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Nr. 2.6.03

Emil Helfferich über die Lage deutscher Kaufleute in Niederländisch-Indien zu Beginn und während des Ersten Weltkriegs, o. D. [ca. 1940]

Erinnerungsbericht

Regest:

Emil Helfferich, ehemaliger Mitarbeiter der Firma Arnold Otto Meyer und Geschäftsführer der Straits und Sunda Syndikat mbH in Hamburg, der von 1910 bis 1928 fast durchgehend selbst in Niederländisch-Indien tätig war, beschreibt rückblickend um das Jahr 1940 in einem für die Publikation bestimmten Erinnerungsbericht, wie sich die Lage für deutsche Kaufleute zu Beginn und während des Ersten Weltkriegs dort darstellte. Er betont, dass die Mitarbeiter der britischen Aktiengesellschaft Behn, Meyer & Co. Ltd. in Niederländisch-Indien bzw. der kurz nach Kriegsbeginn wegen der befürchteten britischen Beschlagnahmung von Vermögenswerten gegründeten N. V. Behn, Meyer & Co. Handel Maatschappy in Batavia wichtige Aufgaben zur Wahrung deutscher Interessen übernommen hätten, etwa im Hinblick auf die Anweisung und Betreuung deutscher Schiffe. Viele Deutsche in Niederländisch-Indien, darunter auch Mitarbeiter von Behn, Meyer & Co., hätten sofort nach Kriegsausbruch versucht, nach Deutschland zu gelangen, um sich dem Militär zur Verfügung zu stellen, doch das sei durch englische Gegenmaßnahmen weitgehend verhindert worden. Java habe vielmehr viele Deutsche aus Singapur, den Straits Settlements, aus Britisch-Indien und Französisch-Indochina aufnehmen müssen. Um sie alle habe sich die N. V. Behn, Meyer & Co. Handel Maatschappy vorbildlich gekümmert, während zugleich das Gemeinschaftsgefühl der Deutschen mit Kriegsausbruch zum Durchbruch gelangt sei, wozu auch die Gründung des Deutschen Bundes in Niederländisch-Indien beigetragen habe. Unter den mit der britischen „Schwarzen Liste“ verfügten Sanktionen habe man schwer gelitten, weil sich viele niederländische und chinesische Kaufleute abwandten. Mit der Gründung der von deutschen und österreichischen Kaufleuten getragenen Oost-Indischen Producten-Bank N. V. habe man sich gegen die fast vollständige Lahmlegung des Handels mit Europa zu behaupten und auf die Nachkriegszeit vorzubereiten versucht. Der teils mit Geheimkurier organisierte Ankauf vorerst nicht exportierbarer Produkte sei tatsächlich gelungen, nicht jedoch der Verkauf in Deutschland nach Kriegsende. Dies sei enttäuschender Weise von deutschen Stellen behindert worden, die ihre Aufträge bevorzugt an halb-niederländische oder niederländische Firmen vergeben hätten. Trotz aller Bedrängnis habe sich die Firma Behn, Meyer & Co. jedoch genau wie das Straits und Sunda Syndikat bis heute behaupten können. Ungebrochen durch den verlorenen Krieg sei man mit neuer Kraft wieder an die Arbeit gegangen.

Der Kriegsausbruch kam für die Deutschen in Niederl.Indien überraschend. Irgendeine vorherige Warnung war vorher nicht erfolgt und man stand plötzlich und unvorbereitet einer ganz neuen Lage gegenüber.

Leiter von Behn Meyer & Co. Ltd. in Niederl.Indien war damals Georg Rademacher mit Sitz in Soerabaya. Die Niederlassung in Batavia unterstand Theodor Helfferich, in Semarang Rudolf Heitmann und in Telok Betong (Süd-Sumatra) Otto Kellermann, alle drei Prokuristen. Emil Helfferich, der Direktor des Straits und Sunda Syndikat’s war kurz vor Kriegsausbruch aus Europa zurückgekehrt.

