung in Bangkok (Siam) hinzu. Im Jahr darauf erfolgte die Übernahme der Handelsgesellschaft vorheen Helfferich & Rademacher mit Niederlassungen in Batavia, Surabaya, Telok Betong und Samarang in Niederländisch-Indien. 1913 gab es bei Behn, Meyer & Co. Ltd. mehr als einhundert europäische Angestellte. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam 1914 noch eine Niederlassung in Rangun (Britisch-Burma) hinzu. Vgl. ausführlich zur Unternehmensgeschichte, die aufgrund erhalten gebliebenen Überlieferungen eingehend untersucht werden kann:
Arnold Otto Meyer, Hamburg (Behn, Meyer & Co., Singapore, Penang, Manila und Sandokan)
;
Sieveking, Anfänge des Hauses Behn-Meyer & Co.
;
Sieveking, Behn-Meyer & Co.
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 1
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 2
;
Kleinsteuber, Merchants
;
Yacob, Trans-generational Renewal
;
Yacob, Rising of the Phoenix
;
Fiedler, Von Hamburg nach Singapur
.
N. V. Behn, Meyer & Co. Handel Maatschappy, BataviaUnmittelbar nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs gründeten Emil Helfferich und Theodor Helfferich die N. V. Behn, Meyer & Co. Maatschappij in Batavia, um die in Niederländisch-Indien gelegenen Niederlassungen des Handelshauses Behn, Meyer & Co. Ltd. in Singapur, das bereits beschlagnahmt worden war, vor dem potenziellen Zugriff der Briten zu schützen. Vgl.
Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 2
, S. 142–144.
Oost-Indische Producten-Bank N. V., BataviaDie im April 1917 auf Initiative von Emil Helfferich gegründete Oost-Indische Producten-Bank in Batavia hatte es sich zum Ziel gesetzt, möglichst viele der während des Krieges infolge britischer Sanktionen nicht zu exportierenden Landesprodukte, für die nach Kriegsende wahrscheinlich große Nachfrage bestehen würde, aufzukaufen und einzulagern. Vgl.
Helfferich, Ein Leben
, S. 309–311.
Speidel & Co., SaigonDie Firma Speidel & Co. in Saigon war 1862 von den Brüdern Friedrich Wilhelm und Karl Theodor Speidel gegründet worden und konnte sich rasch als ein bedeutendes Handelshaus in Französisch-Indochina etablieren. Vgl.
Becker, France and Germany
, passim.
Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (HAPAG), Hamburg; auch: Hamburg-Amerika-Linie (HAL)Zur Unternehmensgeschichte der 1847 gegründeten HAPAG in Hamburg, die sich zunächst der Transatlantikfahrt zuwandte, ihre Schiffe dann aber auch in der Ostasien- und Australienfahrt einsetzte und sich unter der Leitung ihres Generaldirektor Albert Ballin seit der Jahrhundertwende zu einer der größten Dampfschifffahrtsgesellschaften der Welt entwickelte. Ballin stützte sich u.a. auf ein „Literarisches Bureau“, in dem umfassend und systematisch Informationen über die weltweite Schiffahrt gesammelt und aufbereitet wurden. Vgl.
Witthöft, HAPAG
;
Witthöft, Hapag-Lloyd
,
Seiler, Ostasienfahrt
;
Seiler, Australienfahrt
;
Ritter, Der Kaiser und sein Reeder
;
Wiborg/Wiborg, Unser Feld ist die Welt
.
Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft (DADG), HamburgDie 1888 als Aktiengesellschaft gegründete Deutsch-Australische Dampfschiffs-Gesellschaft verkehrte von 1899 bis 1914 regelmäßig zwischen Hamburg und Australien und entwickelte sich in dieser Zeit zur fünftgrößten deutschen Reederei. An ihrer Gründung waren Kaufleute und Reeder aus Hamburg ebenso beteiligt wie die Deutsche Bank in Berlin. Hauptmotiv der Gründungsinitiatoren war die Einstellung der einzigen, zuvor von Robert M. Sloman & Co. betriebenen Dampferlinie von Hamburg nach Australien. Seit 1891 nutzte die DADG aus Kostengründen nicht mehr den Suezkanal, sondern bezog afrikanische Häfen in ihre Route ein, die nun um das Kap der Guten Hoffnung herum führte. Die Vertretung der Gesellschaft in Singapur übernahm die Firma Behn, Meyer & Co., die auch davon profitierte, dass sie die von der DADG mitgebrachte Bunkerkohle an andere Reedereien verkaufen konnte. Vgl.
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 2
, S. 48, 86f., 122;
Kludas, Passagierschiffahrt, Bd. 1
, S. 180–182;
Seiler, Australienfahrt
, S. 62.
Deutsche Dampfschiffahrts-Gesellschaft Hansa (DDG Hansa), BremenDie DDG Hansa wurde 1881 von mehreren Bremer Kaufleuten gegründet, nachdem der Bremer Senat den Bau eines Seehafens und die Korrektion der Weser beschlossen hatte. Mit der 1888 ins Leben gerufenen „Asiatischen Linie“ – ein Schwesterunternehmen der DDG Hansa – wurde ein Jahr später der direkte Dampferverkehr nach Britisch-Indien aufgenommen, zunächst allerdings von Hamburg aus, weil die Weserkorrektion erst später vollendet werden konnte. Die Linie führte von Hamburg mit Zwischenhalten in Antwerpen und verschiedenen englischen Häfen über Colombo auf Ceylon bis nach Kalkutta. Ziel der Bremer Kaufleute war die Ausschaltung des britischen Zwischenhandels und die Erschließung neuer Märkte für Baumwolle, Reis und Jute. Trotz massiven Widerstrebens der Peninsular & Oriental Steam Navigation Company, die auf Preisdumping setzte, konnte sich die „Asiatische Linie“ behaupten. 1894 fusionierte sie mit dem Mutterhaus, das inzwischen ebenfalls eine Linie nach Karachi und Bombay eingerichtet hatte, die gewinnbringend betrieben werden konnten. Die DDG Hansa entwickelte sich bis zur Jahrhundertwende zur wichtigsten deutschen Reederei für Fahrten nach Britisch-Indien. Nach 1900 setzte ihr die Konkurrenz durch die britische Peninsular & Oriental Steam Navigation Company wie die deutsche HAPAG allerdings immer mehr zu. Es kam schließlich zu einer wettbewerbsbeschränkenden Verständigung, derzufolge die DDG Hansa gemeinsam mit anderen Reedereien weiterhin einen globalen Liniendienst anbieten konnte, der auch Niederländisch-Indien, Australien und Neuseeland umfasste. Vgl.
Roder, „Asiatische Linie“
.
De Javasche Bank, BataviaDie 1828 gegründete Javasche Bank mit Sitz in Batavia war von erheblicher Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung Niederländisch-Indiens. Als zentrale Notenbank mit Geschäftsbankfunktion schuf sie die Voraussetzungen dafür, dass Handel und Gewerbe sich nicht länger wechselseitig Kredit einräumen mussten, was infolge der bestehenden Informationsdefizite mit erheblichen Ausfallrisiken verbunden gewesen war. Das Gründungskapital der Bank in Höhe von 1 Millionen fl. wurde zur Hälfte von der niederländischen Regierung, in Höhe von 150.000 fl. von der Nederlandschen Handel-Maatschappij, ansonsten von privaten Handelshäusern aufgebracht. Vgl.
De Bree, Javasche Bank
, Bd. 1, S. 174f., 200f., 205–208; 213f.
Mansvelt, Nederlandsche Handel-Maatschappij
, Bd. 1, S. 191f.;
Claver, Dutch Commerce
, S. 30–33.
Brown
, Edwin A./
Brown
, Mary: Singapore Mutiny. A Colonial Couple‛s Stirring Account of Combat and Survival in the 1915 Singapore Mutiny, Singapur 2015
Brown/Brown
, Singapore Mutiny
2015
Militär, deutsches
Deutscher Bund in Niederländisch-IndienDer Deutsche Bund in Niederländisch-Indien wurde auf Initiative von Emil Helfferich am 27. Januar 1915 in Batavia gegründet, um einer gegenüber Deutschland und den Deutschen in Niederländisch-Indien zunehmend kritischen Stimmung entgegen zu treten. Vgl.
Helfferich, Ein Leben
, S. 277f.