Als am 4. August 1914 der Krieg ausbrach, wurden verantwortungsvolle Aufgaben auf die Schultern der Leitung von Behn Meyer & Co. Ltd. gelegt, insbesondere auf die Schultern Georg Rademachers und Theodor Helfferichs. Ersterer war zugleich Deutscher Konsul in Soerabaya, letzterer Vertrauensmann des Deutschen Generalkonsulats in Batavia, das in Abwesenheit des Generalkonsuls, der in Deutschland weilte, durch einen Vizekonsul verwaltet wurde. Insbesondere Theodor Helfferich wurde von Reichsseite stark in Anspruch genommen, da Batavia schliesslich das Zentrum war und von dort aus Weisungen an die deutschen Schiffe usw. ergehen mussten. Es ist hier nicht der Platz, um die Verdienste Theodor Helfferichs und Georg Rademachers im Einzelnen herauszustellen. Sie sind den zuständigen Stellen bekannt und später durch Verleihung des EK II am schwarzweissen Bande anerkannt worden. Nur kann gesagt werden, dass die Firma durch ihre Leiter und ihre Einrichtungen dem Reich in der schweren Zeit des Weltkrieges sehr wertvolle Dienste geleistet hat.

Die Firma selbst kam durch den Kriegsausbruch in eine merkwürdige Situation. Sie war eine englische Aktiengesellschaft mit dem Sitz in Singapore. Die Niederlassungen in Niederl.-Indien waren Filialen des englischen Singapore-Hauses, denen das Singapore-Haus ein Kapital von Hfl. 600.000.– zur Verfügung gestellt hatte. Ausser dem Kapitalkonto bestand auch noch eine laufende Rechnung mit Singapore. Da die Engländer die Singapore-Firma und auch die für Rechnung der deutschen Beteiligten in Singapore liegenden sämtlichen Aktien beschlagnahmten, bestand die Gefahr, dass die Engländer nun auch nach Java übergreifen und sich der Aktiven von Behn Meyer & Co. Ltd. auf Java bemächtigen würden.

Dies musste unbedingt vermieden werden. Nach eingehender Beratung mit Georg Rademacher wurde daher am 16. Dezember 1914 durch Theodor und Emil Helfferich die Naamlooze Vennootschap Behn Meyer & Co. Handel Maatschappy, eine Aktiengesellschaft nach niederl.indischem Recht, mit dem Sitz in Batavia gegründet. Das Kapital der neuen Gesellschaft betrug fl. 1.000.000.–, worauf 50 % bei der Gründung eingezahlt wurden. Direktoren der Gesellschaft waren Georg Rademacher und Theodor Helfferich, Commissaris Emil Helfferich. Die neue Gesellschaft wurde weiterhin zum Träger der Tradition und der Geschäfte der alten Firma.

Die Macht des seebeherrschenden Englands und die Gefügigkeit der Holländer führten bald dazu, dass die geschäftliche Tätigkeit der deutschen Firmen, wenigstens in der bisherigen Weise, lahmgelegt wurde. Zu Anfang, als das ostasiatische Kreuzergeschwader noch bestand, hegten die Deutschen immer noch Hoffnungen, zumal die kriegerischen Ereignisse in Europa glücklich für uns verliefen und man allgemein mit einem kurzen Krieg rechnete. Neuen Impuls bekamen diese Regungen durch die glänzenden Taten der „Emden“ in der unmittelbaren Nachbarschaft. Als aber die „Emden“ vor den Cocosinseln ihr heldenhaftes Ende fand, und das Kreuzergeschwader, an das die Deutschen Niederl.-Indiens so manche schöne Erinnerungen verband, bei den Falklandinseln versank, legte sich ein Schatten über die deutsche Kolonie im niederl.-indischen Inselbereich und allen wurde bewusst, dass der Krieg lange und hart sein würde, auch für die Deutschen fern der Heimat.

Mit einer tiefen, edlen Begeisterung hatten sie sich alle bei Kriegsausbruch dem Vaterland zur Verfügung gestellt. Aber die Konsulate mussten die sich in grosser Zahl meldenden Deutschen enttäuschen. Der Weg nach Deutschland und auch nach Tsingtau war gesperrt. Die Engländer hielten alle Schiffe an und holten die Deutschen herunter. Trotzdem ist es einer ganzen Anzahl junger Deutscher geglückt, sich mit Mut und List nach Deutschland durchzuschlagen. Auch Behn Meyer Leute waren darunter: Hans Bulle, der erst nach zweimaligem Versuch nach Deutschland durchkam und dann tapfer in vorderster Front gekämpft hat, und Albrecht Lorenz-Meyer, der Enkel des alten Arnold Otto Meyer, der zusammen mit seinem Freund Wachsmuth von Singapore nach Batavia gekommen war. Wachsmuth ist später gefallen. Auch der junge Schmülders, der Angestellter in Batavia war und nach Deutschland zurückkerhte, fiel auf dem Felde der Ehre und ebenso ist bald nach Kriegsausbruch nachträglich handschriftlich ersetzt durch: „noch kurz vor Kriegsschluß“ der frühere Batavia-Leiter Karl Möller, der zuletzt in Hamburg arbeitete, gefallen.

Aus den Straits und auch aus Vorderindien kamen verschiedene Deutsche nach Java. Sie wurden teils in Westjava und Ostjava in Berghotels untergebracht. Dazu gesellten sich Speidel-Leute1 aus Saigon und schliesslich noch die Deutschen, die im Februar 1915 während der Meuterei in Singapore aus dem Internierungslager ausgebrochen waren, darunter August Diehn und Adolf Schönberg, beides Direktoren von Behn Meyer & Co., Singapore.2 Robert Schubert von Penang war schon früher herüber gekommen.

In vorbildlicher Weise sorgte die Firma auf Java für die flüchtigen und stellungslosen Angehörigen der Straitshäuser. In gleicher Weise war sie der Heimathafen für die deutschen Schiffe. Die Agentur des Norddeutschen Lloyd lag ja bei Behn Meyer & Co., aber [nachträglich maschinenschriftlich ergänzt: : auch] die Kapitäne der anderen deutschen Linien, deren Vertretung bei holländischen Häusern lag, wandten sich an Behn Meyer & Co., deren Kontor das Zentrum für alle Schiffahrtsfragen wurde.

Die Schiffahrtsfragen wurden immer schwieriger. 21 deutsche Schiffe hatten sich in die niederl.indischen Häfen geflüchtet. Alle Arten von Schiffen waren darunter vertreten, vom kleinsten Küstendampfer bis zu Reichspostdampfer, sämtliche Linien: Nordd. Lloyd, Hapag, Deutsch Austral. Dampf. Gesellschaft und Hansa. Alle Schiffe mussten finanziert werden. Für die Zahlung der Gagen bestand keine einheitliche Regelung, wie auch jedes einheitliche Kommando fehlte. Schiffsleute sind eigenartig und schwierig. Neben dem Generalkonsulat waren es Behn Meyer & Co., die hier helfend, beratend und ordnend eingriffen. Die Finanzierung der N. D. L. Schiffe wurde schliesslich dadurch sichergestellt, dass die für Australien bestimmte Ladung der „Roon“ in öffentlicher Auktion in Batavia, Semarang und Soerabaya verkauft und der Erlös für die Schiffe verwandt wurde. Auch an der Unterbringung der Schiffsbesatzungen an Land zu Erholungszwecken haben sich Behn Meyer & Co. von Anfang an beteiligt.

Das Gemeinschaftsgefühl der Deutschen in Niederl.-Indien kam beim Ausbruch des Krieges stark zum Durchbruch. Hatte bisher in nationaler Hinsicht eine gewisse Lauheit geherrscht, die nur durch kurze patriotische Wellen anlässlich eines Kriegsschiffsbesuches oder Kaisers Geburtstag unterbrochen wurde, war man bisher mehr nebeneinander als miteinander gegangen, war man bisher als Deutscher Draussen niemals auf die grosse Probe gestellt worden, – jetzt wurde das anders und man kann mit Stolz sagen, dass die Deutschen in Niederl.-Indien diese Probe glänzend bestanden haben.

Am 27. Januar 1915 wurde in Batavia der „Deutsche Bund in Niederl.-Indien“ gegründet, der die gesamte deutsche Kolonie draussen umfassen sollte und gleich darauf Abteilungen in Soerabaya, Makassar und Bandjermassin errichtete, während der deutsche Verein in Medan (Sumatra) geschlossen dem Deutschen Bund beitrat. Der Deutsche Bund gab eine eigene Zeitschrift „Deutsche Wacht“ heraus, die kürzlich ihr 25jähriges Bestehen begehen konnte und die ein festes geistiges Band um alle Deutschen schlang.

Sowohl bei der Errichtung des Deutschen Bundes als auch bei der Durchführung der Aufgaben des deutschen Unterstützungskommittees und der Sammlung des Deutschen Roten Kreuzes haben sich Behn Meyer & Co., oder die leitenden Herren der Firma, tatkräftig beteiligt. Georg Rademacher war Vorsitzender des Deutschen Vereins und der Abteilung des Deutschen Bundes in Soerabaya, Theodor Helfferich, Vorsitzender des in 1866 gegründeten Deutschen Turnvereins in Batavia und seiner besonderen Betreuung unterstanden die Kriegsgefangenen-Angehörigen des Ostasiatischen Kreuzgeschwaders in Australien, auf Malta und in England.