Generalkonsulat des Deutschen Reichs
Regierung Deutschlands, Deutsches Reich (1871–1918)
Marine, deutsche
Konsulat des Deutschen Reichs
Deutscher Verein [in Niederländisch-Indien]
Deutsches Rotes Kreuz
Deutscher Turnverein in Batavia
Hamburg
Molukken [Inselgruppe in Niederländisch-Indien]; auch: Moluccen
Batavia [Stadt auf der Insel Java]
Deutschland; auch: Deutsches Kaiserreich, Deutsches ReichBis zur Gründung des Deutschen Reichs im Jahr 1871 kann von Deutschland nicht im Sinne eines Nationalstaates gesprochen werden. Doch in den Quellen wird der Begriff Deutschland auch zuvor häufig verwendet, wenn es den Urhebern nicht um eine Differenzierung zwischen den verschiedenen deutschen Teilstaaten ging.
Java [Insel in Niederländisch-Indien]
Singapur, auch: Sincapore, Singapore
Britisch-Indien; auch: British India (englisch), Englisch-Indien, Englisch-Ostindien, Hinter-Indien, Indien, Vorder-IndienDie Bezeichnung Britisch-Indien bezog sich im 17., 18. und der ersten Hälftre des 19. Jahrhunderts auf die Besitzungen der East India Company (EIC). Mit deren Auflösung im Jahr 1858 wurde die Kronkolonie Britisch-Indien geschaffen, seit 1876 auch als „Kaiserreich Indien“ bezeichnet. Bei ihrer größten Ausdehnung umfasste Britisch-Indien die heutige Republik Indien sowie die Territorien der heutigen Staaten Myanmar (früher Britisch-Burma), Bangladesch, Bhutan, Nepal und Pakistan sowie diejenigen Teile der Region Kaschmir, die heute zur Volksrepublik China gehören. Nur die Hälfte der Landfläche und etwa zwei Drittel der Bevölkerung Britisch-Indiens standen jedoch unter direkter britischer Herrschaft, denn diese stützte sich auch auf zahlreiche einheimische Fürstendynastien (Maharadschas). - Einen Überblick über die Geschichte Britisch-Indien gewährt:
Stuchtey, Britisches Empire
.
Französisch-IndochinaVietnam wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts formell noch immer von der Nguyen-Dynastie regiert, die sich gegenüber dem Chinesischen Kaiserreich als tributpflichtig verstand. Doch schon mit dem im Zuge des Zweiten Opiumkrieges zwischen China und Frankreich geschlossenen Vertrag von Tianjin musste China den Norden Vietnams, der von den Franzosen Tonkin genannt wurde, als französisches „Protektorat“ anerkennen. Darüber hinaus annektierten die Franzosen 1862 den Süden Vietnams und erklärte ihn zu ihrer Kolonie Cochinchina. 1870 besetzten sie weitere vietnamesische Städte, darunter nun auch die Hauptstadt Hanoi unweit der chinesischen Grenze. Nach der französischen Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg (1870 bis 1871) stand kurzzeitig zur Debatte, Cochinchina im Zuge der französischen Reparationszahlungen an das Deutsche Reich abzutreten, doch dazu kam es nicht, denn Reichskanzler Otto von Bismarck lehnte einen solchen Vorschlag ab. 1874 bekamen die Franzosen in der nahe Hanoi gelegenen Hafenstadt Haiphong eine eigene Konzession zugesprochen, wo seither ein französischer Konsul residierte und eine französisch-vietnamesische Zollbehörde eingerichtet wurde. In den 1880er Jahren versuchte Frankreich seinen Einfluß in Vietnam noch weiter auszudehnen, wobei nun die zwischen Cochinchina im Süden und Tonkin im Norden liegende Region Annam in den Mittelpunkt rückte. Aus dem dadurch ausgelösten Krieg zwischen Frankreich und China, der im Juni 1884 militärisch entbrannte, ging Frankreich siegreich hervor und erlangte zugleich die volle Kontrolle über die Regionen Tonkin und Annam, das 1884 ebenfalls zum französischen „Protektorat“ erklärt wurde. Im November 1887 etablierte Frankreich schließlich die Union de l’Indochine française (Französisch-Indochina), die Cochinchina, Annam und Tonkin umfasste, und unterstellte sie dem französischen Ministerium für die Kolonien. Ein französischer Generalgouverneur trat an die Spitze der Verwaltung Französisch-Indochinas. - Ein eingehende historische Untersuchung zur Imperial- und Kolonialpolitik Frankreichs in Ostasien liegt bislang nicht vor. Erste Überblicke bieten:
Brötel, Frankreich im Fernen Osten
;
Brocheux/Hémery, Indochina
.