In Ostasien und Südostasien sind die grossen deutschen Handelshäuser und Unternehmen schon in Friedenszeiten die starken Träger der deutschen Kolonie. Und noch mehr waren sie das in der Kriegszeit, insbesondere Behn Meyer & Co. und das diesem Hause nahestehende Straits und Sunda Syndikat haben sich in schwerer Zeit als Hort des Deutschtums im Niederl.-Indien gezeigt. Ihre Leiter pflegten auch gute persönliche Beziehungen zu führenden holländischen Kreisen und der Achtung, die sie in diesen Kreisen genossen, ist es zu verdanken, dass insbesondere die Javasche Bank, die niederl.-Indische Notenbank, den deutschen Firmen und Unternehmen während des Weltkrieges trotz englischer Drohungen weitgehende finanzielle Unterstützung gewährte. Die Engländer führten den Handelskrieg mit der schärfsten Waffe, mit der „Schwarzen Liste“.3 Die Schwarze Liste legte den davon Betroffenen geschäftlich völlig lahm. Sie wirkte sogar noch über den Tod hinaus: Als der allgewaltige Englische Generalkonsul Beckett in Batavia während des Weltkrieges das Zeitliche segnete, hatte er das grösste Begräbnis, das Batavia jemals gesehen hat; denn hinter seinem Sarge schritten in einem endlosen Zug alle die biederen holländischen und chinesischen Kaufleute, die nicht gern auf die Schwarze Liste kommen wollten.

Behn Meyer & Co. standen aber wie jede anständige deutsche Firma auf dieser Liste. Sie wurde zur Auszeichnung für die Tüchtigen. Denn trotz der Schwarzen Liste wurden noch Geschäfte gemacht, wenn es auch manchmal Kettenhandel war und über Wege und Stege ging, die man sonst gemieden hätte. Auf einen Schelm anderthalben! galt es auch hier. Als neuen Zweig nahmen Behn Meyer & Co. mit Erfolg gegen Ende des Krieges in getarnter Form das Zuckergeschäft auf.

Wie wenig sich die Deutschen unterkriegen liessen, zeigte die Gründung der deutschen „Ostindischen Produktenbank“ in Batavia im April 1917. Ueber die Gründung dieses Unternehmens heißt es in der April-Nummer 1917 der „Deutschen Wacht“:

„Oost-Indische Producten-Bank N. V. Batavia. Durch ein Komitee, dem die Vertreter deutscher und österreichischer Produktenfirmen in Niederl.-Indien angehören, ist in der ersten Hälfte des April ein Prospekt zur Errichtung einer Aktiengesellschaft unter dem Namen Oost-Indische Producten-Bank herausgegeben worden.

In einer Zeit, wo der Handel mit Europa lahm gelegt ist und infolgedessen in der Kolonie eine Anhäufung von Exportprodukten stattfindet, sieht die zu gründende Bank ihre Aufgabe darin, unter Ausnützung günstiger Marktverhältnisse hier ihre Hand auf grosse Produktenmengen zu legen und zwar auf solche Produkte, deren die Zentralmächte nach Friedensschluss dringend bedürfen. Das Vorhandensein einer grossen Leertonnage [nachträglich maschinenschriftlich ergänzt: der] in den niederl.indischen Häfen liegenden deutschen und österreichischen Schiffe sollte nach Friedensschluss den raschen Abtransport der eingelagerten Produktmengen ermöglichen.

Das Kapital der Bank beträft Fl. 2.500.000.– nominal in Abschnitten von Fl. 500.– . Zur Ausgabe gelangen zunächst Fl. 750.000.– . Der Zeichnungstermin schliesst für Java am 15. Mai und für die Aussenbesitzungen am 31. Mai ds. Js. Die Leitung der Bank übernimmt Herr F. W. Speidel als Direktor mit den Herren H. Prescher und C. Daumiller als Mitarbeiter.

Vaterlandsliebe und gesunder Geschäftsgeist haben sich bei der Gründung dieses Unternehmens zusammengefunden. Seine Zeitmässigkeit und Bedeutung ist von der holländischen Presse hierzulande gewürdigt worden. Wir wünschen dem Unternehmen vollen Erfolg und geben der Hoffnung Ausdruck, dass die Oost-Indische Produkten-Bank auch nach Erledigung ihrer Kriegsaufgabe weiterbestehen und dann ein noch weiteres Feld für ihre Tätigkeit finden möge.“

Das zunächst zur Ausgabe gelangte Kapital der neuen Bank wurde voll gezeichnet. Die Leiter der Bank waren frühere Teilhaber der Firma Speidel & Co., Saigon. Dem Aufsichtsrat und insbesondere dem kleinen Aktionsausschuss gehörte Georg Rademacher von Behn Meyer & Co. an. – Vorsitzender war Emil Helfferich.

Die Bank nahm sofort die Verbindung mit Arnold Otto Meyer in Hamburg auf. Ein junger Holländer, der über Amerika nach Europa reiste, machte den Blockadebrecher. In Hamburg bildete sich unter Führung von Arnold Otto Meyer ein Produkten-Syndikat, das die nötigen Kredite arrangierte und feste Aufträge nach Java legte. Die Korrespondenz zwischen Hamburg und Java wurde mit unsichtbarer Tinte oder sympathischer Tinte, wie der passende technische Ausdruck lautet, geführt. Für Telegramme waren Deckadressen hüben und drüben vereinbart worden und die meisterhaft ausgearbeiteten Codes, die ganz unverfängliche Worte und Sätze enthielten, hatte der Blockadebrecher von Java mitgenommen. Der Verkehr funktioniert ausgezeichnet. Der grosse Original-Auftrag des Hamburger Syndikats (Es handelte sich dabei um einen Millionen-Auftrag auf Zinn, Kautschuk und Tabak u. a.) wurde auf einen schmalen Film photographiert und der Film in das Futter des Etuis eines Opernglases eingenäht. Eines Tages meldete sich bei Emil Helfferich in Batavia ein stämmiger holländischer Maat des gerade am Tage vorher aus Europa eingelaufenen holländischen Kriegsschiffes „Hertog Hendrik“ „Sind Sie Herr Helfferich?“ fragte er auf holländisch. „Jawohl“. „So, dann habe ich Ihnen ein kleines Geschenk aus Holland mitgebracht. Ein Bekannter von Ihnen hat es mir mitgegeben.“ und überreichte das Etui mit dem Opernglas. „Danke“. Dem Empfänger war die Sache nicht ganz geheuer und nach genauer Untersuchung fand er denn unter dem Futter verborgen den wertvollen Film.

Die Ostindische Produktenbank hat gut gearbeitet und wenn sie nach Kriegsende nicht voll zum Tragen kam, so lag dies an gewissen Stellen in der Heimat, die insbesondere die Aufträge von Coprah und Cocosoel an eine halb-holländische und heute ganz holländische Firma leiteten, die sich von den Deutschen draussen möglichst fern gehalten hatte. Das war eine der Enttäuschungen, welche die Auslandsdeutschen damals an ihrem Vaterlande erlebten. Auch die Hoffnung, dass die Ostindische Produktenbank nach dem Kriege als Einkäuferin für Deutschland bestehen würde, erfüllte sich mangels Unterstützung und Verständnisses zuhause nicht. Sie wurde liquidiert, nachdem sie ihren Aktionären eine normale Verzinsung ihres Kapitals – keinen Kriegsgewinn – gebracht hatte.

Trotz aller Bedrängnis gelang es sowohl Behn Meyer & Co. sowie das dieser Firma nahestehende Straits & Sunda Syndikat mit seinen Pflanzungen und die dem Syndikat angegliederte und unter Leitung von M. Loebell stehende Oelmühle in Soerabaya durchzuhalten und zwar nicht zuletzt dank dem vertrauensvollen Zusammenarbeiten der verantwortlichen Männer. Sie waren alle auf sich selbst gestellt, sie mussten selbst ihre Entscheidungen treffen und haben einander geholfen, wo es nötig war.

Als im April 1919 die Schwarze Liste aufgehoben wurde, kam auch für die deutschen Firmen Unternehmen wieder ein starker Ruck nach oben und alle gingen schliesslich in guter Verfassung aus dem Weltkrieg hervor. Wie sie war das gesamte Deutschtum in Niederl.-Indien durch die Nöte des Krieges nicht kleiner sondern grösser und geschlossener geworden. Und ungebrochen durch den verlorenen Krieg ging man mit neuer Kraft wieder an die Arbeit.