Europa; auch: Europe (englisch)
Niederländisch-Indien; auch: holländisch Indien (heute: Indonesien)Gestützt auf die Vereenigde Oostindische Compagnie gelang es den Niederländern um 1600, sich sowohl gegenüber den konkurrierenden Portugiesen als auch gegenüber den verschiedenen Inselkönigreichen auf Java, Sumatra, Borneo, Celebes, Neuguinea und zahlreichen anderen Inseln Südostasiens sich als Kolonialherren durchzusetzen. Ausgehend von der Insel Java bauten sie ihre Kolonie Niederländisch-Indien immer weiter aus und behaupteten sie im frühen 19. Jahrhundert trotz zeitweiliger Abtretungen auch gegenüber den Briten. Erst 1949, nach der japanischen Besatzung und einem mehrjährigen, erbittert geführten Unabhängigkeitskampf, erlangte Indonesien schließlich seine staatliche Souveränität. Vgl.
Schulze, Geschichte Indonesiens
.
Surabaya [Stadt auf der Insel Java]; auch: Soerabaiya, Soerabaya, Sourabay, Sourabaya
Samarang [Stadt auf der Insel Java]; auch: Semarang
Telok Betong [Ort auf der Insel Sumatra]
Sumatra [Insel in Niederländisch-Indien]
Großbritannien; auch: England, Great Britain, United Kingdom of Great Britain and Ireland, Vereinigtes Königreich Großbritannien und IrlandNach dem Zusammenschluss des 1707 gebildeten Königreichs Großbritannien mit dem nur noch formell selbständigen Irland im Jahr 1801 lautete die offizielle Staatsbezeichnung Großbritanniens bis 1927 Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland. Das Staatsgebiet umfasste auf den Britischen Inseln die vier Landesteile England, Wales, Schottland und Irland, hinzu kamen abhängige Territorien auf allen Kontinenten, deren größte Ausdehnung 1922 erreicht war. 1927, mit der Bildung des Irischen Freistaats, wurde die offizielle Staatsbezeichnung verändert zu Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland.
Kokosinseln [Inselgruppe im Indischen Ozean, südwestlich von Sumatra]
Falklandinseln [Inselgruppe im Atlantik, vor Argentinien]
Qingdao (Pinyin) [Stadt in China]; auch: Tsingtau, Tsingtao
Saigon [Stadt in Vietnam]
Penang [Insel in der Straße von Malakka]; auch: Prince of Wales Island (englisch), Pulo Pinang (malaiisch)
Australien; auch: Australia (englisch)
Makassar [Stadt auf der Insel Celebes]; auch: Macassar
Bandjarmasin [Ort auf der Insel Borneo]; auch: Bandjermassin
Malta [Insel im Mittelmeer]
Ostasien; auch: East Indies (englisch), Indien, Ostindien, „Osten“Der Begriff Ostasien wird in der vorliegenden Edition in einem ganz weiten Sinne verstanden als Klammer für diejenigen Weltregionen, die für deutsche Kaufleute im langen 19. Jahrhundert auf Segel- und Dampfschiffen durch Umrundung des Kaps der Guten Hoffnung an der Südspitze Südafrikas oder - seit 1869 - nach Durchfahren des Suezkanals über den Indischen Ozean oder durch Umrundung der Südspitze Südamerikas über den Pazifik erreichbar waren. In den historischen Quellen synonym verwendet werden die Begriffe Indien, Ostindien oder einfach „Osten“.
Südostasien
Amerika; auch: America (englisch), Nord-, Mittel- und Südamerika
Niederlande; auch: Holland
Helfferich, EmilEmil HelfferichKaufmann, 12436165X17.01.187822.05.1972Emil Helfferich stammte - wie sein ältester Bruder Karl Theodor Helfferich und fünf weitere Geschwister - aus Neustadt an der Bergstraße, durchlief eine kaufmännische Lehre in Hamburg und gründete 1903 gemeinsam mit Georg Rademacher und Albert Paulmann die Firma Helfferich & Rademacher in Batavia / Telok Betong. Er selbst übernahm die Leitung der Niederlassung in Telok Betong. Als die 1907 mit Unterstützung von Arnold Otto Meyer in Hamburg in eine Aktiengesellschaft umgewandelte Firma bald darauf durch Pfefferspekulationen in finanzielle Schwierigkeiten geriet und im Februar 1908 von Behn, Meyer & Co. Ltd. in Singapur aufgekauft wurde, schied er zunächst aus, betätigte sich jedoch bald darauf als Berater für die Neuorganisation des Produktengeschäfts von Arnold Otto Meyer. Gemeinsam mit Franz Heinrich Witthoefft trat er für verstärkte deutsche Investitionen in die Plantagenwirtschaft
Südostasiens ein und zählte zu den treibenden Kräften für die Gründung des Straits und Sunda Syndikats, an dem deutsche und belgische Investoren beteiligt waren. Er blieb bis 1928 in Niederländisch-Indien, übernahm nach seiner Rückkehr nach Deutschland politische und wirtschaftliche Ämter, etwa als Hamburgischer Staatsrat, als Vorsitzender des Ostasiatischen Vereins und als Vorsitzender des Aufsichtsrats der HAPAG. 1932 engagierte er sich im sogenannten Keppler-Kreis, dessen Mitglieder Reichspräsident Paul von Hindenburg aufforderten, Adolf Hitler zum Reichskanzler zu berufen. 1933 trat er der NSDAP bei. Vgl.
Helfferich, Ein Leben
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 2
, passim;
Kemper/Rentschler, Handlungsspielräume
, S. 273–281.
Rademacher, GeorgGeorg RademacherKaufmann, KonsulGeorg Rademacher stammte aus Hamburg und gründete 1903 gemeinsam mit Emil Helfferich und Albert Paulmann die Firma Helfferich & Rademacher in Batavia / Telok Betong. Er selbst übernahm die Leitung der Niederlassung in Surabaya. Als die Firma, die 1907 in eine Aktiengesellschaft überführt worden, bald darauf durch Pfefferspekulationen in massive finanzielle Schwierigkeiten geriet und im Februar 1908 von Behn, Meyer & Co. Ltd. in Singapur aufgekauft wurde, übernahm er Leitung der Niederlassung Surabaya der Firma Behn, Meyer & Co. Ltd.. 1909 wurde er außerdem zum deutschen Konsul in Surabaya ernannt. Vgl.
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 2
, passim.
Kellermann, OttoOtto KellermannAngestellterOtto Kellermann war seit etwa 1908 für die Firma Behn, Meyer & Co. Ltd. in Niederländisch-Indien tätig; ihm oblag zunächst die Leitung der Niederlassung in Telok Betong, während des Ersten Weltkriegs wurde er nach Surabaya versetzt. 1922 ging er nach Amsterdam, um die Leitung der dortigen Niederlassung der Firma Arnold Otto Meyer zu übernehmen. 1925 schied er aus dem Unternehmen aus. Vgl.
Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 2
, S. 144, 165, 177, 179.
Bulle, HansHans BulleAngestellterHans Bulle war um 1914 ein Angestellter der Firma Behn, Meyer & Co. Ltd. in Singapur und in ihrer Niederlassung Batavia tätig; ihm oblag dort die Leitung der Importabteilung tätig. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs gelang es ihm, sich nach Deutschland durchzuschlagen. In den 1920er Jahren war er wieder für die Firma Behn, Meyer & Co. in Niederländisch-Indien tätig, u. a. in Surabaya und Palembang. Vgl.
Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 2
, S. 149, 161f., 179.
Lorenz-Meyer, AlbrechtAlbrecht Lorenz-MeyerAngestellter, Kaufmann136776354118911960Albrecht Lorenz-Meyer war ein Enkel von Arnold Otto Meyer und Sohn von Eduard Lorenz-Meyer. Er begann seine Tätigkeit für die Firma Behn, Meyer & Co. Ltd. in Singapur noch vor dem Ersten Weltkrieg und übernahm in den 1920er Jahren für die Firma N. V. Behn, Meyer & Co Handel Maatschappy in Batavia die Leitung der Niederlassung in Samarang. 1926 stieg er zum Teilhaber der Firma Arnold Otto Meyer in Hamburg auf, die er bis 1954 inne hatte. Vgl.
Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 2
, S. 162, 168, 176, 178.
Meyer, Arnold OttoArnold Otto MeyerKaufmann, Kunstsammler und Mäzen11755570301.09.182512.03.1913Arnold Otto Meyer absolvierte eine kaufmännische Lehre bei Burmester & Stavenhagen in Hamburg, ging nach New York und trat in die von Theodor August Behn und seinem älteren Bruder Valentin Lorenz Meyer 1840 gegründete Firma Behn, Meyer & Co. in Singapur ein, denn Valentin Lorenz Meyer wollte sich zurückziehen. Von 1851 bis 1900 war Arnold Otto Meyer Teilhaber des Unternehmens. 1857 kehrte er zurück nach Hamburg, wo er seine eigene Firma Arnold Otto Meyer gründete, die die Vertretung von Behn, Meyer & Co. in Europa übernehmen sollte. Um die Folgen der Weltwirtschaftskrise von 1857 zu überwinden, kehrte Arnold Otto Meyer im September 1862 jedoch nochmals für einige Jahre nach Singapur zurück unbd benannte Johannes Mooyer als seinen Bevollmächtigten in Hamburg. In Singapur übernahm Arnold Otto Meyer das Amt des Konsuls der Hansestadt Hamburg
bzw. des Konsuls der Hansestädte Hamburg, Bremen und Lübeck
. Als Teilhaber und führender Kopf der Firma Arnold Otto Meyer verlagerte sich der Schwerpunkt seiner Tätigkeit danach auf Hamburg, Deutschland und Europa. 1899 zog er sich als Teilhaber von Arnold Otto Meyer zurück, blieb aber bis zu seinem Tod stiller Gesellschafter. In Hamburg betätigte er sich auch als Kunstsammler und Mäzen. Vgl.
Gossler, „Meyer, Arnold Otto“
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 1
;
Helfferich, Behn, Meyer & Co./Arnold Otto Meyer, Bd. 2
.
Schönberg, Adolf Eduard TheodorAdolf Eduard Theodor Schönberg (Adolf Schönberg)Angestellter18791970Adolf Schönberg war von 1908 bis 1914 für die Firma Behn, Meyer & Co. Ltd. in Singapur tätig, zunächst in der Niederlassung Penang, seit 1913 als einer ihrer Direktoren in Singapur. Gemeinsam mit August Diehn oblag ihm seither die Leitung der Zentrale in Singapur. 1915 waren er und Diehn angeblich an einer Meuterei der von den Briten internierten Angehörigen feindlicher Staaten beteiligt, bei der mehrere britische Militärangehörige und Zivilisten ums Leben kamen. In den 1920er Jahren war er für die Firma Arnold Otto Meyer in Hamburg tätig und dabei vor allem mit der Neuordnung der von Hugo Stinnes übernommenen Firmen in Südamerika befasst. Vgl.
Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 2
, passim;
Brown/Brown, Singapore Mutiny
.
Schubert, RobertRobert SchubertAngestellterRobert Schubert war von 1906 bis 1914 für die Firma Behn, Meyer & Co. Ltd. in Singapur tätig, zunächst in der Niederlassung Penang. In den 1920er Jahren war er für die Hamburger Firma Arnold Otto Meyer in Südamerika tätig. Vgl.
Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 2
, S. 137, 141, 158, 177f.
Emden
Roon
Hertog Hendrik
Angestellter; auch: Beamter (Privatbeamter), Employé
Geschäftsführer, Geschäftsführung
Erster Weltkrieg (1914–1918)
Deutsche in Niederländisch-Indien
Deutsche; auch: Germans (englisch)
Kaufleute, niederländische
Kaufleute, österreichische
Auftrag; auch: Bestellung, Order, Ordre
Konsul des Deutschen Reichs
Generalkonsul des Deutschen Reichs
Eisernes Kreuz II. Klasse am weißschwarzen BandeDas Eiserne Kreuz II. Klasse am weißschwarzen Bande war eine preußische Kriegsauszeichnung für Personen, die nicht dem Militär angehörten.
Kapital; auch: Aktienkapital, Bankkapital, Capital, Einschuß, Gesellschaftskapital, Privat-Capital, Stamm-Capital, working capital (englisch)
Konto; auch: account (englisch), Conto, Reserveconto
Rechnung; auch: account (englisch), Factur, Factura, Faktur
Briten; auch: British (englisch), Britons (englisch), Engländer, English (englisch), Englishmen (englisch)
Aktien; auch: Actien, shares (englisch)
Commissaris; auch: KommissarisDer nach niederländischem Recht bestellte Aufseher über ein Unternehmen wurde im 19. Jahrhundert als „Commissaris“ bezeichnet. Diese Aufgabe konnte auch von einem anderen Unternehmen - oft in Vertretung von oder in Gemeinschaft mit natürlichen Personen - wahrgenommen werden.
Niederländer; auch: Dutch (englisch), Holländer
Internierungslager; auch: Camp
Vertreter, Vertretung; auch: agency (englisch), agent (englisch), Agent, Agentur, Alleinvertretung, Handelsagentur, representation (englisch), representative (englisch), Vertretungsgebiet, Vertretungsvertrag
Kapitän; auch: Capitän, Capitain, captain (englisch), Kapitaen, Schiffscapitän
Dampfschifffahrt; auch: Dampferlinie, Dampfschifffahrtsgesellschaft
Kontor; auch: Contor, Privat Contor
Schifffahrt; auch: Schifffahrtsbranche, Schifffahrtsgesellschaft
Hafen; auch: free port (englisch), Freihafen, port (englisch), VertragshafenHäfen spielten für den Handel mit und in Ostasien im langen 19. Jahrhundert eine zentrale Rolle, zum einen als „Freihäfen“, wie zum Beispiel Singapur, in denen Waren ein- und ausgeführt werden konnten, ohne mit Zöllen belastet oder durch nichttarifäre Handelshemnisse beschränkt zu werden, zum anderen - und das war die häufigere Form - als „Vertragshäfen“, die zumeist nicht freiwillig, sondern unter Androhung von militärischer Gewalt oder auch erst nach einer militärischen Niederlage von den betreffenden Territorialstaaten, vor allem China und Japan, für den internationalen Handel geöffnet wurden. Dies geschah in der Regel auf der Basis eines mehr oder weniger erzwungenen Handelsvertrages, der keine gleichen Rechte für die Vertragspartner vorsah, sondern in erster Linie den Interessen der ausländischen imperialen Mächte entsprach und deshalb als Ungleicher Vertrag bezeichnet wurde. Über die Vertragshäfen wurde in China, Japan und anderen Ländern Ostasiens eine kommerzielle Revolution mit tiefgreifenden Veränderung für alle Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft in Gang gesetzt. Vgl.
Fairbank, Trade and Diplomacy
;
HAO, Commercial Revolution
;
Hoare, Japan‛s Treaty Ports
;
So/MyersTreaty Port Economy
;
Bickers/Jackson, Treaty Ports
;
Brunero/Villalta Puig, Life in Treaty Port China and Japan
.
Dampfschiff; auch: Dampfbarkasse, Dampfboot, Dampfer, steamboat (englisch), steamer (englisch)
Postverkehr; auch: Landverbindung, overland mail (englisch), Overlandmail, Postdampfer, Postschifffahrt, Postverlauf, Sattelkurier, Ueberlandweg
Zahlung; auch: Auszahlung, Barzahlung, Bezahlung, Disbursement, Einzahlung, Geldüberweisung. Giro Verkehr, payment (englisch), Rückzahlung, Vorausbezahlung, Zahlungsanweisung, Zahlungsausfall, Zahlungsbedingungen, Zahlungsbereitschaft, Zahlungsmethode, Zahlungsmodus, Zahlungsschwierigkeit, Zahlungsverkehr, Zahlungsverweigerung, Zahlungsverzögerung
Lohn; auch: Bezüge, Gage, Gehalt, Salair, salary (englisch), Vergütung, wage (englisch)
Seemann, Seeleute; auch: sailor (englisch), Seefahrer
Auktion; auch: Auction, auction (englisch), Auktionsverkauf
Schiffsmannschaft; auch: Equipage, Mannschaft
Kriegsschiff; auch: Kanonenboot, Panzerschiff
Kriegsgefangener, Kriegsgefangenschaft
Generalkonsul, britischer
Zucker; auch: Raffinadezucker, Rohzucker, sugar (englisch), zeeker (niederländisch), zuykar (niederländisch), zuyker (niederländisch)
Bank; auch: Aktienbank, Bankenwelt, Bankgeschäft, Bankhaus, banking operations (englisch), Geldgeber, Geldinstitut, Geschäftsbank, Großbank, Investmentbank, issuing bank (englisch), merchant bank (englisch), Privatbankhaus
Presse; auch: Tageszeitung, Wochenzeitung, Zeitung
Teilhaber; auch: Ahsocié, Associé, Gesellschafter, Partner, Theilhaber, Theilnehmer
Konsortium; auch: Consortium, great financial group (englisch), Syndikat
Kredit; auch: Anleihen an dritte Personen, Ausleihung von Geldern, Blanco Credit, Credit, credit (englisch), Darlehen, Kreditgeschäft
Telegramm; auch: Depesche, Kabel
Telegrafie; auch: Cabeln, Code, Drahten, Private Code (englisch), Special Code (englisch), Telegraph, telegraph (englisch), Telegraphic Address (englisch), TelegraphieNeben Briefen und anderen schriftlichen Nachrichten wurde die Telegrafie im 19. Jahrhundert zu einem wichtigen Kommunikationsmedium der im Fernhandel tätigen Kaufleute und Reeder. Nachdem die technischen Infrastrukturen geschaffen worden waren, ging es nicht zuletzt darum, neue Routinen und Rhythmen im Umgang mit dem Medium sowie Wege zu finden, eigene Geschäftsgeheimnisse zu schützen. Zu diesem Zweck wandten die Kaufleute in ihrer telegrafischen Geschäftskorrespondenz häufig eigene, speziell entwickelte Codes an, sodass die übermittelten Informationen, etwa sensible Preisinformationen oder Namen von Auftraggebern und Kunden, nicht ohne Weiteres von Dritten mitgelesen werden konnten. Durch Verkürzung der Wortlängen konnten zudem erhebliche Kosten gespart werden. Vgl. hierzu exemplarisch:
Helfferich, Behn, Meyer & Co. / Arnold Otto Meyer, Bd. 2
, S. 78f. - Zur generellen Bedeutung der Telegrafie für die wirtschaftliche Globalisierung:
Wenzlhuemer, Connecting the Nineteenth-Century World
.
Zinn; auch: Rohzinn, tin (englisch), tin business (englisch), Zinngeschäft, Zinnhandel, Zinnhandelsgesellschaft
Tabak; auch: Rohtabak, Taback
Fotograf, Fotografie; auch: Photograph, Photographie, photographische Produkte
Kopra; auch: Copra, CoprahUnter der Bezeichnung „Kopra“ wurden im 19. Jahrhundert große Mengen des in Südostasien und Ozeanien produzierten, getrockneten Kokosnussfleisches nach Europa verbracht, wobei zwischen den beiden Varianten „Sundried“ (in der Sonne getrocknet und von höherer Qualität) und „Kilndried“ (im Ofen getrocknet und von niedrigerer Qualität) unterschieden wurde. In Europa wurde Kopra vor allem zu Kokosnussöl verarbeitet. - Vgl. zu den Arbeits- und Lebensbedingungen in der Kopraerzeugung auf Samoa:
Droessler, Coconut Colonialism
.
Öl [Speiseöl]; auch: Oel, Oelfabrikant
Aktionär; auch: Actionär, Anteilseigner, Interessent, shareholder (englisch)
Zins; auch: interest (englisch), Zinsentwicklung, Zinsfuß
Gewinn; auch: Avanz, Ayanz, Capital Avance (niederländisch), Gewinn, Gewinnbeteiligung, Gewinnst, Gewinst, Netto-Gewinn, Profit, profit (englisch), profit sharing (englisch), Verdienst
Plantage; auch: Cultur, Estates-Geschäft, Pflanzung, Plantagengeschäft, Plantagengesellschaft
Ölmühle [Speiseöl]; auch: Oelfabrik, oil mill (englisch)